 |
| Das Brot der Erde |
Donnerstag, 11. 03. 2010 |
Hier soll gezeigt werden, wie der Landwirt in der Jungsteinzeit sein Brot machte und welche Materialien er/sie dafür benötigte. Beginnen wir an einem schönen sonnigen Morgen im Sommer 5145 v. Chr. Die Erntehelfer sind schon eingetroffen. Alles wird per Hand erledigt, denn viele Hände schaffen ein schnelles Ende.

Die Getreidefelder sind durch Flechtzäune vor Ziegen, Kühen und Wildschweinen geschützt. Ein Problem waren die Angriffe von oben, will sagen den Vögeln. Doch was ist schon perfekt in dieser Welt?

Es gibt einzelne Eingänge, welche als Tor dienen, man kann aber auch drüber steigen (Ziegen übrigens auch).

Gepflanzt wurde Emmer und Einkorn, Züchtungen aus Wildgetreide, Erbsen, Flachs und Mohn. Eine Menge (Un)kraut stand dazwischen, was der Sache keinen Abbruch tut. Der Tag ist jung, die Steinzeit auch, auf zu neuen Ufern ...

Körbe kamen als Sammelbehälter zum Einsatz, ebenso die Sichel als Erntewerkzeug, hier aus Holz mit eingesetzten Feuersteinklingen. Der Typ der Sichel hat sich bis heute nicht wesentlich geändert (so wie sich der Mensch an sich auch nicht geändert hat).

Die Feuersteinklingen werden mit >>Birkenpech befestigt.

Beim Schneiden des Getreides bilden sich auf den Klingen die typischen Sichelglanzspuren.

Mann/Frau nahm sich ein Bündel Getreide und schnitt es ab (man könnte so auch die Haare schneiden, wer weiß).

Also wurde das Material am Kopfende gekappt. Die Stengel blieben stehen (warum?). In manchen Gegenden an den Alpen werden heute noch die Ähren hoch am Halme abgeschnitten und dann läßt man eine Zeit lang das Stroh stehen und das Gras darin wachsen, beides wird dann später geschnitten und verfüttert.

Die Ähren kommen in einen Behälter.

Und so geht es einher in allen Landesteilen.

Ein beliebtes Postkartenmotiv aus dieser Zeit: "Liebe Grüße aus der Jungsteinzeit", etwa zu Ostern oder so, z.B. an das Nachbardorf, welches eine Missernte und eine schlimme Seuche hatte und sich durch die aufreizende Postkarte dergestalt provoziert fühlt, nun den Provokateuren doch einen nicht so lieben Besuch abzustatten, um diese umzubringen, deren Ernte zu klauen, das Vieh mitzunehmen und sich zumindest für das kommende Jahr einen Lenz zu machen.

Nächster Schritt in der Neuzeit: Geeignetes Material für einen authentischen Mahlstein suchen. Im Rheinland war das in der Zeit der Bandkeramik der sogenannte "Eschweiler Kohlensandstein", ein harter Sandstein mit Kohleflittern. Man hat später in der Neuzeit ganze Häuser (Steinreich) aus dem Material gebaut. So die auch Römer. Der einfachste Weg, einen vernünftig großen Eschweiler Kohlensandsteins usem Bösch zu holen: ein aufgelassener Steinbruch. Rolling stones.

Der Stein wird nun auf ein vernünftiges Maß zurechtgeschlagen und gepickt, d. h. die Seiten werden gekappt, die Oberfläche wird geglättet, der Stein tiefer gelegt (wegen des Gewichtes). Das alles ist eine langwierige Arbeit. Wahrscheinlich hielt ein guter Unterlieger eine ganze Weile. Die Steine wurden durch den Gebrauch immer dünner und brachen etwa in der Mitte an der dünnsten Sollbruchstelle; so findet man sie denn auch heute, ganz selten mal einen vollständigen Mahlstein, geschweige denn einen Läufer.

Und so sieht dann das ganz pasable Ergebnis der Klopperei aus.

Diese Pick- oder Klopfsteine waren in der Jungsteinzeit aus Feuerstein-Kernsteinen, welche im Erstnutzen zum Abdrücken von Klingen (= Sichelklingen) benutzt wurden.

Eine ermüdende, monotone Tätigkeit, wie Texterfassen oder Ameisenzählen.

Die Klopfsteine wurden mit der Zeit immer runder, je nach Dauer des Einsatzes (Vorläufer des PingPong-. Base-, oder Tennisballes!).

So sieht das dann aus. Ein Unterlieger im Lieferzustand. Leicht sattelförmig und mit glatter Oberfläche.

Diese Oberfläche muss auch gepickt werden, damit die Körner greifen und malen. Der Läufer hat die Form eines heutigen Paderborner Brotes, etwa die Breite des Unterliegers und passt sich dessen Oberfläche an. Auch dessen Unterseite ist gepickt.

Mit der Zeit passen sich beide perfekt (wie in einer Ehe?) an, müssen aber immer wieder nachgepickt werden, deswegen die Mengen an Klopfsteinen auf Jungsteinzeitlichen Fundplätzen (zumindest, was die Bandkeramik und die Ehe angeht).

Jetzt kommt das Korn, welches auch immer. Es wird gedroschen, d.h. die Körner müssen irgendwie aus den Ähren. Wie das geschehen ist, weiß man nicht. Also die Spreu vom Weizen trennen.

Das ist das Ziel der Begierde: Die Körner. Diese können so gegessen werden, gestampft, zerrieben, gekocht, neu gepflanzt, gebraten, gelagert, zu Viehfutter, Makraméarbeiten oder Weitspucken.

Hier das Ensemble der Getreidereibe, Unterläufer, Läufer, ein Leder zum Auffangen der seitlich fallenden geschroteten Körner, diverse Behälter.

Das Ziel ist die Herstellung von Brot, Fladen oder ähnlichem.Zu Brotbacken in the Youngstoneage klick >>hier.

So sieht die Haltung beim Getreide-Mahlen aus. Es dauert lange, bis aus einem Kilo Korn ein erträgliches Maß an Mehl entsteht, es ist mit Sandstein aus dem Abrieb durchsetzt, was später beim kauen als Knirschen empfunden wird. Auch ist nicht unbedingt die Sorte Brot gemacht worden, welches wir in Mitteleuropa kennen, eher eine Art Fladenbrot, ein Müsliriegel in groß, oder das Zeug wurde verkocht, was die Menge an Keramik beweist. Auf jeden Fall haben die Alten Korn gemahlen, das steht fest.

Ups. Doch da ereilt mich ein Anruf: ja, ein Fehler hat sich eingeschlichen, wo? Ja, gut, wird gemacht. Der Fehler war die Uhr. Und das Handy. Ist egal. Die Termine eilen, da brauche ich auch in der Steinzeit eine Uhr. Urzeit ... ?!

Mehr Infos zur Steinzeit generell unter: >>www.blumammu.de
Noch ein paar visuelle Informationen zu Reibsteinen:


Dieses Gerät war lebenswichtig auf den Wohnplätzen der jungsteinzeitlichen Bauern: Der Mahlstein mit Läufer und Unterlieger. Das Material für diese Geräte war Eschweiler Kohlensandstein (EKS), das Hangende Gesteine der Kohleflöze des Indereviers, welches in verschiedenen Winkeln entlang der oberen Inde ausbeist. Dieser abgebildete Mahlstein ist ein Nachbau aus eben diesem Material. Gut zu sehen die schwarzen Kohleflitter, welche dem sehr festen groben Sandstein seinen Namen gaben. Das Geräusch des schrappenden Läufers auf dem Unterlieger beim zerkleinern des Getreides oder ähnlichem muss eine typische Aktustik in den Siedlungen gewesen sein, wie heutzutage das der Flugzeuge, welche wir gar nicht mehr als solche wahrnehmen. Blumammu hat ein Emmerkornfeld nach tradioneller Methode angepflanzt und wird das Ergebnis im Herbst am Objekt zeigen.

Während der Weiterverarbeitung des Getreides nutzen sich die Reibflächen der Getreidereiben an beiden Kontaktflächen ab, bis sie sehr glatt werden und nicht mehr den nötigen Griff für eine raspelnde Zermahlung des Korns zu gewährleisten. Um dem entgegenzuwirken, müssen von Zeit zu Zeit die Flächen aufgerauht werden. Dies geschah in der Steinzeit mit sogenannten Klopfsteinen aus z.B. Feuerstein. Dabei wird mit leichtem Schlag und unter ständigen Drehen des etwa faustgroßen Klopfsteins die Oberfläche des Mahlsteins solange gepickt, bis dieser wieder den Ansprüchen der Steinzeitmüllerin entspricht.
Diese Geschichte über längere Zeiträume getätigt und durch die arbeitsmechanische Abnahme von Material aufgrund stetigen Reibens entstehende Abnutzung der besprochenen Geräte lassen eine typischen Geräteform entstehen. Will sagen: der Unterstein wird konkav, der Läufer sattelartig passend geschliffen, beide werden zur Mitte immer dünner(der Lieferzustand ist plan!).
Ausgehend von einem Kernstein als idealer Rohling für einen handlichen Klopfstein, nutzt sich dieser durch das ständige nachpicken langsam zu einem kugelähnlichen Gebilde (siehe Abbildung oben) und wird irgendwann einem Hund hinterhergeworfen. Blumammu wird den Werdegang des nunmehr neuer Mahlsteins und eines (noch) Kernsteins über die Zeit fotografisch verfolgen und dokumentieren. Hunde, nehmt euch in acht!
Zur Geschichte der Reibsteine:
Das Zerkleinern von Nahrungsmitteln, sei es in Form von Körnern, Wurzeln, Knollen, aber auch von Knochen und Geweihen, war schon lange zuvor eine lebenserhaltende Notwendigkeit gewesen, zumal man auch annehmen kann, daß Körner und die Samen von Hülsenfrüchten in großen Mengen in den Uberwinterungsbauen von Nagetieren gefunden wurden. In den weiten Steppengebieten Eurasiens machen sich die Menschen noch heute die Nahrungsvorräte des Hamsters, die viele Kilogramm ausmachen können, zunutze.
Der primitive Mensch wird demnach zunächst geeignete Steine zum Zerschlagen und groben Verreiben benutzt haben. Im Verlauf von Jahrhunderten kann die Nutzung natürlicher Vertiefungen im Felsgestein, gefolgt von der Herstellung künstlicher Steinschalen, nur eine logische Folge gewesen sein. Nachweisbar allerdings sind primitive Mörser in der Form von Reibsteinen und Reibschalen erst im Mesolithikum und im Neolithikum des Vorderen Orients, den wir als Wiege des ackerbauenden und damit seßhaften Menschen betrachten.
Die frühesten, oft fragmentarischen Funde lassen sich auf über neuntausend Jahre vor der Zeitrechnung datieren, und manche zeigen, daß auch in der Frühzeit der Mensch nicht vom Brot allein lebte: Chemische Analysen haben ergeben, daß Mörser oder Mörserfragmente aus dem frühen Mesolithikum bereits zum Zerreiben von Pigmenten, wahrscheinlich für magische und/oder kosmetische Zwecke verwendet wurden; eindeutig fand man Spuren von Ocker. Dieses Pigment ist auch in steinzeitlichen Höhlenzeichnungen vertreten.
Bei Ausgrabungen einer neolithischen Siedlung in der Nähe von Tell Afar im nördlichen Irak kamen zahlreiche Steinmörser zutage. Die meisten bestanden aus dem Kalkstein des Gebietes, andere aus härterem Gestein, das nicht örtlich vorkam. Daneben fanden sich Tüllsteine aus schwarzem Basalt und dazugehörige Reibsteine aus dem gleichen Material. Es wurde auch klar, daß natürliche Aushöhlungen in der Oberfläche des Felsgesteins zum Zerkleinern benutzt worden waren (Wattkins & Baird 1987)
Acker- oder Hackfruchtbau und die damit verbundene Seßhaftigkeit des Menschen führten letzten Endes zur Entstehung von Dörfern und Städten, von denen die ältestbekannte Jericho nahe des Toten Meeres ist. Vor neuntausend Jahren besaß diese Großsiedlung eine Einwohnerzahl von schätzungsweise 2000 Menschen, die sich unmöglich allein von der Jagd auf wilde Tiere hätten ernähren können. Kein Wunder, daß bei Grabungen nicht nur Knochen von domestizierten Tieren (Ziegen), sondern auch Reste von kultivierter zweizeiliger Gerste, die wesentlich größere Körner als die Wildform der Gerste hat, im sogenannten Neolithikum B zutage gefördert wurden. Für den frühen Getreidebau sprechen auch Flintsteinsicheln, deren Schneidekanten deutlich durch die Silikatkristalle in den Halmen der Gerste poliert sind. Für uns aber sind die aufgefundenen Mörser in der Gestalt von Sattelsteinen wichtig. Mit ihren überhöhten Wänden verhindern sie ein Abspringen des Zerkleinerungsgutes beim Zerreiben und erlauben ein Zerstoßen mit dem Handstein vor dem eigentlichen Zerreibungsvorgang. Die am geschlossenen Ende des Sattelmörsers kniende Frau wischte das zerkleinerte Gut nach Abheben des Handsteines mit der Hand in eine Bodenvertiefung unter dem offenen Mörserende; Tongefäße waren noch für lange Zeit unbekannt.
Auf die zentrale Bedeutung des Mörsers - er war vielleicht wichtiger als Flintwerkzeuge - im Daseinskampf des Steinzeitmenschen weisen Indizien hin, die aus einer ganz anderen Forschungsrichtung als der eigentlichen Archäologie kommen. Das Studium der Berufskrankheiten, ein verhältnismäßig junger Zweig der Medizin, erlaubt uns, durch die Untersuchung steinzeitlicher Knochenfunde von krankhaften Veränderungen des Skeletts Schlüsse auf die Lebensund Arbeitsweise von Menschen zu ziehen, die vor acht Jahrtausenden im Nahen Osten lebten. Die Körperhaltung hat einen bestimmenden Einfluß auf den Knochenbau. Bereits 1888 beschrieb A. Lane in einer klassischen Arbeit die pathologischen Veränderungen des Brustkorbes, der Hüftknochen und der Daumenstruktur eines Mannes, der ein Leben lang als Schuster gearbeitet hatte. Martin und Saller (1958) widmen ein Kapitel ihres Lehrbuches Veränderungen am Skelett von Menschen, die vorwiegend den Schneidersitz oder eine kniende Sitzweise einnahmen Bemerkenswerte Veränderungen konnten an (Gelenkknochen, besonders denen der Ferse, an Skelettfragmenten aus den Grabungen einer neolithischen Siedlung in Tell Abu Hureya (Syrien) festgestellt werden (Molleson 1989). Sie bezeugen vorwiegend die mit der soeben beschriebenen Haltungsweise einhergehenden Zustände; am auffälligsten jedoch sind bei diesen Skeletten die pathologischen Abwandlungen der Zehenknochen, besonders denen der großen Zehe. Sie lassen sich nur durch einen langanhaltenden Spannungs- und Druckzustand erklären. Und das führt zu der Annahme, daß bei von einer auf den Knien liegenden Person ausgeführten Schubbewegung des Oberkörpers den Füßen die Funktion eines Widerlagers zukam. Diese äußerst anstrengende Tätigkeit - ein Reibstein wog mehrere Kilogramm - muß täglich von langer Dauer gewesen sein und einen wesentlichen Teil der Lebensspanne eines Menschen ausgefüllt haben.
Mutmaßlich kann nur die Aufbereitung von Körnern, Hülsenfrüchten und groben Pflanzenteilen in einem Mörser einer solchen Körpertätigkeit zugrundegelegen haben. Die in jedem Arbeitsgang erzeugte Menge an grobem Mehl war gering; um eine Familie mittlerer Größe zu ernähren, muß eine Frau den besten Teil des Tages und damit ihres Lebens am Reibmörser verbracht haben. Nur so lassen sich die Degenerationserscheinungen am Skelett erklären. Die außerordentliche, am Knochenbau ablesbare Vergrößerung des Bizeps und des Deltamuskels dieser an sich zierlich gebauten Menschen liefert ein weiteres Indiz. Darüber hinaus gibt die übermäßig starke Abnutzung und Zerstörung der Backenzähne einen Hinweis auf die Nahrung des Steinzeitmenschen dieses Gebiets, die im wesentlichen aus von winzigen Steinpartikeln durchsetztem Bulgur bestanden haben muß. Dies ist, grob gesagt, eine freudlose Form unseres heutigen Müsli und besteht im wesentlichen aus aufgebrochenen Körnern (gewöhnlich Dinkel). Bulgur, das in mehreren Abwandlungen auch heute noch in der Türkei und in anderen Regionen des Nahen Ostens eine Rolle in der Ernährung spielt, wird trocken gegessen und bedarf langen Kauens, um schluck- und verdaubar zu werden. Ob Bulgur heute auch zu einem Brei verkocht wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf Märkten in Syrien und Palästina wird gegenwärtig Frikke, ein ähnliches Produkt, feilgeboten, das mitunter wie in der Steinzeit noch mit Steinchen verunreinigt ist. Erste literarische Hinweise auf Bulgur erscheinen bei Plinius (Band XVIII seiner Naturgeschichte); er spricht von alica, sicherlich einer römischen Variante von Bulgur.
In Gebieten Irans, der Türkei, Äthiopiens und Indiens, die von der Technologie des 20.Jahrhunderts noch unberührt geblieben sind, spielen Reibstein, Reibschale und Mörser immer noch die gleiche Rolle, die ihnen bereits im Neolithikum zugekommen ist. Man kann deshalb aus dem Heute auf die Zustände in grauer Vorzeit schließen. In Anatolien, wo der Steinmörser (türkisch dibek) die übliche parabolische innere Kurvenform besitzt, wird anstelle eines Stößels nicht selten ein langstieliger Holzhammer mit verlängerter und stumpfspitzig auslaufender Finne gebraucht. Die Größe eines solchen Mörsers richtet sich nach der zu verarbeitenden Getreidemenge. Beim Gebrauch in der Küche einer normalen Familie kann ein wöchentlicher Mehlvorrat mit einem Mörser von 10 - 20 cm Durchmesser genügen; bei einem Mörser dieser Dimension wird fast ausnahmslos ein Stößel verwendet (Hillmann 1984). Demgegenüber benützt man in anderen Gebieten des Nahen Ostens, meistens außer Haus, Mörser von über 50 cm Durchmesser, an denen zwei oder drei Frauen gleichzeitig mit Holzhämmern arbeiten. Hin und wieder verwendet man auch flachschalige Mörser, die einen Durchmesser von fast einem Meter haben, und aus der südöstlichen Türkei wurde berichtet, daß man außer Gebrauch gekommene Taufbecken als Mörser verwendet, an denen bis zu fünf Frauen simultan mit dem Zerstoßen von Getreide beschäftigt sind.
Die Verwendung des Mörsers zur Befreiung der Getreidekörner von Spelzen ist auch aus Gebieten Nordeuropas bekannt, wie auch auf Orkney und den Shetlandinseln (Fendton 1978).
Die Evolution vom flachen Reibstein über eine Muldenform zur Sattelschale erstreckte sich über einige Jahrtausende. Die flache oder nur schwach konkave Oberfläche des Reibsteins erschwerte das Zusammenhalten des Zerkleinerungsgutes; dementsprechend war auch die Menge des gleichzeitig zu behandelnden Mahlgutes beschränkt. Erst eine Vertiefung der eigentlichen Reibfläche und die Gestaltung einer immer und immer höher werdenden Wandung erleichterten den Zerkleinerungsprozeß, da zum einen das Mahlgut nicht so leicht entweichen konnte und es zum anderen im Verlauf der kreisenden Bewegung des Handsteines wieder von den gewölbten Wänden zur Mitte zurückfiel.
Die Herstellung von Sattelsteinen ist schwer zu erklären, da man im Mesolithikum steinbearbeitende, meißelähnliche Werkzeuge noch nicht kannte. Die Ausnutzung von natürlichen Zufallsbildungen kann nicht ausgeschlossen werden, aber das konnte auch nur für wenige Einzelstücke gelten. Wahrscheinlich ging die Bildung der Schalenform mit dem Mahlprozeß Hand in Hand, besonders, wenn der Läufer oder Handstein aus härterem Material als der Reibstein bestand. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß der Gebrauch primitiver Reibplatten für Jahrtausende nachgewiesen ist. In Indien werden sie auch heute weithin im Haushalt zum Verreiben von Gewürzen wie auch weichen Nahrungsmitteln und sogar Fleisch benutzt.
Die Reibschale in ihrer ersten vollkommenen Form begegnet uns im ersten Jahrtausend v. Chr. in Anatolien, Syrien, Zypern, der Ägäis und auch in Griechenland. Es sind vorwiegend Dreißfußschalen aus einheimischem Material oder, zum Beispiel in der Ägäis, aus importiertem; Basalt scheint am beliebtesten gewesen zu sein. Das archäologische Museum in Theben besitzt 40 cm hohe böotische Beispiele aus Plataiai mit reicher Ritzverzierung aus Grätenmustern, Kreisformen und schmalen vertikalen Bändern. Die Höhe dieser Tuffsteinschalen ist wesentlich größer als ihr Durchmesser. Flache Dreifußschalen setzen zweifellos eine arbeitsaufwendige Herstellung voraus. Manche zeigen an den Fußaußenseiten und auch an den Flanken schlangenartige Muster und/oder Reliefspiralen. Bei einem besonders aufwendigen Exemplar aus Zypern im Nikosia-Museum ruht die eigentliche Schale auf dem Rücken von Sphingen. Dies und die Tatsache, daß man sie bei Grabfunden sorgfältig abgestellt fand, oft in der Nähe des Sarkophags oder nahe beim Eingang zur Grabkammer, bezeugt nicht nur ihre Wertschätzung, sondern läßt auch ihre Rolle beim Totenritual vermuten (Buchholz 1979). Der Reibstein für diese Schalen bestand meistens aus einer Steinkugel gleichen Materials; daneben besaßen viele rundkegelige Stößel. Ein viel späteres Exemplar aus griechischem Inselmarmor hatte bereits einen praktischeren Reiber in Form eines Fußes.
Wie das Wort schon sagt, dienten diese Schalen der Verreibung aller möglichen Substanzen für kulinarische, medizinische, kosmetische oder kultische Zwecke. Gleichzeitig mit diesen bronzezeitlichen Schalen treten, besonders in Zypern und auch in Malta, Karthago und Sardinien, aus Ton gebrannte Dreifußschalen auf, denen steinerne Schalen als Vorbild gedient haben müssen. Auch sie spielten wohl eine Rolle im Totenkult, zur Aufbereitung von Salben, Schminken, Gewürzen, Duftstoffen usw. Das an sich wegen seiner mangelhaften Stoßfestigkeit für einen Mörser ungeeignete Material bot sich wegen seiner glatten Oberfläche geradezu für das Verreiben, besonders nichttrockener Substanzen, an.
Im Mortarium der Römer treffen wir wiederum auf den schalenförmigen Mörser. Die römische Bezeichnung hat der ganzen Gattung ihren Namen gegeben Mortaria waren dickwandig und bestanden aus gebranntem Ton. Ihre Innenfläche war glatt oder wurde vor dem Brennen durch Bestreuen mit Quarzkristallen oder zerriebenem Steingut rauh gemacht, um das Zerreiben weicher Substanzen zu erleichtern. Meistens besaßen sie einen tüllenartigen Ausguß. Wie durch zahlreiche Grabungsfunde belegt ist, wurde das Mortarium in allen Teilen des Römischen Reiches benutzt.
In der Regel ist bei Reibschalen der Durchmesser immer größer als die innere Höhe. In dieser Form haben sie sich vom Altertum bis in die Neuzeit erhalten und werden mitunter auch heute noch in der Apotheke verwendet. In England spielten hölzerne Reibschalen mit innen befindlichen Eisenkugeln bei der Senfherstellung eine Rolle. Im Gegensatz zum Mörser im allgemeinen nutzte man das Trägheitsmoment der schweren Kugeln und führte mit der Schale, die mit Senfkörnern angefüllt war, eine kreisförmige Bewegung aus, bis das Mahlgut hinreichend pulverisiert war. Ähnliche gußeiserne Reibschalen mit etwas höheren und oben eingewölbten Rändern fanden bei der Pulverisierung von Pigmenten in der Farbenindustrie Verwendung.
Aus: Edmund Launert · Der Mörser · Verlag Callwey München·1990

Erschöpfende Informationen über einen jungsteinzeitlichen Linearbandkeramischen Siedlungsplatz in der Nähe von D-Aachen klick >>hier.
Literaturempfehlung zum Thema: Udelgard Körber-Grohne
Nutzpflanzen in Deutschland von der Vorgeschichte bis heute
Nikol Verlag Hamburg 1995


©2010 | Blumammu
|
|
|