 |
| Ein römischer Backofen |
Donnerstag, 29. 07. 2010 |


Die Planung

Ausgangspunkt für die funktionstüchtige Rekonstruktion eines römischen Backofens waren die alljährlich im Museum Zinkhütter Hof in Stolberg veranstalteten Ferienspiele. Zeitgleich liefen im Museum die Vorbereitungen zu einer "römischen" Großveranstaltung 2002 und einem die Ausstellung eröffnenden Aktionstag mit römischen Legionären, Spielen etc.
Aus diesem Grund bot sich im Rahmen der Ferienspiele an, auf diese Veranstaltung zuzuarbeiten. Gesucht wurde eine geeignete Aktion, die sowohl den didaktischen Inhalt als auch das haptische Moment der Teilnehmer gleichermaßen berücksichtigt. Die Überlegungen mündeten in der Absicht im Rahmen der Römerausstellung einen Brotbackofen auf dem Museumsgelände zu errichten.
Wir wurden vom Museum beauftragt das Projekt zu planen und schließlich durchzuführen.

Der Ofentyp

Zunächst wurde abgeklärt, welchen Typus eines Backofens letztendlich entstehen sollte.
Der Ofen sollte in der Folge für verschiedene Aktivitäten nutzbar sein, d.h. es sollte möglich sein, auch diesen mehrfach betreiben zu können. Daher sollte die Ausführung von Fundament und eigentlichem Ofen von massiver Natur sein. Dabei stand nicht die vollständig authentische Rekonstruktion eines römischen Vorbildes im Vordergrund, sondern der Aspekt der Machbarkeit in der Zusammenarbeit Kindern und Jugendlichen und das zur Verfügung stehende Baumaterial waren für die Auswahl und letztendlich die Gestaltung ausschlaggeben. So entschieden wir uns für einen römischen Ofen, der im Bonner Römerlager ausgegraben und bereits an verschiedenen Stellen rekonstruiert wurde (vgl. funktionstüchtiger Ofen in Overath bei der Außenstelle des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege).
Der Ofen sollte folgendermaßen aussehen: auf einem rechteckigen Sockel von ca. 40 cm Höhe, 150 cm Breite und 180 cm Länge sollte der eigentliche Ofen errichtet werden. Dieser sollte in der Basis einen annähernd quadratischen Grundriß besitzen. Auf diesem quadratischen Sockel sollte die Gewölbekuppel für den Ofen errichtet werden.

Der Bau

Im Rahmen der Ferienspiele des Museums war der Ofenbau für insgesamt 10 Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren angesetzt worden. Neben den beiden "Ofenbauern" wurde durch das Museum eine Museumspädagogin zur Verfügung gestellt, die die Arbeiten am Ofen mit koodinieren sollte.
Im Vorfeld war bereits durch Mitarbeiter des Museums eine Betonbodenplatte gegossen worden, auf der der eigentliche Ofensockel gemauert werden sollte. Zusätzlich wurden an den Ecken kleine quadratische Fundamente für ein später zu errichtendes Schutzdach angelegt.


Ein römischer Backofen

Tag 1
Zunächst wurden die Dimensionen des Bruchsteinsockels festgelegt, die Rechten Winkel eingemessen und mit Maurerschnüren und Metallpflöcken markiert. Da der Fundamentsockel als Auflage und Arbeitsfläche für den Ofen von robuster und vor Vandalismus sicherer Bauweise sein sollte, verwandten wir für das Aufmauern des Bruchsteinsockels Mauermörtel, um einen festen Verband zu gewährleisten. Das Vermauern der Grauwackesteine erfolgte unter Anleitung durch die Kinder selber, wobei die Arbeiten aufgeteilt waren in Heranschaffen der Steine, Vorbereiten des Mauermörtels, dem eigentlichen Mauern und zu einem späteren Zeitpunkt des Verfugens. Nach jeder gemauerten Steinschicht (insgesamt waren drei Steinlagen geplant) wurde der Innenraum mit Sand verfüllt, der auch sofort verdichtet wurde. Nach Fertigstellung der dritten Steinlage wurde mit den verbleibenden Steinen der verfüllte Innenraum gepflastert. Diese Arbeiten waren am Ende des ersten Ferienspieletages abgeschlossen, so daß der Mörtel in Ruhe anziehen konnte, bevor mit dem Bau des eigentlichen Ofens begonnen wurde.
Eine Gruppe Jugendlicher war zwischenzeitlich damit beschäftigt, den Lehm, der in Form von ungebrannten Ziegeln vorlag, aufzubereiten, d.h. die Ziegel zu zerkleinern und in bereitgestellten Mischwannen aufzulösen. Die Einweichzeit über Nacht sollte ausreichen, daß am anderen Tag ausreichend Lehmgemisch für den Ofenbau bereitstand.
Tag 2
Dieser untere Teil des Ofens wurde mit kleinformatigen Feldbrandziegel, die ein Stolberger Bauer eingelagert hatte, in einer Höhe von ca. 40 cm mit einer Kantenlänge von 130 cm aufgemauert. Die Wandstärke betrug eine Ziegellänge. An der Vorderseite wurde eine Öffnung von 30 cm Breite freigelassen, durch die der Ofen später beschickt werden sollte. Durch die Handwerker des Museums wurde ein einfaches Lehrgerüst für Öffnung und anschließendem Gewölbebogen angefertigt. Insgesamt wurden 6 Ziegelsteinlagen mit dem vorbereiteten Lehm vermauert. Auch hier erwiesen sich die jungen Teilnehmer als recht geschickte Maurer. Der Öffnungsbogen für den Ofen überragte die Oberkante des Ziegelsteinmauerwerks um ca. 5 Steinlagen. Im Anschluß wurden die Ecken im Backraum rund mit Lehm verputzt. Damit die Kuppel ein besseres Auflager bekommen sollte, wurden die Ecken mit Ziegelsteinen verstärkt. Im Inneren entstand so ein runder Backraum. Jetzt konnten radial verlegt die Schamottsteine der Ofenkuppel vermauert werden.
Durch das Format der Steine ergaben sich nach oben hin größer werdende keilförmige Leerräume, die mit Steinmaterial und dann mit Lehmverfüllt wurden. Auch die Schamottsteine wurden mit Lehm vermauert. In einem letzten Schritt wurden, soweit das vorbereitete Lehmmaterial reichte, die entstandenen Stufen in der Kuppel mit Lehm geglättet, so daß eine annähernd runde Kuppel entstand. Am Ende des 2. Arbeitstages waren 90 Prozent der Bauarbeiten am Ofen beendet. Durch die fortgeschrittene Zeit und Mangel an aufbereitetem Lehm konnte die Kuppel nicht endgültig verkleidet werden. Diese Arbeiten wurden auf einen dritten Arbeitstag jetzt jedoch ohne Beteiligung der Kinder verschoben. Ebenfalls mußte noch der Lehmboden des Ofens, auf dem später die Backwaren liegen und das Feuer entfacht wird, nachträglich eingebracht werden, da das Ofeninnere durch den Trocknungsprozeß des Öffnungsbogens das Lehrgerüst konnte noch nicht entfernt werden nicht zugänglich war.


Vorlage ist der Nachbau eines ergrabenen römischen Backofens von der Aussenstellte des Amtes für Bodendenkmalpflege in Overath.

Ein Fundament wird gegossen, welches den kommenden Ofen tragen soll. Zusätzlich werden die Sockel für ein vorgesehenes Schutzdach gelegt.

Jetzt wird der Ofen eingemessen und mit dem Fundamentsockel begonnen. Gleichzeitig wird der Innenraum mit Sand verfüllt, um Material und Steine zu sparen.

Hier die Ofenbauer. Natürlich unter Anleitung von erfahrenen Großen.

Langsam baut sich der zukünftige Ofen auf. Schicht um Schicht wirden die Steine aufgemauert, der Innenraum versiegelt und verfestigt.

Auf den Sockel wird nun der eigentliche Backraum aus Feldbrandsteinen gemauert. Hier geschieht die Vermauerung mit Lehm, welcher vorher eingeweicht und mit Stroh gemagert werden muß.

Langsam geht das kommende Gebäude in die Höhe. Ein falsches Gewölbe kommt nun auf den Backraum. Hier auch wieder Lehm, Sand und Stroh. Diese Arbeit ist schwierig.

Während all dies geschieht, muß immer für den nötigen Lehm und Nachschub an Steinen gesorgt werden. Hier sind alle gefordert.

Hier noch einige Bilder der Ofenöffnung. Es wurde ein Schablone aus Holz erstellt, welche den Bogen bildet. Dieser ist dick mit Lehm verpackt.

Alle sind mit Eifer dabei. Die Mittagspause wird überzogen, es wird verputzt, gemörtelt, gerade gestrichen und gemanscht.

So langsam kommt der Ofen in Sicht. Gut Ding will Weile haben.

Ein Blick in Innere mit dem falschen Gewölbe.

Fast fertig. Aber eben nur fast. Stolz wie Oskar und wie geht es weiter?

Die Kuppel wird nun 2 - 3 mal dick mit Lehm verputzt, bis sie ca. 10 cm Wandstärke hat und trocknen kann.

Auf die Kuppel kommt nun eine Schicht gelöschter Kalk. Sieht schon gut aus. Aber funktioniert er auch? Im Inneren wird eine Tenne mit Lehm gegossen und beheizt. Langsam trocknet der Ofen aus. Vor dem Backen wird nochmals geheizt.

Jetzt kann der Ofen mit dem vorbereiteten Brotteig beschickt werden. Backzeit ca. 30 Minuten. So gut hat Ihnen noch kein römisches Brot geschmeckt!

An dieser Stelle einige >>Bilder zur Inbetriebnahme des Ofens mit vorhergehender Erstellung von Mehl mittels einer nachgebauten römischen Getreidemühle.
Weiterführende Literatur:
Hörter, Fridolin
Getreidereiben und Mühlsteine aus der Eifel
Ein Betrag zur Steinbruch- und Mühlengeschichte
Geschichts- und Altertumsverein Mayen, 1994
ISBN 3-930821-12-5


©2010 | Blumammu
|
|
|