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Der Zunderpilz Donnerstag, 11. 03. 2010

Zunder am Baum


Die enzündbare Welt des Baumpilzes Fomes Fomentarius



>>Der Echte Zunderschwamm (Fomes fomentarius - franz. l'Amadouvier - Rumänisch Iasca) ist ein Baumpilz, der als Parasit vor allem an älteren Bäumen zu finden ist. Dieser mehrjährige korkig-zähe Fruchtkörper erreicht eine Grösse von 20 bis 30 Zentimetern und wächst huf- oder konsolenförmig am toten Holz. Die braune bis graue Oberseite ist in wellig-rillige Zonen geteilt und besitzt eine (sehr) harte Kruste. Die hell- bis dunkelbraune Unterseite besteht aus einer feinen Schicht Poren, in deren Röhren die Sporen heranreifen. Bevorzugt befällt er die Buche, in nördlicheren Breiten auch die Birke bzw. in südlicheren die Eiche. Aber auch Ahorn, Erle, Esche, Pappel und Nadelbäume können dem Pilz als Wirt dienen.

Doch nur der echte Zunderschwamm von Laubbäumen brennt! Zunderschwamm von Nadelbäumen hat eine Art roten Rand an der Unterseite des Pilzes. Dieser Pilz ist kein echter Zunderschwamm, sondern nennt sich der Rotrandige Baumschwamm: >>http://de.wikipedia.org/wiki/Fichtenporling. Ich habe aber noch nie Zunderschwamm an einer Eibe gesehen; und ich habe schon viele Eiben gesehen! Ebenso nicht an Erle, an Hainbuche und Haselnuss. Warum wächst er da nicht? Egal.

Es gibt die Theorie, das sich der Zunderschwamm durch Spechte vermehrt. Der Specht geht an morsche, kranke Bäume und trommelt dort nach Insekten unter der Rinde etc. Dabei fallen Sporen des Zunderschwamms von oben durch die Vibration des Hämmern auf das Gefieder des Spechtes. Der fliegt weiter zum nächtsten Baum und dort setzt sich der Sporen fest und bildet einen neuen Pilz. Zunderschwämme befinden sich immer in Mengen an solchen Bäumen, immer untereinander, nie nebeneinander. Dies deutet auf eine Bestätigung der Schwerkraftspechttheorievermehrung. >>Noch ein Link zum Thema (PDF)

Der Pilz dreht sich bei einer Änderung der Wuchsrichtung des Wirtes (auch durch Umfallen z.B.) nach der Schwerkraft und wendet sich mit der Unterseite in Richtung Erdmittelpunkt und wächst weiter. Wie macht er das?

Zunder hat eine blutstillende Wirkung. Legen Sie mal (sauberen) Zunder auf eine wenig blutende Wunde. Nach einiger Zeit stoppt der Pilz die Blutung. Zunder wird noch heute in den Apothekerbüchern unter dem Lateinischen Namen "Fomes Fomentarius" als blutstillendes Medikament geführt, aber nicht mehr verkauft bzw. ist gibt keine Herstellung mehr.

Verschiedene Zunderpilze

Der Pilz verursacht Kernfäule bzw. Weissfäule, das heisst, er "ernährt" sich von der Zellulose, dem Lignin (gewissermassen das 'Skelett' des Baumes) und den Kohlenhydraten im Stamm, der auf diese Weise in ein helles, feuchtes und weiches Holz zersetzt wird. Als Zundermaterial ist nur die Mittelschicht zwischen der oberen Kruste und der unteren Poren- bzw. Röhrenschicht, die sogenannte Trama, geeignet.

Schema des Zunders

Diese Mittelschicht muss zuerst aus dem Pilz herausgeschnitten und anschliessend noch speziell präpariert werden. Vorsicht beim schneiden.

Schnittweise

Ich habe gute Erfahrung mit sehr scharfen kleinen Damaszenerklingen. Die Kruste ist zum Teil knochenhart. Wenn die Pilze einmal trocken sind, ist es noch schwieriger, sie aufzuschneiden. Das Material läßt sich ziehen und ansetzen wie Filz. Eine sehr gute Methode, ökonomisch und schneller brennbar: Ich hole mir im Frühjahr die ausblühenden Samen des Rohrkolben, meist zu finden in den Rückhaltebecken von Autobahnzufahrten. Dieses Material trockne ich ganz normal. Den Zunder hole ich im Mai, da treibt er ganz gut. Die besten Stücke sind die Faustgroßen, diese haben den meisten Zunder. Man könnte Zunder züchten: Im Mai die Kleinen abbrechen und ein paar Jahre wiederkommen. Der Pilz versucht, die Wunde mit verstärktem Wachstum zu überwuchern. Das Resultat ist eine breitere Zunderschicht als die "normalen" Pilze.

Soweit die heiligen Worte. Die Zunderschnippsel in einen Mixer aus den 50ger Jahren tun, aufflocken und mit dem Rohrkolbensamen etwa 1:1 mischen. Erstens erhöht das um mindestens um das Doppelte bis Dreifache das Volumen, zweitens brennt es besser an, drittens ist es billiger. So einfach ist das. Es muss noch mehr solcher Tricks geben, bespielsweise wie schnell eine offene Flamme entsteht, etwa mit Birkenrinde. Die elende Pusterei mit Heu ist sehr rauchintensiv, aber spektakulär. Ein offenes großes Feuer habe ich so in etwa 10 Minuten.

Zunderlappen

Um die Entzündbarkeit dieses organischen Materials noch weiter zu erhöhen, kann das Ganze in einer stickstoffhaltigen Flüssigkeit getränkt werden. Ich sage: kann. In späterer Zeit wurde dafür eine Salpeterlösung verwendet, der Steinzeitmensch griff vermutlich auf Urin zurück (der Mensch scheidet Phosphor durch den Urin aus, daher die gelbe Farbe). Den Zunderpilz kann man auch als glimmenden Transporter für Feuer mitführen. Das geht sehr gut. Ist auch als blutstillendes Mittel zu verwenden. Sollten Sie sich beim Feuersteinschlagen auf die Pfoten klopfen und es rinnt Blut: Zunder drauf, Blutung gestillt. Ehrlich! Aber nur "sauberen" Zunder verwenden, sonst entsteht das Gegenteil. Also lieber gar nicht. Zunder wurde noch vor 60 Jahren in Apotheken verkauft = als blutstillendes Mittel.

Aus Zunderpilzen kann man mittels einer komplizierten Schneidetechnik hübsche Miniaturburgen und Bergdörfer bauen.





Kleine Geschichte des Zunders:

"... Hand in Hand mit der Bürstenindustrie ging in Todtnau die Zunder oder Feuerschwammherstellung in den Zeiten, da man von Streichhölzern noch nichts wußte. Damals benützte man zum Feuermachen einen in Öl getränkten Leinenlappen, der in einer Blechbüchse lag. Über die Büchse hielt man einen Feuerstein, aus dem man mit einem Stahl Funken schlug. An Stelle des Leinenlappens trat dann der Zunder.

Man verwendete den Zunder auch als blutstillendes Mittel. Infolge seiner Weichheit und Leichtheit eignete er sich auch zur Herstellung von Mützen, die auf dem Lande vielfach getragen wurden. Aus einem Zunder besonderer Grösse wurde einmal sogar ein Talar für den Bischof von Freiburg gefertigt. Der Zunder stammt vom Löcherpilz (Polyporus fomentarius) oder vom Weidenschwamm (Polyporus ignarius), die an Buchen, Eichen, Linden, Weiden, Eschen und anderen Bäumen schmarotzen und früher im Schwarzwald und in der Eifel häufig gefunden wurden.

Als diese Gegenden nicht mehr ergiebig waren, ließ man diesen Rohstoff aus Ungarn, Siebenbürgen und Südslawien in Ballen von je vier Zentnern kommen. Der Schwamm ergab faustgroße Stücke, auch ganz beträchtliche Platten. In den Jahren 1811 bis 1814 gab es in Todtnau 4 bis 6 "Zundelmacher", fabrikmäßig wurde dieser Erwerbszweig aber erst später betrieben. Von den drei badischen Zunderfabriken waren zwei in Todtnau. Die eine begründete Franz Josef Faller im Jahr 1827, die andere Konrad Kirner im Jahr 1834. Sie machten lebhafte Geschäfte und gaben vielen Einwohnern angemessenen Verdienst. Mit einer großen Ängstlichkeit behüteten sie das Geheimnis der Zubereitung.

Die trockene, harte, feste Masse wurde durch langes Kochen in einer Lauge schön geschmeidig gemacht und in Salzsäure gekocht. Die zur Blutstillung bestimmten Stücke wurden nicht getränkt. Nach Wunsch und Geschmack wurde der Zunder dunkler gefärbt. Ein so bearbeitetes Stück wurde dann durch Klopfen oft ums Zehnfache vergrößert, erhielt dadurch ein schwammiges Aussehen, wurde an der Sonne oder am Ofen getrocknet und hernach von Hand geknetet und dann gezogen. Je nach Bedarf wurden die Stücke in dünne Streifen geschnitten oder zu Mützen oder Hüten ohne Naht verarbeitet. Der Wert des Stückes richtete sich nach der Größe, Schwammigkeit, Weichheit und Form.

Die Kirnersche Zunderfabrik wurde von den Söhnen Konrad, Sebastian und Michael Kirner geführt, die Fallersche bestand bis zum Tode Franz Josef Fallers. Eine der Todtnauer Zunderfabriken fertigte noch im Jahre 1871 750 Zentner Zunder. Dann setzte die Zündholzherstellung den Zunder auf die Aussterbeliste. Um 1895 gab es in Todtnau keine Zunderfabriken mehr...".

Aus den Memoiren Casanovas: " ... nachts leuchtet ihm ein Docht aus Deckenstoff, gespeist mit Salatöl aus einem Suppennapf. Zum Anzünden nimmt er (Casanova) Zunder, den ihm sein Schneider zum Schutz des Stoffes vor Achselschweiß in den Rockärmel genäht hat, sowie Schwefel, den er zur Linderung seines Hautausschlages bestellt, und Flintstein, den ihm der Wärter gegen angebliche Zahnschmerzen besorgt hat ..."




Zunder ist heute schwierig zu bekommen. Hergestellt wird er nur noch in Rumänien zum Zweck der Souvenir-Herstellung. Er dient als Lederersatz. Die untere Abbildung zeigt einen Hut aus Zunder. Interessant ist in diesem Zusammenhang,, das genau diese Souvenirs und die Abfälle aus deren Produktion zum Feuermachen benutzt werden können. Die eigene Herstellung ist aufwenig (siehe oben). Der Verkaufspreis ist hoch (etwa 1,60 Euro das Gramm). Blumammu stellt seinen Zunder in Eigenproduktion her, je nach Bedarf und nicht für den Verkauf. Im Umgang mit dem Material sollte man sparsam sein. Wenn ein paar Quadratzentimeter Zunder mal so eben verglimmen, ist einem der Aufwand der Herstellung immer im Hinterkopf.
Zunderhut

Alternativen zu Zunder:

Verkokte Baumwolle (Jeansstoff) oder eine Mischung aus Hanffasern (Heimwerkermarkt) und verkokter Baumwolle: den Stoff aus 100% Baumwolle (es dürfen keine künstlichen Fasern enthalten sein) locker in eine alte Konservenose oder Dose mit Deckel (ein kleines Loch in den Deckel machen) geben, Deckel verschließen, das Loch oder Spalt locker mit Erde verschließen und anschließend in die Glut des Feuers stellen. Der Verkokungsprozeß setzt ein, sobald die richtige Temperatur erreicht ist, dabei entweicht weißer Rauch (Gas) das nicht zu Entzündung kommen sollte und ist beendet, wenn kein Gas mehr entweicht. Dann sofort die Dose aus der Glut nehmen und verschlossen abkühlen lassen.

Riesenbovist: Diese werden bis Fußballgroß und wachsen auf Wiesen. Frisch sind sie aussen hellweiss, werden nach und nach gelb und dann braun. Das Fleisch von gelb zu braun und sehr trocken. Riesenboviste sind im trockenen Zustand federleicht. Ihr Geruch ist dem von Fäkalien ähnlich. Das Innere kann wie Zunder gebraucht werden, glimmt jedoch in einer anderen Art und Weise.

Rohrkolben/Distelsamen: Ein Nest aus Distelsamen mit Rohrkolben in der Mitte verwendet. Die männliche Blüte des Rohrkolbens ist über der weiblichen, der braunen länglichen, die jeder kennt. Die sieht aus wie Zuckerwatte und gibt den besten direkt-aus-der-Natur Zunder. Das ganze dann in ein weiteres Nest aus Stroh, wenn man beide Sorten Zunder zum Glühen gebracht hat (Diestelsamen glüht besser).

Wenn's immer noch nicht klappt:
Geduld. Wer Spitze will, muss Breite schaffen.

Zunderverkauf: >>Johann Tinnes
Zunderkorb

Auf dieser Webseite: >>Feuer

Weiterführende Literatur:
Bertrand Roussel, Sylvie Rapior, Christian-Louis Masson et Paul Boutié
L'Amadouvier
Grande et petite histoire d'un champignon
Éditeur: Société d'Horticulture et d'Histoire Naturelle de l'Hérault - Institut de Botanique
163, rue Auguste Broussonnet - 34000 Montpellier

Buch L'amadouvier



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