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| Der gebogene Stock |
Donnerstag, 11. 03. 2010 |

Bau eines Holmegard-Bogens aus Eschenholz
Die Geschichte beginnt mit einer Idee. Wie kann ein Mensch ein lebendes Wesen auf eine größere Distanz schnell töten? Durch Blicke oder Gedankenkraft? Die Lösung ist der Tötungsgedanke in Form eines Projektils, welches man bequem transportieren und mehrfach hintereinander benutzen kann. So entstanden die Speere und Lanzen, praktisch geworfene Stöcke.
Der nächste Schritt war ein Gerät, welches kleine schmale Speere schnell und treffsicher weit schleudern kann. So entstand die Speerschleuder. Und daraus, aus einem Sachzwang, der Pfeil und Bogen. Eine Speerschleuder kann man im offenen baumlosen Gelände gut einsetzen und ist dort auch relativ effektiv. Im Wald oder baumbestandenen Gelände ist diese Waffe eher schlecht, weil der Speer durch geringfügige Hindernisse abgelenkt wird.
Hier schlägt die große Stunde des Bogens. Ein Kompositwerkzeug aus hauptsächlich zwei Stöcken und einer Schnur. Was sich daraus entwickelte, ist eine Geschichte menschlicher Erfindungskraft. Ein Pfeil kann im Wald schnell und präzise eingesetzt werden. Ein Nachteil ist die fragile Bauart. Trifft der Pfeil auf Stein, Holz oder rutscht ins Unterholz, kann man ihn fast vergessen. Deshalb werden die Jäger immer sehr gut überlegt haben, wann wie weit wohin sie schiessen, um nichts unnötiges zu riskieren. Der Bogen selbst entwickelte sich im Laufe der Zeit immer mehr zum HighTec-Gerät und diese Entwicklung gipfelte in der Mittelsteinzeit in der Bauart des sogenannten Holmegard-Bogen.

Die mannshohen Bögen fallen durch ein sehr ausgereiftes Design auf. Die Bogenarme sind in der Regel ziemlich flach und breit. Die aufgewölbte Aussenseite besteht aus der natürlichen Stammesoberfläche, von der lediglich Rinde und Bast abgezogen wurden. Der Verlauf der Holzfasern ist an keiner Stelle unterbrochen, was der Bruchsicherheit bei Zugbeanspruchung zugute kommt. Die flache Innenseite der Bogenarme stellt dagegen die ideale Form bei Druckbelastung dar. Während sich die Aussenseite eines Bogens beim Spannen dehnen muss, wird die Innenseite zusammengestaucht. Somit erfüllt der Querschnitt der Mittelsteinzeitbögen in idealer Weise die auftretenden physikalischen Anforderungen.

Weitere technische Details sind bei einem Teil der Bogenfunde zu beachten. Der Griffteil und der Aussenbereich der Wurfarme sind stark verschmälert. Je schmaler der Bogengriff, desto geringer ist die seitliche Abweichung des Pfeilflugs. Moderne Sportbögen besitzen zu diesem Zweck seitlich ausgesparte "Schussfenster", durch die ein perfekter "center shot" möglich ist. Schmale Bogenenden sind leichter als breite, wodurch weniger Energie bei der Beschleunigung der Arme des Bogens verbraucht wird und mehr Energie für die Beschleunigung des Pfeils zur Verfügung steht.

Dezember 2005. Um eine Holmegard-Bogen zu bauen, braucht es ein gutes Stück Holz. Also geht der Bogenbauer zu einer Stelle, wo gerade junge Bäume wachsen. Nicht irgendwelche Bäume. Gut geeignet ist Esche, Ulme und Eibe. Alle mittelsteinzeitlichen Bögen vom Typ Holmegard, welche man in Mooren gefunden hat, waren aus Ulmenholz gemacht. Eibe wuchs damals noch nicht in Mitteleuropa.

In diesem Fall soll der Bogen aus Eschenholz gemacht werden. Eine gerade, etwa 20 cm dicke Esche wird ausgesucht, gefällt und ein etwa 2 m langes gerades Stück wird abgetrennt.

Dieses wird mit Keilen in zwei Hälften gespalten. Jetzt werden die Hälften an einem trockenen, relativ warmen Platz gelagert, bis das Holz so trocken ist, das es verarbeitet werden kann, ohne zu reißen oder sich zu verziehen.




Der Trockenvorgang kann bis zu 6 Monaten dauern, in diesem Fall also bis Mai 2006. Vorab sei zu empfehlen, zu Sicherheit 2 Stämme auszusuchen und zu lagern. Es ist bei diesem Arbeitsaufwand immer gut, Ersatz zu haben. Setzt man alles auf eine Karte, ist der Verlust bei Bruch oder Mißlingen groß.

Die halben Stämmchen werden nochmals gespalten.

Jetzt, nach nochmaligen trocknen, wird die Rinde entfernt. Vorsichtig!

Auf diesem Viertelstämmchen wird jetzt die Vorzeichnung des Bogens aufgebracht.

Danach wird mit einem Dechsel die ungefähre Form des Bogens geschlagen.

Langsam entsteht der Rohling.

Der Rohling steht.

Um weiterhin zu trocknen, lege ich den Rohling in mein Fahrzeug und lasse ihne dort ein paar Wochen. Die Hitze bei stehendem Wagen fördert den Trocknungsvorgang des noch relativ feuchten Holzes.

Jetzt wird geschliffen und gehobelt. Da fallen Späne. Und fließt der Schweiß. Denn ich will ja einen Preis.

Das Tillern ist dann eine etwas langwierige Arbeit.

Und dann ist der Eschenbogen nach einem halben Jahr trocknen und 2 Tagen Arbeit fertig. Zukraft 40 Pfund. Sehr leicht und schießt gut.

Ich kann an dieser Stelle keine detaillierte Darstellung und Anleitung des Bogenbaus machen. Das sind hier nur Bilder. Richtig bauen kann man Holzbögen nur mit Erfahrung und Ausdauer. Nicht im Internet. Deswegen wünsche ich allen, welche einen Bogen bauen wollen, viel Erfolg. Ein paar Bilder zu der Waffe generell bietet: >>Waffen >>Schiessen >>Jagd

©2010 | Blumammu
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