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Die Erleuchtung Donnerstag, 24. 07. 2014

Oh Feuer

Kinderleicht? Ja, es brennt wie Zunder. Deshalb: Vorsicht!



Die Technik des >>Feuermachen in der Steinzeit 28kb (Vortrag Max-Planck-Institut für Plasmaphysik / II. Greifswalder Energiekonferenz / 18. bis 19. Juli 2000 / Dienstag 18. Juli 2000 / "Das Feuer und die Entwicklung des Menschen" Dr. Thomas Kaiser, Universität Greifswald) war ebenso simpel wie einfach. Die nötigen Materialien zu besorgen, machen diesen Vorgang zu einem logistischen Geduldspiel.


FeuersteinMarkasitZunderStroh



Die beiden ältesten Methoden sind das Erzeugen von Feuer durch Reibung, das heisst das Reiben von Holz auf Holz, und das Feuerschlagen, d.h. das Funkenschlagen mit Feuerstein und Markasit oder Pyrit. Vermutlich war das Feuerschlagen die ältere der beiden Arten.

Erklärt wird hier das Prinzip des steinzeitlichen Schlagfeuerzeuges. Aus einem Funken soll ein Glimmbrand entstehen, dieser soll eine offene Flamme erzeugen, aus der Flamme ein Brand entstehen. Fertig. Dauer bei idealen Voraussetzungen etwa 5 Minuten. Klasse, werden Sie sagen. Und so geht's:

Ein Feuerstein, eine Markasitknolle und Zunderschwamm sind die wesentlichen Utensilen eines steinzeitlichen Schlagfeuerzeuges. Zum Thema mehr: >>Zunder und >>Markasit

So geht's

Das ganze läßt sich sehr schön auf eine sehr menschliche Weise erklären:



Die Markasitknolle repräsentiert das Weibliche, das Runde, das Empfangende und Gebärende. Der Schlagstein präsentiert das Männliche, der Eckige, Grobe und Gebende. Womit wir bei JingJang wären. Nun ergibt es sich im Folgenden, das, wie beim Menschen, durch einmaliges Küssen, sich berühren, nicht viel gravierendes passieren kann. Doch bei heftigem, wiederholtem Schlagen und rummachen entstehen viele Funken, und nur einer von diesen kleinen Dingern schafft es dann tatsächlich, ein Feuer zu entfachen. So auch bei Mann und Frau. Einer kommt durch. Und so sind wir auch entstanden. Ist der Funke übergesprungen? Wir haben viel gemeinsam mit dem Feuer.



Feuer

Dazu kommt noch brennbares Material für die Folgezeit.

Feuer

Etwa Tannenzapfen, Birkenrinde, trockene Brennesselstengel und Rohrkolben.

Feuer

Natürlich Markasit aus Schwefelkies ...

Feuer

... den man so hält.

Feuer

Einen Schlagstein aus Feuerstein (wegen der Moshärte)

Feuer

Guten Zunderschwamm

Feuer

Rohrkolben wächst überall.

Feuer

Im Frühjahr blüht er aus.

Feuer

Das Zeug brennt gut.

Feuer

Zunder wächst dort, wo der Pfeffer wächst.

Feuer

Jetzt geht's los. Der Zunder wird mit einer Feuersteinklinge abgeraspelt.

Feuer

Das geraspelte Zeug wird gesammelt ...

Feuer

... und zu einem Häufchen gelegt.

Feuer

Mit dem Feuerstein schlägt man nun schräg von oben am Markasit entlang,

Feuer

es entstehen Funken, welche auf den Zunder fallen

Feuer

und diesen zum glimmen bringen.

Feuer

Der Rohrkolben dient nun als Brandbeschleuniger.

Feuer

Unter stetigem Pusten wird die Glut vergrößert.

Feuer

Das geht meist ganz gut.

Feuer

Hier kommt sehr trockenes Heu zum Einsatz.

Feuer

Ein Nest wird geformt, die Glut hineingelegt und ...

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... wieder Pusten.

Feuer

Langsam kommt die Glut hoch und wird stärker.

Feuer

Es entsteht eine teilweise heftige Rauchentwicklung.

Feuer

Und dann kommt die offenen Flamme.

Feuer

Schnell Birkenrinde drauf ...

Feuer

welch sehr gut brennt.

Feuer

Nun die Brennesseln.

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Dann noch ein paar Tannenzapfen.

Feuer

Und ab dafür.

Feuer

Hat insgesamt so etwa 3 Minuten gedauert.

Feuer

Und brennt schön.

>>Feuerstein gehört unbedingt zu einem steinzeitlichen Feuerschlagbesteck. Der Name täuscht etwas. Im englischen Sprachraum heisst das Material Flint und im französischen Sprachraum Silex. Feuerstein ist sehr hart und besteht aus Siliziumdioxid. Schlägt man zwei Feuersteine gegeneinander, entstehen zwar auch Funken, aber diese erlöschen bzw. erkalten bereits nach sehr kurzer Flugbahn. Dagegen glühen die Funken des:

>>Markasit und Pyrit wesentlich länger und können so den Zunder zum Glimmen bringen. Aufgrund dieser Eigenschaft erhielt dieses Eisenerz in früheren Zeiten auch den Namen "Funkenstein". Markasit und Pyrit sind harte, körnige und goldmetallisch glänzende Gesteine. Dabei handelt es sich um Eisen-Schwefelverbindungen (Eisensulfit), die auch 'Schwefelkies' oder 'Katzengold' genannt werden. Wobei Markasit das erwiesenermassen bessere, weil festere Material als Pyrit ist. Chemisch: FeS2

Physikalisch passiert wohl Folgendes: Durch die Reibung des harten, aber stumpfkegeligen Feuersteins am Markasit entsteht Ozon, O3. Gleichzeitig wird ein Eisenpartikel abgerieben, der Schwefel und das Eisen verbinden sich mit dem Ozon und es entsteht Energie, Hitze. Diese zusätzlich zur Reibungsenergie bringt den nun sehr heißen Funken auf den Weg, das Eisen verbrennt praktisch.

Anbei die Vorgehensweise zum Gebrauch einer Markasit-Kugel ...



... bis zum Zerteilen durch einen Hammer (der Markasit sollte gelblich aussehen, dann ist genügend Schwefel drin) ...



... zum Gebrauch der halben Kugel. Die Qualität läßt sich in einem halbdunklen bis dunklem Raum durch anschlagen mittels eines stumpf-kegligen Feuersteins prüfen. Es sollten Funken zu sehen sein. Markasit kann auch "taub" sein, d.h. der Schwefel ist ausgetreten und nur noch das reine Metall ist vorhanden, es scheint dann hell metallisch glänzend und funktioniert nicht.



Damit aus diesen Funken ein Feuer entstehen kann, benötigt man als dritten Bestandteil ein leicht entzündbares Material, das diese Funken auffängt:

>>Zunder kam den Anforderungen der Steinzeit-Technik in Form eines entzündbaren Materials entgegen. Als Zundermaterial des Echten Zunderschwamm, die sogenannte Trama, ist nur die Mittelschicht zwischen der oberen, harten Kruste und der unteren Poren- bzw. Röhrenschicht geeignet. Diese Mittelschicht muss zuerst aus dem Pilz herausgeschnitten und anschliessend noch speziell präpariert werden. Man kann sie auch mit einem Feuerstein oder grober Raspel abraspeln. Um die Entzündbarkeit dieses organischen Materials noch weiter zu erhöhen, wird dann das Ganze in einer stickstoffhaltigen Flüssigkeit getränkt. In späterer Zeit wurde dafür eine Salpeterlösung verwendet, der Steinzeitmensch griff vermutlich auf Urin zurück. Brennt auch so ohne all die Experimente.

Nach dem Trocknen muss die Masse weich geklopft werden. Es empfiehlt sich auch, das Zundermaterial vor dem eigentlichen Gebrauch noch einmal kräftig aufzulockern und zu zerreiben. Beim Feuerschlagen wird nun wiederholt der Markasit gegen eine scharfe Kante des Feuersteins (oder der Feuerstein gegen den Markasit) in einer schnellen halbkreisförmigen Bewegung von oben nach unten geschlagen, bis Funken auf den darunterliegenden, zerbröselten Zunder fallen . . . dann brennt es wie Zunder (siehe Bild oben). Es riecht bei diesem Vorgang intensiv nach Schwefel, auch werden (und bleiben) die Finger vom abgeriebenen Markasit-Pulver schmutzig-grau. Ich empfehle, ab und zu den Zunder zu reinigen, das heisst, den Markasit-Staub abzuschütteln. Wichtig sind Funken und Geduld. Es gilt das Gesetz von Trial and Error, learning by doing, brenndet hü net, brenndet moje, Rom brannte auch nicht an einem Tag (ab).

Sobald der Zunder durch die Funken zum Glimmen gebracht wurde (beim ersten Mal ein Erlebnis wie Gewinn im Lotto), muss dieser vorsichtig zu einer Glut angeblasen werden. Dieser Glimmbrand ist klein und unscheinbar. Fast erkennt man es nicht. Es schwelt aber leicht und nach einer Weile riecht man es. Also Geduld und Vorsicht. Weil der Zunder selbst nur glüht und keine eigene Flamme entwickelt, benötigt seine Glut neue Nahrung, um nicht zu verlöschen bzw. um ein Feuer anzufachen. Zu diesem Zweck wird der Glutherd auf ein leicht entflammbares Material gelegt bzw. behutsam darin eingewickelt. Am besten eignen sich dazu feinfaserige und trockene Materialien wie Rohrkolben- und Distelwolle, Moos, Heu, Stroh, zerkleinertes morsches Holz, getrocknete gerollte Birkenrindenstücke, kleine Zweige usw. Durch weiteres Hineinblasen wird nun der Glutherd vergrössert, bis ein richtiges Feuer entsteht. Dabei entsteht eine starke Rauchentwicklung. Ist die Glut entflammt wie eine junge Liebe, kann sie ebenso schnell wieder verlöschen. Deshalb trockenes, gut brennbares Material bereitlegen, wie das wäre: trockene Brennesselstiele, Tannenzapfen von Weymouth-Kiefern, Birkenrinde etc. Dieses Material vorsichtig dem Feuer geben, höher kommen lassen, größere Stücke Holz darauflegen. Nach einiger Zeit hat man dann gewonnen und ein lustiges Feuer flackert vor sich hin. Ist wie Fernsehen, man kann nur nicht umschalten.

Ein Feuer

Feuermachen steht in einem Arbeitsgang mit dem Thema Kochen. Alle genannten Gegenstände und Rohstoffe werden von Blumammu sorgfältig hergestellt, ausgesucht und auf Qualität und Funktionalität erprobt. Blumammu läßt den Funken überspringen und zeigt es allen, die es mit eigenen Augen sehen und selber ausprobieren wollen. Wann lernen wir uns kennen?



Wir Menschen haben seit etwa 3 Millionen Jahren ins Feuer geschaut. Es gab nur dieses Programm. Umschalten war nicht und es war immer wieder der gleiche Film. Doch dann kam der Fernseher. Erst seit etwa 60 Jahren auf diesem Planeten, hat er das Feuerschauen ideal ersetzt und schafft noch Arbeitsplätze. Im Prinzip hat sich nichts verändert, bloß kann man jetzt verschiedene Feuer von einem Platz anschauen und auch umschalten. Verbrennen tut man sich nur das Gehirn, aber gründlich.
Fernsehfeuer

Eine Buchempfehlung zum Thema:
"Feuer – Von der Steinzeit bis zum Brennglas"
Andy Müller
Andromeda-Verlag Müller 2004
ISBN 3-00-013031-4
Der Mann vertreibt auch Artikel zum Feuermachen, wie etwa Feuersteine, Feuerschlageisen, Magnesiumstäbe etc. und gibt
Kurse zum Feuermachen:
Andy Müller
Lindenmätteli
CH-6063 Stalden
Tel./Fax: 0041 (0)41 660 94 56
email: androma@bluewin.ch

Blumammu verkauft keinen Markasit und keinen Zunder!

Buch Feuermachen



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