 |
| Adams erste Mode |
Samstag, 04. 02. 2012 |

Leder
Leder ist ein Material, das aus der Haut von Tieren durch Gerben gewonnen wird. Nach dem Schlachten werden die Rohhäute gesäubert und enthaart. Anschließend wird die Haut mit tierischen, mineralischen oder pflanzlichen Gerbstoffen behandelt und dadurch haltbar gemacht.
Gerben
Beim Gerben wird Tierhaut zu Leder verarbeitet. Ziel des Gerbens ist es, den Fäulnisprozess der Tierhaut zu unterbinden und die Haut in ein möglichst widerstandsfähiges und zum Teil wasserabstoßendes Material zu verwandeln.
Ein Gerbstoff verbindet sich mit dem Eiweiß der Haut, das dadurch in eine wasserunlösliche und nicht quellende Struktur umgewandelt wird. Durch diesen Gerben genannten Prozess wird eine abgezogene Tierhaut in Leder umgewandelt, was z.B. die Fäulnis verhindert. Gerbstoffe kommen häufig in Pflanzen vor, es gibt aber auch mineralische Gerbstoffe.
Um die Haut auf die Gerbung vorzubereiten durchläuft sie die Wasserwerkstatt, in deren Verlauf die nicht-ledergebenden Bestandteile (Haare, Unterhautbindegewebe, Fett und unstrukturierte Eiweiße) entfernt werden. Dies geschieht auf chemischem Wege (Weiche, Äscher, Hautaufschluss) und mechanisch (Entfleischen, Spalten, Streichen). Die so genannte Blöße ist damit für die eigentliche Gerbung vorbereitet.
Die Gerbung kann in der Steinzeit durch Einsatz von pflanzlichen Gerbstoffen (Eiche-,Rindengerbstoffen), durch kauen, Urin oder Hirn erfolgen. Der Gerbungsprozess besteht aus drei Phasen: dem Quellen des Kollagen, dem Eindringen des Gerbextrakts und dessen Fixierung.
Collagen ist die internationalisierte Schreibweise von Kollagen (Betonung auf der letzten Silbe), ein bei Menschen und Tieren vorkommendes Strukturprotein des Bindegewebes. Im menschlichen Körper ist Kollagen mit über 50 % Anteil am Gesamtgewicht aller Eiweiße das verbreitetste Eiweiß. Es ist der organische Bestandteil von Knochen und Zähnen und der wesentliche Bestandteil von Sehnen, Bändern und Haut - wesentliche Eigenschaften von Collagenfasern sind enorme Zugfestigkeit und extrem niedrige Dehnbarkeit.
Nach Abschluss der Gerbung werden die Leder dann je nach Verwendungszweck nachgegerbt, gewaschen, gefärbt und gefettet. Nach der Trocknung kann zur Steigerung der Gebrauchsfähigkeit noch eine Oberflächenbehandlung mit Zurichtmitteln erfolgen. Damit wird ein hochwertiger Werkstoff für vielerlei Einsatzmöglichkeiten hergestellt. Verwendung fand Leder in der Steinzeit vor allem in der Kleidung. >>Hirngerbung
Rinde und Bast
Die Verwendung von Pflanzenfasern muss in der gesamten Steinzeit eine Bedeutung gehabt haben, welche der von Fellen mindestens gleichwertig zu schätzen ist. Hier liegt der Einsatz für Schuhe, Stricke, Matten, Kleider und vieles mehr.
Bast ist die faserige Unterlage der Rinde, an jedem Stamm und jedem Pflanzenstengel, nach innen begrenzt von Holz (Splint). Bast besteht aus den senkrecht aneinander gelagerten Saftröhren; horizontal verlaufen die Rindenzellen nach den inneren Teilen des Stengels oder Stammes, wodurch der Bast ein faseriges, zuweilen auch maschiges Netzgefüge bekommt. Die eigentlichen Bastfasern verlaufen geradlinig, nicht spiralig. Beim Lindenbast liegen 12 Schichten von Bast übereinander. Flachs und Hanf liefern besonders zähen Bast.
Dem lockeren Verband der parallel geschichteten Bastfasern hat die Technik sich in sinnreicher Weise angepasst, damit bei der Herstellung von Matten und Kleiderstoffen die Gewebsverbindungen nicht zerreissen. Die abgetrennten Rindenstücke werden einige Tag, unter Umständen auch wochenlang, in Wasser gelegt und mit Steinen beschwert. Durch die Fäulnis (den Röstprozeß) lockert sich der Bast. Das angefaulte Rindenstück ist eine schleimige Masse. Der Schleim wird auf einer ebenen Unterlage mit breiten Schabinstrumenten, ähnlich wie in der Fellbearbeitung, ausgequetscht. Genaue Überwachung des Faulens ist nötig zur Erziehung tadelloser Beschaffenheit des fertigen Produktes.
Soll der gewonnene Bast zu Flechtereien weiter verarbeitet werden, so wird er in Streifen abgezogen, dagegen für Kleider, Matten oder Vorhänge als Fell oder größere Platte vorsichtig von der Rinde gelöst.
Sehnen
Eine Sehne (lateinisch: tendo) ist jener stützgewebige Teil des Muskels, mit dem dieser mit einem Knochen verbunden ist. Eine Ausnahme bilden die Zwischensehnen, die zwei oder mehrere Muskelbäuche eines Muskels verbinden.
Sehnen können relativ kurz oder sehr auch lang sein (wie bei den langen Fingermuskeln). Um Platz am Erfolgsorgan zu sparen, sind deren Muskelbäuche im Unterarm lokalisiert, während die Sehnen selbst - zum großen Teil in so genannten Sehnenscheiden verlaufend, erst an den Endgliedern der Fingerknochen ansetzen.
Sehnen bestehen wie alles Binde- und Stützgewebe aus fixen Zellen und einer Interzellularsubstanz, in die hauptsächlich kollagene Fasern eingelagert sind und damit den Sehnen ihre Festigkeit geben. Umgeben sind sie von der Sehnenhaut (lat.: Peritendineum)
Eine Sehne besteht immer aus nebeneinander verlaufenden und fest unter sich verkitteten Bindegewebsfasern, die zu Bündeln vereinigt sind. Es sind nur wenige Nerven und Blutgefäße in den Sehnen vorhanden. Man unterscheidet zweierlei Arten Sehnen: flache, dünne, breite, mehr hautähnliche, welche sich meist an flachen Muskeln vorfinden, die so genannten Sehnenhäute oder Aponeurosen, und rundliche, strangförmige, die eigentlichen Sehnen.
Der Nähfaden
Aus prähistorischer Zeit ist von dieser leicht vergänglichen Ware nichts erhalten geblieben. Aber es muß die anscheinend leichte, in Wirklichkeit aber nicht immer einfache Aufgabe, zwei oder mehr Gegenstände fest zu vereinen, zur Erfindung einer Reihe von technischen Kunstgriffen geführt haben. Zwirn, Schnüre, Riemen, Stricke und Taue sind sicher verwendet worden beim Nähen von Pelzkleidung und Schuhen, beim Schäften von Steininstrumenten, beim Hüttenbau, Bootsbau, beim Fesseln von Tieren, beim Transport von Hausgerät, und dergleichen mehr. Das aus Fell oder Sehnen hergestellte Bindegerät und die Nähfaden haben den großen Vorteil geboten, dass sie beim Trocknen stark schrumpften und dadurch fester binden. An dieser Stelle sei nur darauf hingewiesen, dass zum Beispiel die mancherlei Arten von Nähten, Kürschnernaht, überwendliche Naht, Steppstich usw. sowie die verschiedenen Schifferknoten bei etwaigen ethnografischen Vergleichen mit in Frage kommen könnten.
Viele Arbeiten, zu denen heute besonderes Gerät wie Zangen, Schnallen, Pinzetten ("Klauen"), Nägel, Klammern, Knebel, Reifen, Schrauben und dergleichen mehr gebraucht wird, sind früher wahrscheinlich mittels der Stricke und Schnüre aus elastischen Ruten hergestellt worden.
Wie der heutige Kürschner die Pelzstücke zusammennäht, muss der Leser sich praktisch vorführen lassen. Die Naht muss am noch nassen Fell geglättet werden. Als Nähfaden für feine Arbeit haben die Sehnen vom Rentier gedient, besonders der unverwüstliche Sehnenzwirn aus den oberflächlichen Zehenstreckern am Vorderfuss. Auch aus dem Nervus ischiadicus lassen sich gute Nähfäden herstellen; Die Fellstricke der Eskimo widerstehen der stärksten Kälte; sie zerbrechen selbst nicht bei einer Temperatur, in der Eisen splittert wie Glas.
Nähnadeln
Beim Nähen eines Felles hat immer in das Fell erst ein Loch vorgebohrt werden müssen, um die Knochennadel durchzustecken. Das kann mit einem Knochenpfriem geschehen.
Das Leder, als Schnürsenkel an Schuhen, Kleidern, Taschen und dergleichen benutzt, hat, heute noch wie ehedem, eine harte Spitze erfordert. Aus dichtem Knochen oder aus Rentierhorn ist die Herstellung mit Feuersteinwerkzeugen sehr schwer. Die Anfertigung beginnt mit dem Ausschaben von zwei längeren Knochenrinnen in der Längsrichtung des Knochens, durch die harte, äussere Wand desselben. Durch kleine, schmale, winklig gebogene Stichel wird dann auch nch die Spongiosa abgetrennt, bis das Knochenstück leicht von der Unterlage herausgehoben werden kann. Darauf wird das kantige Knochenstäbchen mit Feuersteinschabern rund geschabt oder auf Sandstein rund geschlieffen. Kleine Hohlschaber aus sFeuerstein hat man vielfach in den Knochenfundstätten aufgelesen. Die Knochennadel mit dem Öhr erscheint im späteren Aurignacien als Ersatz für den Pfriem, welcher lediglich das Loch vorbohrte. Damit muss eine Verbesserung der Bekleidung verbunden gewesen sein.
Fußbekleidung
Fell, Bast, Stroh und Holz das ist das Rohmaterial gewesen, welches dem Steinzeitjäger zur Verfügung gestanden hat, um den Fuß gegen Verletzungen, gegen Kälte und Nässe zu schützen. Von diesem Material ist nicht viel aus der eigentlichen Steinzeit erhalten geblieben. Der Verlockung, die vorhandenen Lücken durch ethnographische Vergleiche auszufüllen, müssen wir hier widerstehen. Das Vergleichsmaterial ist zu groß (doch sei hier auf den Fund (1991) der Gletschermumie vom Similaun-Pass verwiesen). Nur die Technik bei den Nachkommen des alten Magdalénien-Jägers und bei den Eskimo, sowie einige Moorleichenfunde sind berücksichtig worden, und auch nur insofern, als es sich um dauerhaftes Alltagsgerät handelt.
Das Schuhwerk ist in der Steinzeit wohl, wie bei den Eskimo, allein von Frauen hergestellt worden. Die Arbeitsteilung zwischen Gerber und Schumacher ist in Europa in der Metallzeit eingetreten, sehr viel später erst die Spezialisierung zu anderen Berufen rund um das Schuhwerk.
Der Fortschritt der Bekleidungskunst war bedingt durch die Erfindung der Lederkonservierung mit gerbstoffhaltigen Rinden an Stelle der reinen Fettgerbung. Aus dieser Kulturetappe, die bereits in neolithischer Zeit beginnt, sind Schuh- und sonstige Lederreste erhalten geblieben. An den Schuhen der Eskimos ist die Sohle, wie eine flache Schüssel am Rand, nach oben gebogen; das Oberleder ist für sich geschnitten; die Verbindung stellt ein drei Finger breiten Lederstreifen her, der an das Oberleder wie an der Sohle angenäht ist. Bei Schneeschuhen ist die Haarseite nach oben, bei anderen Schuhen nach innen angebracht. Beim Eintritt der Schneeschmelze haben die Hunde Fellstrümpfe, mit den Haaren nach aussen, bekommen.
In der Zeit, in denen nicht das kalte Klima der Eiszeit geherrscht hat, wird leichtes Schuhwerk getragen worden sein: Sandalen aus mehrfach zusammengenähten Leder und mit einer weichen Lederschnur zwischen den Zehen zum Rist des Fußes hin. Die Schuhe haben sonst zu allen Zeiten und in allen Ländern den nahezu gleichen Schnitt gehabt, meist gesondert für rechten und linken Fuß.
Fellkleidung

Eine komplette arktische Garderobe zu nähen war eine höchst komplizierte und langwierige Arbeit. Sie erforderte nicht nur genügend handwerkliches Geschick, um Muster auszuschneiden und Säume zu nähen, sondern auch beträchtliche Kenntnisse, was die physikalischen Eigenschaften der Tierhäute anging. Von allen Überlebensstrategien, die die Inuit entwickelten, war die richtige Kleidung wahrscheinlich die wichtigste.
Gute Kleidung als Schutz gegen eine extrem harte Umwelt war die Grundvoraussetzung, ohne die der Mensch, ein nacktes und ursprünglich tropisches Geschöpf, niemals in der Arktis hätte überleben können. So ist es kein Wunder, dass sich die Verarbeitung von Tierhäuten im Lauf der Jahrhunderte zu einer raffinierten Technik entwickelte. Die Herstellung der mit Symbolik durchtränkten und tabubesetzten Kleidung war eine Aufgabe, die traditionsgemäß den Frauen zufiel.
Die Copper-Inuit-Frauen hatten ihre Nähutensilien immer bei sich, manchmal in einem kleinen Deckelkörbchen, das aus Gras und Weidenzweigen geflochten war. Das Nadelkissen, geradezu ein Emblem der Weiblichkeit, bestand aus einem von der Sonne gebleichten Röhrenknochen, durch jahrelangen Gebrauch glattpoliert und mit geometrischen Mustern verziert, die an die Tätowierungen der Frauen erinnerten. In der Röhre verlief ein Streifen Haut, durch den die kostbaren Kupfernähnadeln gezogen waren. Fingerhüte aus Haut oder Knochen waren aussen angebracht, manchmal hingen sie auch an kunstvoll verzierten Fingerhuthaltern.
Ein weiteres wertvolles Werkzeug war das halbmondförmige Messer, der ulu. Er gehörte so selbstverständlich zu einer Frau wie ihre eigenen Hände und wurde fast ebenso oft benützt: zum Muster-Ausschneiden, Fleisch-Schneiden, Essen, Sehnen-Aufschlitzen, Fell-Enthaaren. Einen ulu zu verlieren war ein schlechtes Omen, aber es kann nicht allzu oft vorgekommen sein, wenn man bedenkt, wie entbehrlich dieses Werkzeug war.
Mit ihrem ulu, ihren Nadeln, Ahlen und diversen Fellschabern ausgerüstet, verbrachte die Inuit-Näherin ihre Tage damit, Felle zu verarbeiten und Kleider daraus zu schneidern. Und nicht nur Kleider, sondern auch Frühlings- und Sommerzelte, Hundeharnische, Kajakbezüge, Robbenhautsäcke und -beutel also fast alles, was aus Fell und Haut gemacht werden kann. Von der Heirat bis zum Tod mußte eine Frau dafür sorgen, dass ihr Mann und ihre Kinder immer gut warm gekleidet waren, wobei sie alle Fertigkeiten anwandte, die sie von ihrer Mutter gelernt hatte und ihrerseits an ihre Tochter weitergeben würde.
MIt welchem Eifer diese weiblichste aller Künste betrieben wurde, zeigt ein erschütternder Fund, der vor kurzem an der Westküste Grönlands gemacht wurde die Leiche einer Frau mittleren Alters, vollständig mumifiziert in der trockenen, eisigen Luft der kleinen Grabhöhle, in der sie gefunden wurde. Die Frau war ganz offensichtlich blind gewesen und unter großen Schmerzen an einem bösartigen Gesichtstumor gestorben, und doch zeigten Schnittspuren auf ihrem linken Daumennagel, dass sie mit Sicherheit noch wenige Tage vor ihrem Tod damit beschäftigt war, Sehne für Nähfaden aufzuschlitzen.
Im Spätherbst gab es für die Inuit-Näherinnen am meisten zu tun. Die Winterkleidung mußte fertig sein, bevor die lange Winternacht begann und die Menschen vom Land auf das Meereis hinauszogen also im allgemeinen irgendwann im Dezember. Von da an bis zu dem Tag, an dem die Sonne wiederkehrte, also im späten Januar, durften keine neuen Kleider mehr genäht werden (alte durften allerdings ausgebessert werden). Niemand wagte es, dieses Verbot zu mißachten, denn das konnte katastrophale Folgen haben: Es hätte die Geister gekränkt und das ganze Dorf ins Unglück gestürzt. Im Spätherbst gibt es in der Arktis allerdings nur noch wenige Stunden Tageslicht, und bei Lampenlicht zu nähen bedeutete, eine zusätzliche Anstrengung für die Näherin, die ohnehin schon geplagt genug war.
Wenn irgend möglich, wurden die meisten Kleidungsstücke aus Karibufell gemacht. Mit seinen Hohlhaaren ist es das wärmste bisher gekannt gewordene natürliche Material, weich und sehr leicht. Das Karibu lieferte auch einen ausgezeichneten Nähfaden, der aus den Sehnen der Rückenmuskulatur gemacht wurde. Diese Sehnen wurden sorgfältig aus dem Fleisch herausgelöst, dann getrocknet und zusammengedreht, so dass ein nahezu unzerreissbarer Faden daraus entstand.
Bei den Copper Inuit wurden die Häute weder gefärbt noch chemisch verändert. Statt dessen wurde das Fett säuberlich abgeschabt und das Fell mit der Haarseite nach unten auf den Boden gelegt. Löcher wurden geflickt, Blutflecken mit trockenem Schnee ausgewaschen und die ganze Innenseite mit einem scharfen Kupferschaber bearbeitet, bis sie ganz weich und von den letzten Resten der inneren Membran oder Oberhaut befreit war. Um die Haut noch weicher zum machen, wurde sie dann befeuchtet, zusammengefaltet, ein paar Stunden liegengelassen und mit einem stumpfen Knochenschaber ausgekratzt. Jetzt konnte man die Haare abrasieren, wenn man wollte, aber meistens wurden sie der Wärme wegen drangelassen.
Die Qualität der Karibuhäute änderte sich mit den Jahreszeiten. Im Spätsommer und Frühherbst August bis Ende September sind sie am besten. Zu Beginn des Jahres sind sie praktisch wertlos, dann da werfen die Tiere ihren Winterpelz ab, und das Haar fällt in ganzen Büscheln aus. Auch waren die Frühjahrshäute oft voller Löcher von Parasiten, die sich ihren Weg ins Freie gebohrt hatten. Die Copper Inuit machten ihre Kleider am liebsten aus den Fellen, die sie im August erbeuteten. Da diese Felle verhältnismäßig leicht und kurzhaarig waren, galten sie als besonders elegant und vornehm. Sie waren jedoch nicht besonders warm, weshalb die schweren Winterparkas und Winterhosen der Männer im allgemeinen aus den dickeren Septemberfellen gemacht wurden. Frühe Winterfelle sind noch schwerer und wurden meistens nur für Bettzeug, Windeln und manchmal auch Handschuhe benützt. Aus den weichen Fellen sehr junger Tiere wurden Kinderkleider gemacht.
In einigen Gebieten der Arktis gibt es nur wenige oder gar keine Karibus, zum Beispiel auf den Inseln in der Beringstraße oder auf den Belcher Islands in der Mitte der Hudson Bay. Obwohl man keine Mühe scheute, die nötigen Felle einzutauschen, war die Nachfrage oft größer als das Angebot. Es brauchte dann viel Phantasie, um einen Ersatz zu finden. Die Leute auf den Belcher Islands zum Beispiel machten ihre Winterkleidung aus den Bälgen von Eiderenten, die sie mitsamt den Federn benützten. Die Kleider waren fast so warm und leicht wie Karibuhäute, aber sehr brüchig und schwer zu nähen.
An der Westküste der Victoria Islands und in ein paar anderen Gegenden, die besonders bärenreich sind, trugen die Männer manchmal Hosen aus Eisbärenfell. Sie waren warm und ziemlich leicht, aber steif und daher nicht besonders bequem. Trotzdem haftete ihnen ein gewisses Prestige an, denn sie verrieten, dass der Träger einen Eisbären getötet hatte. Eisbärenfell ist stark wasserabstossend und wurde deshalb auch für Handschuhe benützt, als Fußunterlage für die Robbenjagd am Atemloch oder als Lappen zum Auftragen der dünnen Eisschicht auf die Schlittenkufen.
Moschusochsenhaut war viel zu zottig und schwer und taugte höchstens für grobe Zwecke als Matratze zum Beispiel oder als Unterlage für die Schlittenfracht. Nur selten oder in Notfällen wurde ein schwerer und nicht sehr brauchbarer Parka daraus gemacht.
Die Inuit verschwendeten nichts, und jede Tierhaut wurde für irgendetwas verwendet. Kinderkleider, Beutel, Socken, Stiefelbesätze und Handschuhe wurden aus weichen Lemming- oder Erdhörnchenfellen gemacht. Fuchsfelle wurden manchmal zu eleganten Aussenparkas verarbeitet. Wolfs-, Hunde- und Vielfraßfelle dienten hauptsächlich als Besatz, besonders an Parkakapuzen, da sie frostabweisend waren. Kaninchenhäute, die für die meisten anderen Zwecke zu brüchig waren, wurden zu Windeln, Handtücher oder Socken verarbeitet. Aus Schneehuhnbälgen samt Federn wurden Handtücher gemacht, und Seetaucherhäute dienten als Wedel, mit denen im Sommer die Moskitos verjagt wurden.
Nur das Fell des Seehunds hatte eine ähnliche Bedeutung wie das des Karibus. Es ist leicht und sehr stark, trägt sich gut und bietet den unschätzbaren Vorteil, dass es wasserdicht gemacht werden kann. Leider ist es nicht besonders warm und wurde daher hauptsächlich für die Sommerkleidung wasserdichte Stiefel und Regenjacken sowie für Kajak- und Zeltbespannungen und Beutel und Eimer benützt.
Robbenfelle wurden im wesentlichen nach demselben Prinzip verarbeitet wie Karibuhäute. Das Fell wurde gesäubert und die Innenseite von der Epidermis befreit. Nachdem man es gründlich mit Wasser und Schnee gewaschen hatte, wurde es weichgeschabt und oft noch zusätzlich weichgekaut.
Robbenfelle sind besonders steif, und es braucht eine Menge Handarbeit (und Zahnarbeit), um es weich zu bekommen. Für viele Zwecke werden die Haare entfernt, indem man die Haut in warmes Wasser einweicht und dann mit einem Messer abgeschabt. Oft tauchte man die Felle auch in Urin, um sie wasserdichter zu machen.
Obwohl es manchmal für Stiefelsohlen verwendet wurde, war das Fell der großen Bartenrobbe zu schwer für die meisten Kleidungsstücke. Dafür gab es jedoch extrem strapazierfähige Riemen ab, die für Hundeharnische verwendet wurden oder zum Verschnüren von Schlitten. In vielen Gegenden der Arktis wurden die Häute von Bartenrobben, Belugawalen und Walrossen für Bootsbespannungen benutzt. Aus den Gedärmen von Walrossen und Walen wurden Zelt- und Hausfenster gemacht, sowie die wasserdichten Ganzpelze, die die Kajaker auf hoher See trugen.
Die Inuit mussten höllisch aufpassen, dass sie ihre Kleidung nicht naß machten. Da die Häute nicht chemisch gefärbt und behandelt waren, wurden sie beim Trocknen bretthart. Im Winter wurden daher die äußeren Kleidungsstücke schon im Eingang abgelegt und nicht in den eigentlichen Wohnraum mitgenommen. Jedes Kleidungsstück nimmt Körperfeuchtigkeit auf, die in der Arktis zu einer Art Rauhreif gefriert und sich zwischen den Schichten festsetzt, bei Fellkleidung sogar in den einzelnen Haarfollikeln. Wenn nichts dagegen getan wird, bauen sich dieser Frost und Feuchtigkeit von Tag zu Tag mehr auf, bis die Kleider praktisch unbrauchbar geworden sind, wie viele europäische Arktisforscher am eigenen Leib erfahren mußten. Die Inuit ließen deshalb ihre Kleider im Eingangstunnel hart frieren und klopften den Frost heraus, wobei sie ein spezielles Holz- oder Geweihpaddel benutzten. Dann wurden die Kleider hereingebracht und über der Lampe auf ein Trockengestell gehängt.
Manchmal war es allerdings unmöglich, die Kleidung warm zu halten, besonders Stiefel im Sommer. Am nächsten Tag waren sie unweigerlich wieder steinhart. Kauen war die einzige Möglichkeit, sie wieder weich zu bekommen daher das weit verbreitete Klischeebild von der Inuit-Frau, die auf den Stiefeln ihres Mannes herumkaut. Es ist ein Klischee, das durchaus der Wahrheit entspricht, und die Arbeit, die es dokumentiert, war mühsam und langwierig. Wenn eine Inuit-Frau ins Greisenalter kam, waren ihre Zähne von den unzähligen Stunden Lederkauen oft bis auf den Gaumen abgewetzt.
Hier eine ungefähre Ahnung, was ein Eiszeitjäger alles so an und mit sich herumtrug. Erst einmal machen wir es alles ziemlich kalt. Ist ja Eiszeit. Das bischen Schmuck hält nicht warm, darum jetzt schnell was warmes anziehn, sonst ist es aus mit der Jagd und es war nur ein kurzes Gastspiel.
 
 
 
 
Anbei ein Steinzeit-Nähset zum flicken der bedürftigen Kleidung.

Der Abschnitt "Fellkleidung" ist ein Auszug aus dem Buch:
Eskimo von David Morrison und Georges-Hébert Germain
Frederking&Thaler Verlag GmbH, München 1996.
Dieses Buch ist grundsätzlich zu empfehlen. Es beschreibt gut bebildert und eindringlich das Leben der Inuit, als diese noch Jäger waren. Ein Vergleich zu eiszeitlichen Jägern liegt sehr nahe.
Die Gletschermumie vom Ende der Steinzeit aus den Ötztaler Alpen
mit Beiträgen von Markus Egg, Roswitha Goedecker-Ciolek, Willy Groenman-van Waateringe, Kondrad Spindler
Sonderdruck aus Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 39/1992 Mainz 1993
Mit das beste Buch, was über Ötzi und dessen Kleidung informiert (noch ohne die Pfeilspitze im Rücken des Mannes).
Spirit of Siberia (Engl.)
Traditional Native Life, Clothing and Footwear
Jill Oakes and Rick Riewe
1998 Bata Shoe Museum Foundation Toronto Canada and Smithonian Institution Press, Washington D.C. USA
ISBN 1-56098-801-0
Was man über rezente nordrussische Naturvölker weiß, es aufschrieb und fotografierte. In Englisch.
   
©2011 | Blumammu
|
|
|