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| Auf alle Felle ein Gewinn |
Donnerstag, 29. 07. 2010 |


Felle wurden in der Steinzeit natürlich eingesetzt. Da wir Menschen kein Fell mehr besitzen, haben wir uns seit der Urzeit (haben Sie mal die Urzeit?) mit Fellen geschützt und gewärmt. Die Qualitäten und Verarbeitungsmöglichkeiten sind sehr unterschiedlich. Blumammu zeigt verschiedene "Warenmuster", wie Wildschwein, Hirsch, Fuchs, Dachs, Bär und Ren, teils gegerbt, teils noch roh (rawhide) zum anfassen, verarbeiten und gefälligen Benutzung.

Anbei eine kleine Anleitung in der Amtssprache der Jäger, um Missverständnisse vorzubeugen. Denn Fell ist nicht gleich Fell.

Balg
= behaarte Haut von Haarwild, ausgenommen Schalenwild (> Decke), z. B. Hase, Kanin, Fuchs, Marder, Iltis, Otter, Biber, Bisam etc. (ausser Dachs), aber auch Federbalg = Haut samt Federn von Federwild und Vögeln.

Decke
= behaarte Haut von Schalenwild (Wild, dass auf Schalen - Hufen - geht), ausser Schwarzwild (Wildschweine) z. B. Hisch, Elch, Reh, Damwild, Ren, Steinwild, Gams.

Schwarte
= behaarte Haut von Schwarzwild und Dachs abscharrten = ablösen der Schwarze vom Wildpret mit dem Messer.
 
Felle und Leder sind verschieden einzusetzen. Eine schicke Hose, ein Anorak (Eskimowort für wetterfeste Jacke ohne Knöpfe), Mit einer Wildschweinschwarte kann ich mich schlecht zudecken oder Kleidung machen. Die Borsten = Haare sind starr, etwas fettig, das Leder dick. Das lohnt sich für Gürtel oder Schnüre. Auf jeden Fall ist das Fell wasserabweisend. Eigentlich ganz gut für einen Köcher geeignet.

Dachsfell oder Schwarte hat ähnliche Qualitäten wie das Wildschwein. Aus Wildschweinborsten wurden Besen gemacht, aus Dachshaar werden immer noch hochwertige Rasierpinsel hergestellt. Ich habe aus einem Dachsfell eine Tasche genäht, einfach umgenäht, der Schwanz ist der Verschluß. Ist wasserabweisend, praktisch und sieht schick aus.

Aus einem hochwertigerem Fuchsfell kann eine warme Müzte genäht werden. Hat was, ist auch von den Indianern überliefert.

Lederkleidung kann aus Hirsch- oder Rentierleder genäht werden. Der Nachteil bei beiden, falls das Fell mitbenutzt wird: die Haare sind hohl und brechen, das gibt nach einem Jahr kahle Stellen. Beim Ren ist das eine mittlere Kastastrophe, es fallen die Haare aus oder sie brechen ab und alles ist voller Haare, schrecklich.

Kleintiere wie Eichhörnchen und Hasen wurden wahrscheinlich auch zu Taschen, Beuteln oder ähnlichem vernäht. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Wo wir dabei sind: Die Felle wurden durchgekaut, geschlagen, geschabt, in Urin eingelegt, mit Hirn eingerieben. Alles in allem eine "Schweine"arbeit. Man muss wie ein Berserker (Bärenhäuter) arbeiten. Die Hygiene bleibt da für einen Mitteleuropäer unserer Tage auf der Strecke. Jedenfalls kommen manche Kunden bei Blumammu das erste Mal in ihrem Leben mit solchen Felle in Körperkontakt. Warum auch nicht, Fernsehen kann man nicht riechen, fühlen oder erleben.
>>Hirngerbung
Und was Sie schon immer über die Haut der Elche wissen wollten, wenn diese zu Kleidung verarbeitet wird.
Das gute Buch:
Gerben / Leder und Felle
Helmut Ottiger / Ursula Reeb
Ulmer Verlag 2004
ISBN 3-8001-4651-7


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