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| Geräte und die es werden wollen |
Donnerstag, 29. 07. 2010 |


Geräte sind in der Steinzeit allgegenwärtig. Es gilt zu bedenken, das fast alle Gebrauchsgegenstände wie Waffen, Messer und vieles mehr, schon als Geräte bezeichnet werden. Die gesamte Webseite handelt über Geräte. Oft sind Artefakt-Feuersteine nicht als Gerät oder Bestandteil eines Gerätes zu erkennen (Wie die obige Abbildung einer präparierten Versteinerung aus Maastrichter Feuerstein deutlich macht).

Grundsätzlich haben alle Geräte und Waffen in der Steinzeit eine bestimmte, ihnen zugewiesene Funktion und sind nicht, wie es oft scheinen mag oder wir es so wollen, dem Zweck des Hauens und Schlagens zugedacht. Über den Sinn und Zweck einer Computer-Eingabe per Hammerschlag schütteln wir ebenso lächelnd den Kopf ob der rohen Kraftanwendung, wie ein Steinzeitler den Kopf schütteln würde über sinnfremde Tätigkeiten von steinzeitlichen Werkzeugen unsererseits, beispielsweise den immer wieder gern gezeigten keuleschwingenden, Frauen-erschlagenden Grunz-Härtetyp in Fell und Schmutz. Tja, das könnte man auch alles so machen. Aber es war viel, viel subtiler!


 
Noch ein Aspekt zu Steinzeitwerkzeugen: Alle kennen das Spiel, wo man einem von mehreren Mitspielern ein Wort ins Ohr flüstert und dieser gibt dieses Wort, so wie er es verstanden hat, dem Nachbarspieler weiter und so fort bis zum letzten Spieler, der das Wort laut sagt. Oft ist der Unterschied zum Originalwort sehr skuril und andersartig. So auch mit Geräten aus der Steinzeit. Damit Sie das besser verstehen, ein Beispiel in umgekehrter Reihenfolge: Wir denken uns, die Zeit geht rückwärts und Archäologen unserer Tage finden einen Holzgegenstand wie oben abgebildet. Man versucht eine Rekonstruktion und es kommt raus: ein Waldhandy! Ist doch voll geil, aber es geht nicht. Verstehen Sie den Sachinhhalt? Es gibt Rekonstruktionen aus der Steinzeit anhand von Funden, Befunden und Artefakten, bloß, ob die oft so stimmig sind und ihrer wahren Funktion in der Steinzeit entsprechen, ist manchmal sehr fraglich.


Eine Geweihsichel. Sie diente den frühen Bauern als Schneideinstrument für das Korn. Die Halterung ist aus einer Sprosse eines Hirschgeweihs, die schneidenden Einsätze sind aus Feuersteinklingen, oft mit sogenanntem Sichelglanz an den Schneiden besetzt. Geklebt wurde mit Birkenpech. Ein Einsatz dieses Werkzeugs demnächst auf dieser Webseite.


Ein Spielzeug aus Hirschgeweih. Mann muss versuchen, den Ring an der Schnur über die Spitze zu hiefen.


Eine Schneebrille aus Hirschhorn.


Sogenannte Klingenkratzer. Sie wurden aus Feuersteinklingen gefertigt, je nach Gebrauch größer oder kleiner und für jede Kulturepoche der Steinzeit in einer typischen Form. Sie dienten der Fellbearbeitung oder dem Raspeln von Gemüse oder der Holzbearbeitung. Die Dinger waren vergleichbar mit unseren Einmalfeuerzeugen. Irgendwann nach einiger Zeit (einer Woche?) hat man sie verworfen. Deswegen gibt es so viele davon.


Ein bandkeramischer Dechselholm. Ein Gerät zur Holzbearbeitung. Siehe unter der Rubrik ">>Fällen".


Ein Steinbeil aus einem Flußgeröll geschliffen und gepickt. Diese Beile und die Dechsel wurden immer wieder nachgeschliffen, bis sie so kurz wurden, das eine gelungene Arbeit nicht mehr möglich war. Ex und hopp. Bis jemand daher kommt und es Jahrtausende später findet. Der es dann wieder verliert (siehe ich).

 
Ein Bohrer, also schon eine Maschine, funktioniert mit einem Feuerstein-Bohrkopf, die Schwungscheibe ist eine Scheibenkeule/Amphibolit aus der Bandkeramik, somit vielleicht doch keine Waffe (kann auch aus Holz gemacht werden!). Mit dem Maschinchen lassen sich in Schiefer, Knochen, Kalk und Muscheln in Minutenschnelle entsprechende Löcher bohren oder zumindest vernünftige Anbohrungen machen. Der Bohrvorgang funktioniert durch die Trägheit der Scheibe und durch das Auf- und Abführen des Bohrgestänges mit einer Hand. Der Bohrkopf lässt sich austauschen. Kinderleicht und simpel.


Sogenannte Bolas. Eine Waffe, welche über den Kopf geschleudert auf ein fliehendes Tier, entweder Vogel oder Reh, geschleudert wird. Es wickelt sich dann durch die Fliehkraft um das Opfer, bzw. um dessen Beine, bringt es somit zu Fall. Die Opfer waren wahrscheinlich zu hochmütig.


Zwei Geräte aus sehr verschiedenen Zeiten. Links ein sogenannter "Batonette" aus der Mittelsteinzeit. Die Funktion ist unbekannt, es ist aber eindeutig ein Werkzeug, der breite Kopf trägt Bearbeitungsspuren. Rechts eine Messer aus dem Mousterien/Neandertaler. Der Feuerstein ist schon wieder weiß geworden, so alt ist das Material. Es sind zwei Stücke, im Abstand von 4 Jahren vom gleichen Fundplatz aufgesammelt und dann nach nochmal nach 2 Jahren passend zusammengesetzt. Noch fehlen ein drittes und viertes Stück. Oder hat ein anderer Sammler die Stücke? Egal.


Ein schöner Faustkeil aus Feuerstein. Dieses Gerät war ein Allzweckwerkzeug der Neandertaler. Es diente zum Schneiden, hacken, werfen, zeigen. Unten stehende Bilder zeigen einen möglichen Einsatz mit Harz oder Teer (Bitumen).







Zwei schöne Beispiele für den Einsatz von geschliffenem Horn des Auerstieres. Oben ein Trinkhorn, unteres Bild ein Hornlöffel. Es gab damals schon Tischsitten.

Im Folgenden ein Beispiel, wie man aus Hirschknochen einen Pfriem und eine Harpunenspitze bauen kann. Die dazu benötigten Hinterfußmittelknochen eines erwachsenen Hirschens sind auf unten stehender Zeichnung rot gekennzeichnet. Die Hinterläufe sind die größeren Knochen. Deshalb diese Knochen, weil dies die stabilsten und härtesten Knochen sind, welche der Steinzeitmensch kriegen konnte.











Wenn frischen Hirschläufe verwendet werden, umso besser. Dann geht das Knochmarkfett noch nicht in den Knochen und verfärbt diesen nicht Mattgelb und speckig. Frisch abgezogen und nicht gekocht, ergibt der Knochen eine elfenbeinartige Farbe. Unter Benutzung verfärbt sich der Knochen dann wohl und wird dunkler. Aber bei diesen Geschichten ist es egal. Aufgepasst: Hunde fressen die Harpunenspitzen und Pfrieme gern, weil sie aus = Knochen sind! Geweih lassen Hunde liegen. Deswegen: immer einen deftigen Tritt parat, falls die Hunde deine Werkzeuge fressen wollen. Arme Hunde eigentlich.


Ein Gegenstand, welcher sich nicht präzise einordnen lässt. Vermutlich diente er kultischen Zwecken, etwa Geister aus Fellen klopfen oder eine Art Traumfänger. Es gibt Beispiele aus der Ethnologie unserer Tage, doch sollte man hier mit vorschnellen Urteilen vorsichtig sein. Unsere Meinung: Ein Spielzeug oder zumindest ein Gerät, welches der nachhaltigen Rückbeschleunigung eines in Richtung des Halters sich bewegenden Gegenstandes diente.
Weiterführende Literatur:
Seeberger, Friedrich
Steinzeit selbst erleben!
Waffen, Schmuck und Instrument nachgebaut und ausprobiert
Württembergisches Landesmuseum Stuttgart, 2002
ISBN 3-00-009296-X


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