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| Alles braucht seine Zeit |
Samstag, 04. 02. 2012 |

An dieser Stelle ein paar Gedanken über die Zeit der Steinzeit. Sie muss damals etwas besonderes gewesen sein. Ein wesentlicher Bestandteil sogar. Wir haben keine Zeit mehr. Wir haben Uhren. Uhren sind Statussymbol und ein typisches Utensil (Leitfossil) unserer Zivilisationsepoche. Kinder bekommen schon eine Uhr, können diese aber oft noch nicht ablesen. Eine Rolex am Arm zeigt die Zeit wie jede billige andere Uhr, doch zeigt die Rolex einen Status an, Reichtum etc.
Die Zeit spielte bei der Jagd in der Steinzeit eine wichtige Rolle. Also Geduld haben, warten, nachdenken, beobachten bis der Moment kommt und der Jäger schiesst. Wir haben dieses Phänomen nur mit dem eigenen Tod zu erwarten, mit umgekehrten Vorzeichen. Wir streben eilig darauf zu, mit dem Beruf, der U-Bahn, der Rente und dem Auto. Manchmal erkennen wir die Zeit und suchen diese. Im Urlaub. Auf dem Sankt Jakobs Weg. Beim Drömeln (leer schauen = kann Trance sein). Meditieren. Verliebt sein. Im Vollrausch. Aber sonst: Keine Zeit und wenn, dann bitte bezahlt.
Wie dem auch sei. Doch ein Gefühl, keinen Geburtstag zu kennen, keine Termine zu haben, keine Uhrzeiten zu messen, keinen Plan zu haben, kein Ziel, keinen Gewinn zu machen ist nicht mit Alzheimer zu verwechseln, sondern es muss ein Gefühl sein, was wir einfach nicht kennen. Horror vacuii, die Angst vor der Leere. Allein schon das Gefühl, ohne diese Dinge leben zu müssen, erfüllt uns mit Zeitnot.
Gibt es eine Zeit-Krankheit? Also eine Krankheit, welche keine Zeit auslöst, oder das Gefühl, Zeitlos zu sein. Nicht, das Sie mich falsch verstehen. Essen, trinken, Besorgungen, Sex, soziale Kontakte ist alles noch da. Aber die Zeit ist weg. Zeit ist eine Dimension. Die kann man nicht wegdenken. Wir machen Sie zu einem Faktor, messbar, erfassbar, wertig. Wie alles. Die Geschichte von Momo kommt mir in den Sinn. Da wird Zeit geraucht, bis sie weg ist. Nicht schlecht. Kann man den Rauch wiegen? Man kann.
Auf jeder Vorführung aus der Steinzeit oder im Museum werden wir vor geführt, man führt uns etwas vor, wir sind die Vorgeführten. Technik, Mythen, Gegenstände, Kunst etc. alles da. Bloß das Zeitgefühl. Das kommt nicht rüber. Wie auch? Und doch war sie es, welche uns 3 Millionen Jahre begleitete und wir Zeit hatten, darüber zu sinnieren. Das ist lang. Ist das Ergebnis dieses Nachdenkens die Uhr?
Gäbe es Zeitreisen, ich würde sie verbieten. Es gibt sie nicht. Zeit ist gerade, eine Art Tunnel oder so, Straße, Fluß. Wir haben sie existent durch unser Denken gemacht. Ich denke, also habe ich Zeit. Wieder so ein Anspruchsdenken unseres Daseins auf diesem Planeten. Hat ein Wal Zeit? Klar. Doch was fängt er damit an? Nix! Er ist unproduktiv. Er ist da, schwimmt, taucht, frißt und singt ein bischen. Glauben Sie, das er sich denkt: au, schon nachmittag, muss noch tauchen, Kollegen ansingen, oder so. Art pour l'art. Wir nehmen dem Wal das alles ab und rotten sie aus. Sie hatten ihre Zeit.
Zurück in die Steinzeit. Überlegen Sie mal. Wie war das damals?

©2011 | Blumammu
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