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| Jagdwaffen so real wie möglich. |
Donnerstag, 29. 07. 2010 |



Waffen waren in der Steinzeit nicht unbedingt Aggressionsgeräte gegen andere Mitsteinzeitler, sondern Werkzeuge, die überlebensnötig waren. Diese Geräte, oft sogenannte "Kompositwaffen" (aus mehreren Teilen zusammengearbeitete Werkzeuge oder Geräte - wie etwa eine moderne Bohrmaschine) waren hochtechnische Errungenschaften menschlichen Erfindergeistes und für ihre Zeit das absolut Modernste auf dem Markt.
Die von Blumammu zu Demonstrationszwecken benutzten Bögen, Pfeile, Köcher und die Speerschleuder wurden in Auftragsarbeit gebaut. Der Bogen ist einem mittelsteinzeitlicher Bogen nach einem Moorfund in Dänemark (Holmegaard) nachemfunden, ebenso die Pfeile. Im Original war der Bogen aus Ulmenholz, der Nachbau besteht aus Eibenholz.
Gebaut haben diese Geräte die Steinzeitler selbst, jeder war ein Alleskönner, manche bessere als andere. Einen Bogen aus >>Eiben- oder Ulmenholz zu bauen, ist schwierig bis kompliziert. An dieser Stelle wird keine >>Anleitung zum Bogenbau gegeben, doch bietet Blumammu Bogenbaukurse an.

So sieht Eibenholz (Kernholz) aus, wenn sie geschliffen und poliert ist. Bei der Eibe unterscheidet man von dem hellgelben weichen Splintholz (aussen) und dem rötlichen harten Kernholz (innen).

Der Bogen

Moore stellen aufgrund ihrer konservierenden Wirkung die wichtigste Quelle für archäologische Funde aus leicht vergänglichen organischen Materialien wie z. B. Holz dar. Dies gilt im besonderen auch für vorgeschichtliche Pfeil- und Bogenfunde.
 Im Holmegaard-Moor auf Seeland, Dänemark, kamen bei Ausgrabungen in den vierziger Jahren neben anderen Funden des Mesolithikums ein vollständiger und ein fragmentierter Bogen des gleichen Typs ans Tageslicht. Mit einem Alter von ca. 8.000 Jahren sind sie weltweit die ältesten eindeutigen Funde ihrer Art. Das komplette Exemplar wies eine Länge von 1,54 m auf, für das zerbrochene konnte eine ehemalige Gesamtlänge von etwa 1,80 m rekonstruiert werden. Beide waren aus dünnen Stämmen der Ulme hergestellt, einem Holz, das bis zum Wiedererscheinen der Eibe im Neolithikum (Jungsteinzeit) die besten Eigenschaften für den Bogenbau aufwies. Bögen der vorliegenden Machart, die nach dem Fundort allgemeinen als "Holmegaard-Typ" bezeichnet werden, sind durch einen beidseitig deutlich eingezogenen Griffteil sowie durch flache Bogenarme charakterisiert. Letztere enden spitz und ziehen in ihrer Breite etwa in der Mitter leicht ein. Die dem Schüzten zugewandte Seite ist flach, die abgewandte dagegen - dem jeweiligen Stammquerschnitt entsprechend - gerundet.
Blumammu baut zum Frühjahr 2006 einen Holmegaard-Bogen aus Eschenholz. Dies wird vom Fällen des Baumes bis zum Einschiessen des Bogens dokumentiert werden und ab Sommer 2006 an dieser Stelle gezeigt werden.

Sehne

Die Sehnen waren entweder aus: gedrehten Achillessehnen des Rothirschens oder ähnlichem ...

... oder aus dem Darm von Wildtieren, bevorzugt von Grasfressern, welche harte Kost zu sich nehmen und deren Darm intensiv arbeiten muss.

Beide Bogensehnen sind mit Baumharz und Wachs bearbeitet und schiessen sehr gut. Die Hirschsehnen-Sehne ist sehr kompliziert herzustellen, die Darm-Sehne auch. Wobei die Darmsehne besser schiesst. Je nach Zugkraft muss man die Sehnen dicker machen, sonst reissen diese. So ist das. Und glauben Sie mir, die Dinger sind echt! Ein Tipp: Die Därme von Schafen aus dem Libannon, gesäubert, aufgeblasen und gefroren, dann halbiert und gedreht. Peng.

Pfeile

Im Mesolithikum (Mittelsteinzeit) wurden als Pfeilschaftmaterialien hauptsächlich Spalthölzer der Kiefer und Birke sowie Schößlinge des Hasel-, Schneeball- und Hartriegelstrauches verwendet. Die Pfeilspitzen wurden mittels Birkenpechkleber und Sehnen am Schaft befestigt. Zur besseren Öffnung einer potentiellen Wunde und dem damit einhergehendnen schnelleren Ausbluten des Wildes wurde oft noch Seitenschneider unterhalb der Spitze befestigt.

Sogenannte Trapez-Spitzen dienten der Vogeljagd. Diese Bewehrung ist typisch für die Mittelsteinzeit und kann als Leitartekfakt angenommen werden. Wenn solche Spitzen auf Fundplätzen auftauchen, deuten es mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die Mittelsteinzeit. Die Spitze ist eigentlich eine Schneide und schneidet sich durch die Federn der Vögel, während eine herkömmliche Spitze von Federn besonders seitlich abprallen kann. Pfeile waren generell wertvoll. Ein Verlust bedeutete entweder eine neue Spitze machen, einen komplette Pfeil oder beides. Die Schussweite eines Pfeils kann bis 200 m betragen, als Parabelflug. Deshalb wird die beste Schußdistanz etwa 15 m gewesen sein, wenn die Wirtschaftlichkeit und Trefferquote im sicheren Bereich sein sollte. Pfeile wurden garantiert nach der Benutzung weiterverwendet. Kommen Sie unbemerkt 15 m an einen Auerochsen heran und schiessen dann noch mit einer (primitiven?) Waffe auf das wilde große Tier? Ich nicht!

Daneben benutzten die mesolithischen Jäger auch sogenannte Keulenpfeile, die - wie Beispiele aus der Völkerkunde zeigen - wahrscheinlich bei der Jagd auf Vögel und kleinere Pelztiere eingesetzt worden sind. Pfeile dieses Typs durchdringen die Beute nicht, die Tiere werden allein durch die Schockwirkung des Aufpralls getötet. Ich zeige bei einer Vorführung mit einem Eibenbogen und einem Keulenpfeil, wie dieser Pfeil aus 10 m Entfernung geschossen eine 24 mm Pressholzplatte glatt durchschlägt. Es macht >plop< und viele Zuschauer verstehen den gesehenen Vorgang gar nicht, bis ich ihnen den Ausschusstrichter zeige.

Bei Ausgrabungen im Ahrensburger Tunneltal nördlich von Hamburg kamen in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts die bislang weltweit ältesten eindeutigen Belege für das Vorhandensein der Bogenwaffe ans Tageslicht. Die aus Kiefernspaltholz hergestellten Pfeile bestanden aus einem längeren Hauptschaft und einem etwa 15 - 20 cm langen, mit einer Spitze aus Feuerstein bestückten Vorschaft. Die Gesamtlänge der durch eine Art Klauenkupplung miteinander verbundenen Teilstücke dürfte ca. 1 m betragen haben. Bei Bruch oder Verlust des Vorschaftes ließ sich der Pfeil durch Aufstecken eines neuen ohne Probleme wiederverwenden. Wie Versuche gezeigt haben, wirkte die vermutlich mit einer Umwicklung gesicherte Verbindung regelrecht wie eine Art Sollbruchstelle. Das Flugverhalten solcher zweiteiligen Konstruktionen wich dabei in keiner Weise von dem einteiliger ab. Die Stellmoorer Pfeilfunde sind leider allesamt während des Zweiten Weltkrieges bei einem Brand zerstört worden. Blumammu zeigt funktionstüchtige Nachbauten.

Untere Bilder zeigen einen Pfeil, welcher mit allem Drum und Dran (ohne Materialbeschaffung) in der Herstellung etwa 4 Stunden dauerte. Das heisst, wenn alle Utensilien vorhanden sind und man nicht gestört wird. Wichtig ist die präzise und haltbare Herstellung aller Teile. Der e i n e Schuss war lebenswichtig! Deswegen war jeder Pfeil wichtig und musste gut sein. Die Überlegung, mal eben auf 30 m einen laufenden Hirsch in baumbestandenen Gelände anzuschiessen, war oft einfach nicht gegeben, weil die Chance, den Schuss zu versetzen, relativ groß war. Also nich schiessen, was schlimmes denken und weiter geht's. Oder draufhalten. Eine gute Schussdistanz sind 10 - 15 m. Aber so nah muss man erst mal rankommen an das Wild. Wahrscheinlich wurde Treibjagd betrieben, oder die Tiere kamen freiwillig zum Lager und haben sich ergeben. Keiner weiss das heute. Ist keiner aus der Zeit mal kurz hiergewesen und hat es erzählt. Unten übrigens eine typisch Linearbandkeramische Pfeilspitze (Bauern/5400 v.Chr.).




Pfeilspitzen

Pfeilspitzen wurden neben Geweih oft aus Feuerstein gearbeitet. Ein Feuerstein wurde so präpariert (Kernstein rechts), dass Klingen (Mitte) davon abgedrückt wurden. Aus diesen flachen Klingen wurde die Pfeilspitze erarbeitet. Ein guter Mann (Frau) kann das in einer halben Stunde.

Als Kleber diente Birkenpech und Sehnematerial aus tierischen Muskelmaterial. Die Sehnen können getrocknet werden und nach bedarf als Schnüre abgezogen werden. Mit Speichel angefeuchtet, kann man damit auch nähen. Später trocknet die Sehne mit dem Birkenpech und es entsteht eine gute Verbindung mit dem Schaft.

Federn am Pfeilschaft dienten der Stabilisierung des Pfeilfluges. Der Pfeil bekommt einen Drall und hält somit die gewünschte Flugbahn. Das hat man sehr früh erkannt und bis heute nicht verändert. Die Befestigung erfolgt ähnlich wie die Pfeilspitze mit Birkenpech und Sehnen. Ein Hirsch lässt sich so komplett verwerten: Fell, Fleisch, Sehnen, Geweih, Därme, Knochen. Nur Schade, das er keine Federn hat.

Zum Thema Giftpfeile: Große Pfeile mit entsprechenden Spitzen sollen verwunden, töten. Giftpfeile sollen treffen und töten. Das heißt bei Gift: kleiner Bogen genügt, aber nahe Schussdistanz. Normale Pfeile = großer Bogen, weitere Schussdistanz. Was beides aber nicht ausschliesst. Das stärkste Pflanzengift in unserem Kulturkreis ist der >>Gelbe Eisenhut, ein Nervengift. Hände weg davon! Absolut tödlich, kein Gegenmittel möglich!
>>http://www.digitalefolien.de/biologie/pflanzen/gift/gift.html

Der Köcher


Da Pfeile wertvoll waren und sind, wurden sie in speziell dafür gefertigten Behältern transportiert, dem Köcher. Der Köcher oben ist ein Nachbau des Ötzi-Köchers, Jungsteinzeit und ist sehr kompliziert und aufwendig konstruiert. Wieder ein Beispiel der Steinzeit-Hightec. Der andere Köcher ist ein Selbstbau, klar, die Revolution entläßt ihre Kinder. Hier wurde eine Wildschweine-Schwarte zu einem Köcher verarbeitet. Sieht originell aus und kommt generell gut an. Mann ist ja auch eitel.

Die Jäger nahmen die Pfeile beim Schuss nicht unmittelbar aus dem Köcher, sondern trugen die losen Pfeile bei der Jagd am Bogen in der Hand.


Speere

Im Jahre 1948 kam in einer Mergelgrube bei Lehringen (Landkreis Verden, Niedersachsen) das nahezu vollständige Skelett eine Waldelefanten ans Tageslicht, zwischen dessen Rippenknochen sich eine komplett erhaltene, jedoch in mehrere Teilstücke zerbrochene hölzerne Lanze von 2,44 m Länge befand. Sie war aus dem dünnen Stömmchen einer Eibe gearbeitet, wobei die sorgfältig zugeformte Spitze am dünneren Ende lag. Dieses konstruktionstechnische Merkmal spricht eindeutig für eine Stoßlanze und gegen einen Wurfspeer. Der Lehringer Befund aus der letzten Warmzeit vor etwa 125.000 Jahren ist das bislang eindrucksvollste Zeugnis für die Jagdtätigkeit des Neandertalers, der hier im Uferbereich eines kleinen Sees - vermutlich im Verband einer Jägergruppe - ein so wehrhaftes Tier wie den Waldelefanten aus nächster Nähe mit einer Stoßwaffe, der hölzernen Lanze, attackiert hat.

Wie andere Funde von mehr oder weniger eindeutigen Holzlanzenresten, z. B. aus Stuttgart-Bad Cannstadt, Bilzingsleben (beide Deutschland), Clacton-on-Sea (Großbritannien) oder Torralba (Spanien), zeigen, ist diese Jagd mit großer Wahrscheinlichkeit auch schon zur Zeit des Homo erectus in der Altsteinzeit vor etwa 400.000 bis 200.000 Jahren betrieben worden.

Im Braunkohletagebau >>Schöningen bei Helmstedt wurden seit Herbst 1995 acht in voller Länge erhaltene hölzerne Wurfspeere aus der Zeit des Homo erectus entdeckt. Für alle drei Exemplare, deren Längen 1,82 m, 2,25 m und 2,28 m betragen, sind dünne Fichtenstämmchen verwendet worden. Die Funktionsenden liegen einheitlich am dickeren Ende, ihre konische Zuarbeitung erstreckt sich zum Teil über eine Länge von 60 cm.
Die Schöninger Speere fanden sich zusammen mit einer großen Anzahl an Knochenresten, unter denen solche vom Wildpferd mit Abstand dominieren. Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um Reste der Jagdtiere handelt, die hier vor etwa 400.000 Jahren am Ufer eines kleinen Sees zur Strecke gebracht worden sind.

Der sensationelle Fund der Schöninger Wurfspeere, deren detaillierte Bearbeitung und Publikation zur Zeit erfolgt, wirft ein völlig neues Bild auf die waffentechnische Entwicklung in der Altsteinzeit. Sie dokumentieren eindrücklich die Kenntnis der Fernwaffe "Speer" in einer Epoche, für die bislang nur Indizien auf die Verwendung hölzener Stoßlanzen vorlagen.
Der abgebildete Speer von Blumammu ist den Schöninger Speeren angeglichen. Das Holz stammt von der Weymouth-Kiefer. Die rote Farbe ist kein Blut, sie dient nur dem besseren Kontrast, sieht aber gut aus.
 
Speere mit einer Silexspitze, einer sogenannten Blattspitze, waren die High-Tech-Waffen der Steinzeit. Sie konnten nur einmal benutzt werden, dann war es entweder zu spät zur Flucht, oder die Spitze brach im Körper des Tieres. Fakt ist, das eine große Wunde entsteht, aus der Mengen von Blut fließt, wenn der Stoß gut geführt worden ist.

Die Waffe wurde also sehr aufwendig hergestellt. Auf jedes Detail wurde geachtet. Der Einsatz galt dem einmaligen Zweck, ein Tier zu töten und die Gefahr war ebenso groß, das der Speerhalter angegriffen wurde.




Um ein Hinderung beim Eindringen in einen Körper möglichst zu verhindern, wird der Schaft mit der Spitze mit Birkenpech verpicht. Die Ränder der Blattspitze wirken wie eine Säge. Die ganze Verarbeitung ist im Grunde die gleiche wie bei einem Pfeil, eben nur größer.

Harpunen


Harpunen stellen eine ganz spezielle Art von Speeren dar, bei denen das mit ein- oder beidseitigen Widerhaken versehene Projektil nicht fest mit dem Holzschaft verbunden ist. Die in einer entsprechenden Aussparung am vorderen Ende festgeklemmte Harpunenspitze löst sich nach dem Eindringen in die Beute vom Schaft.

Wie völkerkundliche Beispiele zeigen, bleibt sie danach entweder durch eine kurze Leine mit dem Schaft oder durch eine längere mit dem Werfer verbunden. Die Widerhaken gewährleisten einen festen Sitz der eingeschossenen Harpunenspitze in der Beute, so dass diese über die kurze Leine und den Schaft oder die längere Leine an der Flucht gehindert werden kann. Es wird allgemein angenommen, dass steinzeitliche Harpunen überwiegend beim Fischfang verwendet worden sind.

Ein Einsatz bei der Jagd auf Säugetiere - z. B. auf im Wasser lebende Arten wie den Biber oder auf solche den Elch oder das Rentier bei der schwimmenden Durchquerung eines Gewässers - ist ebenfalls denkbar. Die von Blumammu gezeigte Harpunenspitze ist aus Rentiergeweih.



Die Speerschleuder


Die Speerschleuder ist eine Distanzwaffe, welche eine Schussweite von über 50 bis 100 m erlaubt, also freie Flächen voraussetzt. Deshalb wurde sie von den steinzeitlichen Rentierjägern vor 14.000 Jahren benutzt. Wieder eine Kompositgerät. Die Schleuder erlaubt eine größere Wurfkraft. Das Spannen und Schiessen mit dem großen Bogen ist für Jugendliche schwierig. Der Speerwurf kann dagegen sehr leicht von Kindern und Frauen ausgeführt werden.

Die Speerschleuder aus der ausgehenden letzten Eiszeit stellt nach dem derzeitigen Erkenntnisstand die älteste einfache Maschine der Menschheit dar. Der Arm des Werfers wird mit diesem künstlichen Hebel verlängert. Dadurch vergrößert sich der Beschleunigungsweg, die Abwurfgeschwindigkeit des Speeres erhöht sich, und - daraus resultierend - ebenfalls seine Durchschlagskraft.

Die Speerschleuder wird am hinteren Ende in einer Aushöhlung des Speerschaftes eingehackt, die Hand des Wurdarms hält dann beide zusammen in paralleler Position. Der Bewegungsablauf des Speerschleuderwurfes ähnelt dem des handgeworfenen Speeres. Als entscheidender Unterschied ist durch die Speerschleuder die Kontaktphase mit dem Speer verlängert, was zu den beschriebenen Vorteilen führt. Durch den in der Schlußphase des Abwurfes nach unten gerichteten Impuls kommt es vor dem Verlassen des Hakens beim Speer zu einer Durchbiegung, die sich in der Flugphase in einer nach oben und unten pendelnden Schlängelbewegung fortsetzt.

Diese Erscheinung, die in direktem Maß von der Biegefähigkeit des Speerschaftes abhängt und bei seiner Konstruktion durch ein geeignetes Dicken-Längen-Verhältnis grob vorausbestimmt werden kann, ist eine wichtige Voraussetzung für eine kontrollierte Flugbahn. Die Tiere werden von dem Projektil von eher von oben getroffen und sind nicht unbedingt sofort tot, aber verletzt und an der Flucht behindert. Der Jäger musste also noch hinterher und das Tier persönlich um die Ecke bringen.


Messer

Messer wurden in allen Lebenslagen bebraucht und benutzt. Diese konnten aus Knochen, Geweih, Elfenbein oder ähnlichem Material sein. Naheliegend war natürlich Messer aus Feuerstein, sogenannte Dolche. Man kann damit nicht schnitzen oder hauen, nur stechen und sägen, was beim enthäuten ganz gut funktioniert.

Natürlich funktionieren auch einfache Abschläge, doch der Reiz eines Feuersteindolches ist immens. Handwerklich hergestellte Dolche kamen in der Jungsteinzeit auf und leiteten über in die Form unserer heutigen Messer. Die Verarbeitung eine Feuerstein-Dolchklinge ist langwierig und bedarf langer Übung.
Ein Beispiel für die Herstellung einer Feuerstein-Dolchklinge im folgenden Bildern:
 
 
 
 
 
 
 
 
 



Diese Waffen gab es in allen möglichen Varianten und Größen.

Das Taschenmesser der Steinzeit. Eine Feuersteinklinge in ein Stück Holz geklebt und eine Schnur zur Befestigung am Gürtel oder sonstwo.

Hier wurde der Griff einer Feuersteinklinge mit Birkenpech fixiert oder ummantelt (plus eine Trennschicht aus Hämatithstaub) und das ganze kommt dann in eine Lindenbast-Kordel Scheide, ähnich wie bei der Gletschermumie vom Similaun-Gletscher in den europäischen Alpen.

Hier wurde die Feuersteinklinge in ein dickes Stück Rentiergeweih eingesetzt (was sich als sehr handlich erweist) um dann in eine Scheide aus Birkenrinde gesteckt zu werden. Die Scheide ist nur gesteckt, nicht genäht ode fixiert.

Hier wurde die Klinge in einen Griff aus Eibenholz eingesetzt und befestigt (Birkenpech und Sehnen/Knochenleim). Es entsteht zwar eine Sollbruchstelle, doch bekommt der Dolch eine schöne ästhetische Länge. Dieses wird noch unterstützt durch eine Lederscheide, welche mit Lachsleder bezogen wurde und eine seitliche Schlaufe zur Halterung am Gürtel besitzt.

Wieder ein Beispiel wie oben, der Griff aus Hirschhorn, die Scheide aus Eschenholz.

Ein Dolch, wie ich ihn benutze. Die Klinge ist in ein wäscheklammerähnliches Griffstück aus Eibenholz eingesetzt und nochmals fixiert. Man braucht sowieso nur die Spitze, kann nicht schnitzen, nur stechen oder sägen. Der Dolch kommt komptett in eine, dem Dolch angepasste Scheide aus Wildschweinleder, in diesem Fall mit dem Schwanz. Dann noch ein Zahn drauf und ein Band, um sich das Gedöns um den Hals zu hängen. Fertig. Bei allen Dolchen aus Feuerstein gilt: Feuersteindolch nicht an die Seite am Gürtel tragen, da brechen sie beim hinsetzen, bücken oder irgendein Tuppes kommt, und zieht das Ding raus. Man kann die Dinger nicht mehr kleben, nur kürzer machen, wenn überhaupt.

Zum Ende der Steinzeit, in der beginnenden Bronzezeit, versuchten die Silexbearbeiter sogar, die aufkommenden Bronzedolche aus Silex nachzubauen (mangels Bronze). Das Resultat sind die sogenannten Fischschwanzdolche, zumeist hergestellt in Nordeuropa. Also Klinge und Griff aus einem durchgehenden Material, hier Feuerstein. Auf unten stehendem Bild ist ein solcher Dolch aus D-Cuxhaven zu sehen. Selbst die Gussnaht ist im Steinmaterial eingearbeitet. Die Zeitstellung ist etwa die des Trojanischen Krieges. Unbezahlbar.


Weiterführende Literatur:
Junkmanns, Jürgen
Pfeil und Bogen
Herstellung und Gebrauch in der Jungsteinzeit
Museum Schwab, Seevorstadt 50, CH-2502 Biel
ISBN 3-9521892-3-5


©2010 | Blumammu
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