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Kulturen der Steinzeit Mittwoch, 16. 04. 2014

Aus: Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit, C. Bertelsmann, München 1991

Eine Übersicht über die zeitlichen Kulturen der Steinzeit, der Zeit, in der wir als Menschen die längste Zeit unserer Menschwerdung verbracht haben. Geordnet nach Perioden, deren Bezeichnungen, den Erforschern und die Namensherkunft.

Die Anfänge



Altsteinzeit (Paläolithikum)
von mehr als 2 Millionen Jahren bis 8.000 v. Chr



Geröllgeräte-Industrien vor mehr als 2 Millionen bis 1 Million Jahren. Begriff Geröllgeräte-Industrien in den 1920er Jahren durch den damals in Uganda arbeitenden englischen Geologen Edward James Wayland geprägt.

Protoacheuléen vor etwa 1,2 Millionen bis 600000 Jahren. Name besagt, daß es sich um eine Kulturstufe vor dem Acheuléen handelt, das nach dem französischen Fundort Saint-Acheul bei Amiens an der Somme bezeichnet ist. Begriff Protoacheuléen 1985 von dem Marburger Prähistoriker Lutz Fiedler geprägt.

Altacheuléen vor etwa 600000 bis 350000 Jahren. Begriff Altacheuléen 1924 von dem damals in Spanien arbeitenden deutschen Prähistoriker Hugo Obermaier geprägt.

Jungacheuléen vor etwa 350000 bis 150000 Jahren. Begriff Jungacheuléen 1924 von dem damals in Spanien arbeitenden deutschen Prähistoriker Hugo Obermaier geprägt.

Spätacheuléen vor etwa 150000 bis 100000 Jahren. Begriff Spätacheuléen 1964 von dem damals in Münster arbeitenden Prähistoriker Klaus Günther geprägt.

Micoquien vor etwa 125000 bis 40000 Jahren, benannt nach der Halbhöhle von La Micoque bei Les Eyzies-de-Tayac im französischen Departement Dordorgne. Begriff Micoquien 1916 von dem damals in Basel lebenden schweizerischen Archäologen und Antiquitätenhändler Otto Hauser geprägt.

Moustérien vor etwa 125000 bis 40000 Jahren, benannt nach der Höhle von Le Moustier bei Les-Eyzies de Tayac im französischen Departement Dordogne. Begriff Moustérien 1869 von dem französischen Prähistoriker Gabriel de Mortillet geprägt.

Blattspitzen-Gruppen vor etwa 50000 bis 35000 Jahren, benannt nach typischen Steinwerkzeugen. Begriff Blattspitzen-Gruppen 1929 von dem damals in Spanien arbeitenden deutschen Prähistoriker Hugo Obermaier und dem Straßburger Geologen Paul Wernert geprägt.

Aurignacien vor etwa 35000 bis 29000 Jahren, benannt nach der Höhle von Aurignac im französischen Departement Haute Garonne. Begriff Aurignacien 1869 durch den französischen Prähistoriker Gabriel de Mortillet geprägt.

Gravettien vor etwa 28000 bis 21000 Jahren, benannt nach der Halbhöhle La Gravette bei Bayac im französischen Departement Dordogne. Begriff Gravettien 1938 von der englischen Archäologin Dorothy Garrod geprägt.

Magdalénien vor etwa 15000 bis 11500 Jahren, benannt nach der Halbhöhle La Madeleine gegenüber von Tursac in der Dordogne. Begriff Magdalénien 1869 von dem französischen Prähistoriker Gabriel de Mortillet geprägt.

Hamburger Kultur vor etwa 15000 bis 14000 Jahren, benannt nach Fundstellen im Raum Hamburg. Begriff Hamburger Kultur 1933 von dem damals in Kiel arbeitenden Prähistoriker Gustav Schwantes geprägt.

Federmesser-Gruppen vor etwa 12000 bis 10700 Jahren, benannt nach einem typischen Waffenteil. Begriff Federmesser 1912 von dem Tübiniger Prähistoriker Richard Rudolf Schmidt geprägt, Begriff Federmesser-Gruppen 1954 von dem damals in Kiel lehrenden Prähistoriker Hermann Schwabedissen.

Bromme-Kultur vor etwa 11700 bis 11000 Jahren, benannt nach dem Fundort Bromme auf der dänischen Insel Seeland. Begriff Bromme-Kultur 1946 von dem dänischen Archäologen Therkel Mathiassen geprägt.

Spätpaläolithikum vor etwa 11500 bis 10000 Jahren. Begriff Spätpaläolithikum 1970 von dem tschechischen Prähistoriker Slavomil Vencl aus Prag geprägt.

Ahrensburger Kultur vor etwa 10700 bis 10000 Jahren (8700 bis 8000 v. Chr.), benannt nach Fundstellen in der Umgebung von Ahrensburg bei Hamburg. Begriff Ahrensburger Kultur 1928 von dem damals in Hamburg arbeitenden Prähistoriker Gustav Schwantes.



Mittelsteinzeit (Mesolithikum)
von etwa 8000 bis 5000 v. Chr.



Frühestmesolithikum von etwa 8000 bis 7700 v. Chr. Begriff Frühestmesolithikum 1972 von dem damals in Tübingen arbeitenden Prähistoriker Wolfgang Taute geprägt.

Beuronien bzw. Frühmesolithikum von etwa 7700 bis 5800 v. Chr., benannt nach dem Ort Beuron in Baden-Württemberg, in dessen Nähe in der Jägerhaushöhle Fundschichten des Frühmesolithikums entdeckt wurden. Begriff Beuronien 1972 von dem damals in Tübingen arbeitenden Prähistoriker Wolfgang Taute geprägt.

Spätmesolithikum von etwa 5800 bis 5000 v. Chr. Begriff Spätmesolithikum 1972 von dem damals in Tübingen arbeitenden Prähistoriker Wolfgang Taute geprägt.

Maglemose-Kultur von etwa 8000 bis 6000 v. Chr., benannt nach dem Sumpfgebiet magle mose bei Mullerup an der Westküste der dänischen Insel Seeland. Begriff Maglemose-Kultur 1912 von dem dänischen Archäologen Georg F. L. Sarauw geprägt.

Duvensee-Gruppe von etwa 7000 bis 6000 v. Chr., benannt nach dem Fundort Duvenseer Moor (Kreis Herzogtum Lauenburg) in Schleswig-Holstein. Begriff Duvensee-Gruppe 1925 von dem damals in Hamburg arbeitenden Prähistoriker Gustav Schwantes geprägt.

Oldesloer Gruppe von etwa 6000 bis 5000 v. Chr., benannt nach Funden im Raum Oldesloe in Schleswig-Holstein. Begriff Oldesloer Gruppe 1925 durch den damals in Hamburg arbeitenden Prähistoriker Gustav Schwantes geprägt.



Jungsteinzeit (Neolithikum)
von etwa 5500 bis 2300 v. Chr.



Linienbandkeramische Kultur von etwa 5500 bis 4900 v. Chr., benannt nach den bänderartigen Verzierungen der Tongefäße dieser Kultur. Begriff Bandkeramik 1884 durch den Jenaer Kunsthistoriker Friedrich Klopffleisch geprägt, Begriff Linearkeramik durch den Heilbronner Arzt und Urgeschichtsforscher Alfred Schliz.

La-Hoguette-Gruppe und Limburg-Gruppe, benannt nach dem Fundort La Hoguette im französischen Departement Calvados in der Normandie und der niederländischen Provinz Limburg. Begriff La-Hoguette-Gruppe 1983 von dem französischen Prähistoriker Christian Jeunesse aus Straßburg geprägt. Begriff Limburg-Gruppe 1970 von dem niederländischen Prähistoriker Pieter J. R. Modderman eingeführt.

Stichbandkeramische Kultur von etwa 4900 bis 4500 v. Chr., benannt nach der typischen Verzierung der Tongefäße dieser Kultur. Begriff Stichbandkeramische Kultur 1889 von dem Finanzoberrat und Prähistoriker Karel Buchtela aus Prag eingeführt.

Oberlauterbacher Gruppe von etwa 4900 bis 4500 v. Chr., benannt nach dem Fundort Oberlauterbach (Kreis Landshut) in Niederbayern. Begriff Oberlauterbacher Gruppe 1980 von dem Prähistoriker Peter Michael Bayerlein in seiner Heidelberger Dissertationsarbeit geprägt.

Hinkelstein-Gruppe von etwa 4900 bis 4800 v. Chr., benannt nach dem Gräberfeld im Gewann Hinkelstein von Monsheim (Kreis Alzey-Worms) in Rheinland-Pfalz. Begriff Hinkelstein-Gruppe geht auf den Wormser Arzt und Heimatforscher Karl Koehl zurück, der 1898 den Begriff Hinkelsteintypus vorschlug.

Großgartacher Gruppe von etwa 4800 bis 4600 v. Chr., benannt nach der Siedlung Großgartach (Kreis Heilbronn) in Baden-Württemberg. Begriff Großgartacher Gruppe 1901 von dem Heilbronner Arzt und Urgeschichtsforscher Alfred Schliz geprägt.

Ertebölle-Ellerbek-Kultur von etwa 5000 bis 4300 v. Chr., benannt nach den Fundorten Ertebölle im Limfjord bei Aalborg in Dänemark und Kiel-Ellerbek auf dem Ostufer der Kieler Förde in Schleswig-Holstein. Begriff Ertebölle-Ellerbek-Kultur 1958 von dem Prähistoriker Hermann Schwabedissen geprägt.

Rössener Kultur von etwa 4600 bis 4300 v. Chr., benannt nach dem Gräberfeld im Ortsteil Rössen von Leuna (Kreis Merseburg) in Sachsen-Anhalt. Begriff Rössener Kultur 1900 von dem Berliner Prähistoriker Alfred Götze geprägt.

Schwieberdinger Gruppe von etwa 4300 bis 4200 v. Chr., benannt nach dem Fundort Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) in Baden-Württemberg. Begriff Schwieberdinger Gruppe 1938 von dem Prähistoriker Armin Stroh geprägt.

Gaterslebener Gruppe von etwa 4400 bis 4200 v. Chr., benannt nach den Funden vom Karnickelberg bei Gatersleben (Kreis Aschersleben) in Sachsen-Anhalt. Begriff Gaterslebener Gruppe 1952 durch den damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Ulrich Fischer geprägt.

Bischheimer Gruppe von etwa 4400 bis 4200 v. Chr., benannt nach dem Fundort Bischheim bei Kirchheimbolanden (Donnersbergkreis) in Rheinland-Pfalz. Begriff Bischheimer Gruppe 1938 von dem Prähistoriker Armin Stroh geprägt.

Aichbühler Gruppe von etwa 4200 bis 4000 v. Chr., benannt nach dem Fundort Aichbühl bei Bad Schussenried (Kreis Biberach) in Oberschwaben. Begriff Aichbühler Gruppe im heutigen Sinne stammt von dem damals in Köln lehrenden Prähistoriker Jens Lüning.

Münchshövener Gruppe von etwa 4300 bis 3900 v. Chr., benannt nach dem Fundort Münchshöven (Kreis Straubing-Bogen) in Niederbayern. Begriff Münchshövener Gruppe geht auf den damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Walter Bremer zurück, der vom Münchshövener Typus sprach.

Jordansmühler Gruppe von etwa 4300 bis 3900 v. Chr., benannt nach dem heute in Polen liegenden niederschlesischen Fundort Jordansmühl (Jordanow Slaski). Begriff 1916 von dem Breslauer Prähistoriker Hans Seger geprägt.

Michelsberger Kultur von etwa 4300 bis 3500 v. Chr., benannt nach dem Michaelsberg beim Ortsteil Untergrombach von Bruchsal (Kreis Karlsruhe) in Baden-Württemberg, auf dem sich eine befestigte Siedlung dieser Kultur befand. Begriff Michelsberger Kultur 1908 von dem damals in München arbeitenden Prähistoriker Paul Reinecke geprägt.

Nordwestdeutsche Trichterbecher-Kultur von etwa 4300 bis 3000 v. Chr., benannt nach einem typischen Tongefäß dieser Kultur. Begriff Trichterbecher-Kultur 1930 von dem polnischen Prähistoriker Konrad Jadzewski aus Lodz geprägt

Baalberger Kultur von etwa 4300 bis 3700 v. Chr., benannt nach einem Steinkistengrab auf dem Schneiderberg von Baalberge (Kreis Bernburg) in Sachsen-Anhalt. Begriff Baalberger Gruppe 1930 von dem damals in Halle/Saale arbeitenden Anthropologen Paul Grimm geprägt, von dem auch der Begriff Baalberger Kultur stammt.

Schussenrieder Gruppe von etwa 4200 bis 3500 v. Chr., benannt nach dem Fundort Bad Schussenried im Federseegebiet. Begriff Schussenrieder Gruppe 1960 von dem damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Jürgen Driehaus geprägt.

Hornstaader Gruppe von etwa 4100 bis 3900 v. Chr., benannt nach der Siedlung Hornstaad-Hörnle I bei Gaienhofen (Kries Konstanz) in Baden-Württemberg. Begriff Hornstaader Gruppe 1985 von dem Prähistoriker Bodo Diekmann aus Gaienhofen-Hemmenhofen geprägt.

Pfyner Kultur von etwa 3900 bis 3500 v. Chr., benannt nach dem schweizerischen Fundort Pfyn im Kanton Thurgau. Begriff Pfyner Kultur 1960 von dem damals in Mainz arbeitenden Prähistoriker Jürgen Driehaus geprägt.

Altheimer Kultur von etwa 3900 bis 3500 v. Chr., benannt nach der befestigten Siedlung dieser Kultur von Altheim (Kreis Landshut) in Niederbayern. Begriff Altheimer Kultur 1915 von dem damals in München arbeitenden Prähistoriker Paul Reinecke geprägt.

Pollinger Gruppe von etwa 3900 bis 3500 v. Chr., benannt nach dem Fundort Polling (Kreis Weilheim-Schongau) am ehemaligen Jakob-See in Oberbayern. Begriff Pollinger Gruppe geht auf den Münchener Prähistoriker und Anthropologen Ferdinand Birkner zurück, der 1936 vom Polliniger Typus sprach.

Salzmünder Kultur von etwa 3700 bis 3200 v. Chr., benannt nach der Höhensiedlung von Salzmünde (Saalkreis) in Sachsen-Anhalt. Begriff Salzmünder Kultur 1938 von dem damals in Halle/Saale arbeitende Anthropologen Paul Grimm geprägt.

Horgener Kultur von etwa 3300 bis 2800 v. Chr., benannt nach der schweizerischen Ufersiedlung Horgen-Scheller am Zürichsee. Begriff Horgener Kultur 1934 von dem Zürcher Prähistoriker Emil Vogt geprägt.

Chamer Gruppe von etwa 3500 bis 2700 v. Chr., benannt nach dem Kreis Cham im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz. Begriff Chamer Gruppe 1951 von dem damals in Straubing arbeitenden Prähistoriker Hans-Jürgen Hundt geprägt.

Goldberg III-Gruppe von etwa 3500 bis 2800 v. Chr., benannt nach dem dritten auf dem Goldberg bei Riesbürg (Ostalbkreis) in Baden-Württemberg entdeckten Siedlung. Begriff Goldberg III-Gruppe 1937 von dem Frankfurter Prähistoriker Gerhard Bersu geprägt.

Wartberg-Gruppe von etwa 3500 bis 2800 v. Chr., benannt nach dem Wartberg bei Niedenstein-Kirchberg (Schwalm-Eder-Kreis) in Hessen, auf dem Siedlungen dieser Kultur lagen. Begriff Wartberg-Gruppe 1951 von dem damals in Kassel arbeitenden Prähistoriker Hermann Müller-Karpe geprägt.

Walternienburg-Bernburger Kultur von etwa 3200 bis 2800 v. Chr., benannt nach dem Gräberfeld von Walternienburg (Kreis Zerbst) und Gräbern von Bernburg (Kreis Bernburg) in Sachsen-Anhalt. Begriff Walternienburg-Bernburger Kultur geht auf den schwedischen Archäologen Nils Aberg zurück, der 1918 von Walternienburg-Bernburger Keramik sprach.

Havelländische Kultur von etwa 3200 bis 2800 v. Chr., benannt nach dem Verbreitungsgebiet. Begriff geht auf den Berliner Prähistoriker Alfred Götze zurück, der 1911 von Havelländischer Keramik sprach.

Kugelamphoren-Kultur von etwa 3100 bis 2700 v. Chr., benannt nach typischen Tongefäßen dieser Kultur. Begriff Kugelamphoren-Kultur 1900 von dem Berliner Prähistoriker Alfred Götze geprägt.

Schnurkeramische Kulturen von etwa 2800 bis 2400 v. Chr., benannt nach den mit Abdrücken von Schnüren verzierten Tongefäßen dieser Kultur. Begriff Schurkeramische Kulturen geht auf den Berliner Prähistoriker Alfred Götze zurück, der 1891 von Schnurverzierter Keramik und Schnurkeramik sprach.

Einzelgrab-Kultur von etwa 2800 bis 2300 v. Chr., benannt nach typischen einzelnen Gräbern unter Erdhügeln. Begriff Einzelgrab-Kultur 1891 von der Kieler Prähistorikerin Johanna Mestorf geprägt.

Glockenbecher-Kultur von etwa 2500 bis 2200 v. Chr., benannt nach typischen Tongefäßen dieser Kultur in Gestalt einer umgestülpten Glocke. Begriff Glockenbecher, den zuvor schon italienische und tschechische Prähistoriker benutzt hatten, 1900 von dem damals in Mainz arbeitetenden Prähistoriker Paul Reinecke geprägt.

Schönfelder Kultur von etwa 2500 bis 2100 v. Chr., benannt nach der Fundstelle Schönfeld (Kreis Stendal) nördlich von Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Begriff Schönfelder Kultur 1910 von dem Gymnasialprofessor und Prähistoriker Paul Kupka aus Stendal geprägt.

Dolchzeit von etwa 2300 bis 1600 v. Chr. nach den Feuersteindolchen aus dieser Zeitspanne. Begriff Dolchzeit 1902 von dem Kopenhagener Prähistoriker Sophus Müller geprägt.



Drei kurze Aufsätze zu zwei wichtigen Steinzeitepochen,
weil Übergangszeiten, welche sich noch heute auswirken:



1. Die Mittelsteinzeit (Mesolithikum)
8000 - 5000 v. Chr.



Der erste Abschnitt der Nacheiszeit, das Präboreal oder Vorwärmezeit, begann etwa um 9000 v.Chr. Wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten wanderten ein, und die Ren- und Pferdeherden wanderten nach Norden ab.

Die Menschen mußten ihre Lebensweise umstellen. "Nicht länger gehörte die Speerschleuder zur Ausrüstung des Jägers, sondern Pfeil und Bogen für die Standwildjagd in den nun bewaldeten Gebieten sowie die aus Mikrolithen zusammengesetzte Harpune für die Fischjagd... Hatte man zuvor im Gelände auf weite Strecken freie Sicht und erlegte das Wild in Entfernungen zwischen 50 und 100 m, so mußte man sich nun durch die Wiederbewaldung auf die Pirschjagd auf Einzel- und Gruppenwild umstellen, wobei das beliebteste Wild während des gesamten Mesolithikums von Anfang an das Wildschwein war, gefolgt von Hirsch, Reh, Hase und Vögeln. Als Ergänzung der tierischen Nahrung wurden Fische mit Reusen, Querangeln und der Harpune gefangen... Die pflanzliche Nahrung bestand aus Beeren, Nüssen, Früchten und Samen, die man durch Darren und Trocknen sogar haltbar zu machen wußte..."

"Zogen die einzelnen Jägergruppen früher hinter den großen Tierverbänden her, so verblieb man im Mesolithikum längere Zeit an ein und demselben Ort, um die dort vorkommenden Ressourcen auszunutzen. ... Die Lage der meisten Fundplätze auf trockenen und hochwasserfreien Terrassen, meist an Gewässern gelegen, deutet auch darauf hin, daß wohl nicht nur die Wassernähe wichtig war, sondern vor allem auch der damals allenthalben große Fischreichtum der Gewässer ein gewichtiger Grund bei der Wahl des Siedlungsplatzes war." Der zu bearbeitende Silex wurde erwärmt (Temperung) und "verfärbte sich je nach den in ihm enthaltenen Spurenelementen entweder in Rot- oder in Grautöne, die darüber hinaus einen seidigen Glanz aufweisen." ... "Sind die Dreiecke zu Beginn mehrheitlich von gleichschenklig-stumpfwinkliger Gestalt mit Retuschen an beiden Schenkeln, so verändern sie ihre Form bis zum Ende des frühen Mesolithikums kontinuierlich zunächst über spitzwinklig-gleichschenklige Formen, dann hin zu ungleichschenkligen Formen und schließlich zu extrem ungleichschenkligen Dreiecken, wobei die Ursache für diese Entwicklung sicherlich das Streben nach effizienteren Waffensystemen war. ...

Ein weiterer Trend bei den Geräten ist die stetige Miniaturisierung der mikrolithischen Formen, welcher als Ursache ein ökonomisches Ziel zu Grunde gelegen haben wird: je kleiner die Geräte, desto größer war die Unabhängigkeit vom Rohmaterial und von einer bestimmten Grundform für die Geräteproduktion."

Am Anfang des 7. Jts v.Chr. "änderte sich das Klima erneut, und es begann die Zeit des Atlantikums, in der es beträchtlich wärmer und feuchter war als heute. Bis auf die Flußtäler und Seeuferzonen dürfte das südliche Mitteleuropa flächendeckend von einem nahezu undurchdringlichen Urwald, dem vielzitierten Eichen-Lindenmischwald, überzogen gewesen sein.

Diesen neuen Herausforderungen war der frühmesolithische Mensch mit seinem an andere Umweltbedingungen angepaßten Gerätefundus zunächst nicht gewachsen. Er reagierte darauf mit einer technologischen Umstellung seiner Grundformproduktion, und innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne wechselte schlagartig in ganz Europa die Technik der Artefaktherstellung: es wurden nun lange, meist kantenparallele Klingen gefertigt, aus denen jetzt nur noch ganz selten Dreiecke, keine Mikrospitzen mehr, sondern fast ausschließlich Trapeze hergestellt wurden, die als querschneidige Pfeilspitzen Verwendung fanden. Dieser markante Bruch bei den Grundformen und Geräten markiert die Wende vom Früh- zum Spätmesolithikum und dokumentiert zugleich die hohe Flexibilität der mesolithischen Bevölkerung hinsichtlich ihrer Fähigkeit, sich veränderten Bedingungen anzupassen. Der Anstoß zu diesen technischen Neuerungen resultiert mit ziemlicher Sicherheit aus kulturellen Kontakten mit den frühen neolithischen Bauernkulturen des Balkanraumes (Bandkeramiker), von wo entsprechende Traditionen bekannt geworden sind."

Die Lebensweise des spätmesolithischen Menschen muß aufgrund der veränderten Umweltbedingungen ungleich komplexer gewesen sein als in den vorangegangenen Zeiten. Durch den dichten Wald nahm die verfügbare Biomasse deutlich ab und mußte durch eine Ausweitung der Jagd auch auf kleinere Tiere sowie durch eine intensivere Ausnutzung aquatischer und botanischer Ressourcen kompensiert werden.

Die weiteren historischen Vorgänge im Verlauf des späten Mesolithikums erschließen sich indes erst, wenn man die Randbereiche dieser Kultur miteinbezieht. Wie schon erwähnt, formierten sich zu Beginn dieses Abschnittes die ersten jungsteinzeitlichen Kulturen, und zwar zum einen auf der Balkanhalbinsel und zum anderen im Süden Frankreichs. Über das Rhonetal und natürlich auch über das weite Tal der Donau kamen die spätmesolithischen Menschengruppen mit diesen Kulturen in Kontakt, wie der Nachweis mediterraner und westbalkanischer Schmuckschnecken mehr als deutlich zu zeigen vermag. Eingebettet in dieses Spannungsfeld kamen die spätmesolithischen Menschen immer wieder mit jungsteinzeitlichen Ernährungsstrategien in Kontakt, und diese dürften ihnen aufgrund ihrer eigenen schwierigen Ernährungslage ganz offensichtlich nicht ungelegen gekommen sein. So gab es im Verlauf des etwa 1500 Jahre andauernden Spätmesolithikums immer wieder kulturelle Kontakte zwischen späten Jägern und Sammlern einerseits und den frühen Bauern andererseits, wobei erstere einige »neolithische« Elemente übernahmen , so zunächst das geschliffene Steinbeil sowie Mahl- und Schleifsteine und später dann auch Hausziege und Schaf.

Eine Zusammenschau sämtlicher Funde und Befunde zeigt aber, daß die seit Jahrzehnten propagierte Landnahme Mitteleuropas durch die Einwanderung frühneolithischer Bauern aus Westungarn unter dem Strich keine Erklärungen bietet, die die große und schnelle räumliche Ausbreitung der ältesten neolithischen Kultur Mittleeuropas, der Linienbandkeramischen Kultur, plausibel machen könnte. Nach Wertung zahlreicher Befunde spricht derzeit vielmehr alles dafür, daß die späten Mesolithiker im Verlauf des 6. Jahrtausends einen kulturellen Standard erreicht hatten, der es ihnen ermöglichte, binnen einer ungemein kurzen Zeitspanne und unter Umsetzung neolithischer Elemente aus dem nordöstlichen Balkangebiet eine eigenständige Kultur zu entwickeln.

Dieser eminent bedeutsame Vorgang, der Schritt vom Jagen und Sammeln hin zum Anbau von Getreide und Viehzucht, zählt zu den größten ökonomischen Umwälzungen in der Menschheitsgeschichte überhaupt und stellte für die betroffenen Menschengruppen eine unglaubliche Herausforderung dar. Nahezu sämtliche Lebensbereiche mußten umgestellt werden, was einige Zeit in Anspruch nahm. Es verwundert daher nicht, daß die älteste Phase dieser frühesten Bauernkultur Mitteleuropas nahezu 200 Jahre für ihre ökonomische und soziologische Konsolidierung benötigte, während der sich an Hand der Keramik nur schwer Veränderungen nachweisen lassen."

Dr. Andreas Tillmann in: Archäologie um Ingolstadt. Kipfenberg 1995. S. 35-40.



2. Die Jungsteinzeit (Neolithikum)
5500 - 2000 v. Chr.



In der Mitte des 6. vorchristlichen Jahrtausends boten die fruchtbaren Lößbörden der Niederrheinischen Bucht ein für heutige Rheinländer kaum vorstellbares Bild.

Die weiten Lößhochflächen waren von einem undurchdringlichen, für Menschen und Tiere unwirtlichen Lindenwald bedeckt. Lediglich in den Talauen der Flüsse und Bäche boten sich für die hier lebenden Jäger, Sammler und Fischer günstige Siedlungs- und Existenzbedingungen.

Diese Menschen der sogenannten Mittelsteinzeit betrieben eine aneignende Lebensweise und nutzten das natürlich vorhandene Angebot pflanzlicher und tierischer Nahrungsmittel. Zu dieser Zeit läßt sich jedoch eine für die Kulturgeschichte Mitteleuropas einzigartige Veränderung archäologisch nachweisen, deren Beginn bereits 3000 Jahre zuvor im Vorderen Orient eingesetzt hatte. Dort, im Gebiet des sogenannten Fruchtbaren Halbmondes, hatten die Menschen gelernt, Getreide und Hülsenfrüchte anzubauen und Haustiere zu züchten: Aus schweifenden Jägern und Sammlern entwickelten sich die ersten seßhaften Ackerbauern und Viehzüchter der Jungsteinzeit (Neolithikum). Allem Anschein nach war die neue poduzierende Wirtschaftsweise recht erfolgreich; nur so ist ihre relativ schnelle Ausbreitung auch nach West- und Südosteuropa zu deuten. Nach wie vor ungeklärt ist jedoch die Art und Weise dieser Ausbreitung.

Waren die Nachfolger der frühesten orientalischen Bauern kontinuierlich auf der Suche nach neuem, fruchtbarem Ackerland und erreichten so schließlich auch Europa? Andererseits ist es gut möglich, daß eine Landnahme in dieser Form überhaupt nicht stattgefunden hat. So ist durchaus denkbar, daß sich durch vielfältige soziale Kontakte lediglich die Nachricht und verbunden damit auch die Kenntnis einer neolithischen Lebensweise verbreitete und schließlich überall dort wo Ackerbau betrieben werden konnte durchsetzte.



3. Die Linienbandkeramische Kultur



Das Entstehungsgebiet der ersten zweifelsfreien Bauernkultur der Alten Welt, der sog. Bandkeramischen Kultur oder schlicht Bandkeramik, lag in Mitteleuropa. Der Name läßt sich auf die sehr häufig mit charakteristischen bandartigen Mustern verzierten Tongefäße zurückführen. Auch die Bandkeramik unterlag dem Phänomen einer rasanten Ausbreitung. Zum Ende ihrer Entwicklung gegen ca. 4900 v. Chr. erstreckte sich die bandkeramische Welt von Nordfrankreich bis zum Schwarzen Meer. Es verwundert deshalb nicht, daß auch in den Lößgebieten zwischen Bonn, Aachen, Mönchengladbach und Köln mittlerweile ca. 200 bandkeramische Siedlungsplätze bekannt sind.

Die ältesten rheinischen Siedlungsplätze dieser Zeit wurden in einem relativ späten Abschnitt der brandkeramischen Kulturentwicklung ca. 5300 v. Chr. gegründet. Die Nachfolger dieser ersten Siedler breiteten sich kontinuierlich in den Lößbörden aus, und die jüngsten Siedlungsplätzen werden bereits an den Beginn des 5. Jahrtausends v. Chr., d.h. um ca. 4900 v. Chr., datiert. So ergibt sich eine Gesamtdauer der Rheinischen Bandkeramik von ca. 400 Jahren. Die Bandkeramische Kultur gilt als eine der besterforschten steinzeitlichen Kulturen überhaupt.

Hierzu haben u. a. großflächige Ausgrabungen auf der sogenannten Aldenhovener Platte im Vorfeld der Braunkohlentagebaue zwischen Köln und Aachen in den 70er Jahren beigetragen. Die Auswertung der Ausgrabungen ergab folgendes charakteristische Siedlungsbild: Es ist ein deutlicher Bezug auf das Gewässernetz der jeweiligen Region erkennbar. Die Siedlungen wurden regelhaft am Rande der trockenen Lößhochflächen oberhalb der Bachläufe angelegt. In den hier stockenden Lindenwald wurden inselartige Lichtungen gerodet; anschließend errichtete man die Häuser (zwei bis mehr als 10 Häuser). Die ausgedehnte Waldlandschaft im Hinterland der Hochflächen wurde allem Anschein nach nicht besiedelt.

Das typische bandkeramische Haus war ein vierschiffiges Landhaus. Es bestand aus einem Gerüst in den Löß eingerabener massiver Pfosten, dessen Wandreihen mit Flechtwerk und Lehmputz verschlossen wurden. Das Dach wird als Satteldach rekonstruiert. Die Häuser erreichten eine Länge von bis zu 40m und eine Breite von 6m. So ergibt sich rechnerisch eine Wohn- und Nutzfläche von über 200 qm, ein Wert, der bei weitem die heutige Fläche einer Einfamilienwohnung übertrifft. Mittlerweile nimmt man an, daß jedes Haus von nur einer Familie mit fünf bis sieben Mitgliedern bewohnt worden sind. Zwischen der Siedlung und dem Wald werden die Felder vermutet.

Wegen der seinerzeit sehr günstigen Klimabedingungen scheint die Einstallung der Nutztiere Rind, Schwein, Schaf und Ziege nicht erforderlich gewesen zu sein. Sie konnten ganzjährig auf die Waldweide getrieben werden. Alles ist vergänglich Erstaunlich wenig ist von dieser einst blühenden Bauernkultur erhalten geblieben. Überall auf den Feldern im Lößgebiet liegen die Fragmente der nahezu unvergänglichen Keramik sowie zahlreich Werkzeuge und Waffen aus verwitterungsresistentem hartem Feuerstein und zähem Felsgestein. Sie stellen Reste der Füllung von Gruben dar, die zu bandkeramischer Zeit paralell zu den Häusern angelegt worden waren und zur Lehmentnahme dienten. Im Laufe der Zeit wurden sie mit Siedlungsabfall verfüllt.

Die spätestens seit der Römerzeit verstärkt einsetzende Erosion, die Abtragung der obersten Erdschicht, hat diese Gruben bereits in ihrem oberen Teil geklappt. Seit Jahren werden nun die letzten Reste durch tiefgreifende landwirtschaftliche Maßnahmen (Tiefpflügen) zunehmend zerstört. So werden die Funde aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen und gelangen an die Oberfläche. Daneben haben sich an allen bandkeramischen Siedlungsplätzen mehr oder weniger gut die Hausgrundrisse als Ansammlung dunkler, kreisrunder Verfärbungen im anstehenden ungestörten Löß enthalten.

Alle anderen, sicherlich von den Bandkeramikern hergestellten Gerätschaften bzw. Konstruktionen aus vergänglichen Materialien wie Holz, Knochen, Geweih, Leder, Pflanzenfasern u.ä., sind während eines Zeitraums von ca. 7000 Jahren den natürlichen Verwitterungsprozessen zum Opfer gefallen. In manchen Regionen des bandkeramischen Siedlungsgebietes sind die Böden nicht so tiefgründig entkalkt wie dies leider im Rheinland der Fall ist. Erwartungsgemäß liefern dann auch die dortigen Fundstellen Objekte aus Knochen und Geweih bzw. Skelettreste von Menschen und Tieren. Fundstücke aus Holz sind aus bandkeramischem Zusammanhang so gut wie unbekannt.



Ein Buch so schwer wie die Steinzeit:
Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit,
C. Bertelsmann, München 1991
ISBN 3-570-02669-8
Sehr viel Information, Bilder und Info. Ein Standardwerk.

Deutschland in der Steinzeit


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