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Eine Sammlung aus Papua-Neuguinea Samstag, 04. 02. 2012



Exercise Book 04 "Kordel, Kleidung, Schmuck 02"



Das Kleid der Frau.
Auch die Frau trägt einen Schurz, aus nofu vor sich her, so lang und breit, bzw. schmal wie der Schurz des Mannes, aber doch anders gearbeitet und anders benannt.

Zwei nofu Fäden, gleich welcher Art, werden für gewöhnlich zu einer Kordel links verrollt, ándowa nofu. Denn sie brauchen nicht strapazierbar zu sein, so sagen die Leute, da sie als Schurz für Frauen verarbeitet, nichts auszuhalten haben.
Die Kordeln werden nicht zu einem Lappenschurz nach Art des monambí miteinander verstrickt, sondern werden einfach nur mehr oder weniger dicht nebeneinander mit einem Ende an einen Querstrang, und zwar in der Mitte des Querstranges festgenäht, und hängen im übrigen lose herunter. Der Querstrang, bestehend aus gebündelten nofu nemaiyo Kordeln heißt:
kuruwa yarbwa nofu. Er liegt entweder als einfacher Strang um den Leib, dann hängt in der Bauchgegend eine einfache Reihe Kordeln herunter; oder er verzweigt sich in der Bauchgegend 2 oder 3 oder 4fach.

Es hängen dann entsprechend viele Kordelreihen übereinander gelegt von den Verzweigungen herunter. Ein Strang mit einfacher Kordelreihe ist für kleine Mädchen; mit doppelter Reihe für größere Mädchen. Für die Frau sind 3 oder 4 nofu Kordelreihen an ebensoviele Strangverdopplungen angeknotet. Der Strang wird mit seinen zwei Enden hinten zusammengebunden.

Dieser Schurz wird kurz als kuruwa bezeichnet. Die vollere Bezeichnung lautet:
nofu kuruwa
Auch schon mal die nährere Bezeichnung:
kuruwa ándowa nofu
Schurz links Kordel
Trotzdem, wenn auch seltener, gibt es das
kuruwa óna nofu
Schurz rechts Kordel
Nicht als kime, Gürtel bezeichnet wird der
yárbwa oder kuruwa yávbwa nofu
Querstrang oder Querstrang

nofu kuruwa + kuruwa yavbawa = kúruwa.
Kordelschurz + Schurzstrang = Schurz
Auch ist in nofu kuruwa das yavbwa einbeschlossen.

nofu kuruwa (K)
púlpul oder púrpur (P) l=r)
Frauenkordelschurz

wéna riyé
Frau sagt:
kúruwa nofu miowè
(Um) kúruwa (zu gewinnen) Kordel verfertige ich.
kuruwa nofu fukowè
(Für) kuruwa Kordel schneide ich (in kurze Stücke).

kuruwa nofu mito fukoto
Das nofu kuruwa nach der Herstellung (u.) Verarbeitung (der Kordel).

wirowè
ziehe ich an (mir selbst), oder:

wirindowè
ziehe ich an (z. B. dem Kind).

Das nofu kuruwa als Schurz vorne ist erst das halbe Kleid der Frau. Dazu kommt nun als Hinterbedeckung das:
kómane kuruwa, frühre nur in Komongu und Komengareka getragen.
miso kuruwa, früher nur in Korepa getragen.

Heute werden aber beide kúruwa überall in Siane und darüber hinaus getragen.

Wie man beim Mann von 2 Arten „Anzügen“ sprechen kann, so also bei der Frau von zwei Arten „Kleidern“, aber nur sorfern es die Hinterbedeckung betrifft. Denn bei beiden Arten von Kleidern bleibt das nofu kuruwa vorne unverändert.

Was unter kómane kúruwa oder miso kuruwa zu verstehen ist, müsste nach voraufgegangenen Erklärungen schon erraten werden können. Das nofu kuruwa ist aus Kordel, sozusagen Schürze der Frau. Das kómane kuruwa ist aus gemusterter miso Rinde; das miso kuruwa aus ungemusterter miso Rinde.

I. Das kómane kuruwa:
Die Frauen tragen beim kómane kuruwa nicht wie die Männer kimi oder yoku Blätter auf dem Hinteren, sondern 1 - 3 lange kómane. Die hängen lose hinten im Gürtel, gewöhnlich kefa runa kime. Dabei sind sie je nach Länge in der Hälfte gefalten, hängen also doppelt im Gürtel herunter; oder es ist nur der obere Rand handspannweit umgeschlagen, sodaß die Streifen nur einfach im kefa runa kime herunterhängen. Die Streifen können fast bis zum Boden reichen. Es ist von der Breite dieser komane kuruwa abhängig, ob nur 1 breiter, oder 2 oder 3 weniger breite Streifen „angezogen“ werden. Nur einen einzigen, wenn auch breiten Streifen zu tragen, ist aber riskant, da ein Windstoß um so leichter Entdeckungen machen könnte. Außer diesen langen Streifen werden rundum am Gürtel noch kleinere Zierstreifen mit nofu nemaiyo angenäht.

II. Das miso kúruwa
auch keme kana kuruwa
Es besteht nur aus sehr kurzen sehr schmalen miso Streifen, die hinten am kuruwa yavbwa festgenäht sind; bis zu 4fach übereinander. Bei Festen, SingSing wird die dürftige Angelegenheit noch mit kini oder yoku Blättern verdichtet, aber nicht der Verdichtung, sondern der Zier wegen.

Statt dieser Kleidungsmöglichkeiten nach alter Sitte mit Rinde tragen die Frauen heute oft ein langes schmales dunkles Tuch doppelt geschlagen hinten im nofu kuruwa Strang.
Modern also: als III. Möglichkeit:
láfo láfo (K) = Fremdwort!
láp lap (P)

Lappen oder Tuch als Hinterbedeckung.
Dies kann in Geschäften gekauft werden.

Ob nun nofu kuruwa, Vorderkleid, oder komane kuruwa und keme kana und lafo lafo als Hinterbedeckung, so ist in allen Fällen die kürzeste Bezeichnung:
kúruwa: das Frauenkleid.
Es kann nie mit der Kleidung des Mannes zu tun haben. Diese ist ja
monambí + kini oder yaku, und das fómina.

Vergleiche:
Dem monambi des Mannes gleicht das nofu kuruwa der Frau; beide aus Kordel vorne getragen.

Statt kini als Hinterbedeckung des Mannes ist kómane kuruwa und miso kuruwa die Hinterbedeckung der Frau.
Anderseits gleicht das rundum fomina des Mannes mehr dem Gürtel + kuruwa kómane, Hinterbedeckung der Frau.
Ein Gürtel trägt das monambi + kini des Mannes. Bei mamboro fomina des Mannes ist aber der Gürtel nur zusätzlicher Schmuck. Ein Gürtel trägt nicht das nofu kuruwa der Frau, wohl das komanu kuruwa hinten. So liegt sowohl beim Mann wie bei der Frau der Gürtel sozusagen über dem Nabel, während unter dem Nabel beim Mann das mamboro fomina, bei der Frau der Strang des nofu kuruwa liegt. Dafür ist die sonnenbestrahlte Gegend um den Nabel oft tätowiert.

Jegliche Kleidung dient sowohl für Arbeits- wie Festtag und SingSing.
Jegliche Kleidung aus Rinde wird für gewöhnlich mit Schweinfett eingerieben, um beim Tragen Wunden zu vermeiden.

Die beiden Arten der miso Rinde:
miso =
engenámo
rumbipaina

und der mamboro Rinde:
mamboro =
uwánu
rumbipaina

werden entsprechend ihren Eigenschaften verschieden getragen:
Aus miso engenamo mit geschmeidiger welcher Rinde werden Kleidung, Gürtel, Schmuck für Kinder und jüngere Frauen hergestellt. So auch von mamboro uwanu.
Aus miso rumbipaina und mamboro rumbipaina werden Kleidung, Gürtel, Schmuck für Männer, auch für Frauen hergestellt.
Engenámo ist Name für Frauen.

Welche Gürtel für welche Kleidung von Mann und Frau angelegt werden, zeigt folgende Übersicht.
Beginnend mit einer Besonderheit:
miso kime kéfora = kombruda kime
miso Gürtel klein (gemeint ist: schmal)
Dieser Gürtel nimmt eine geheimnisvolle Sonderstellung ein. Er ist sehr schmal. Die Frau trägt diesen Gürtel nie sichtbar nach außen, sondern unter einem breiten kefa runa kime verborgen.
Die Männer wissen überhaupt nicht um den miso kime kefora. - Deshalb habe ich es auch nicht von Männern erfahren ... !

rombuna kime: oberhalb des fómina.
rombuna kime: mit miso kuruwa.

yakófara kime
kawe kime
kirari kime
kefa runa
(+ miso kime kefora)
=
oberhalb des komane kuruwa (der Frau)

rumbi nera kime oder: yafo nerawa kime
youwa kime
yakofara kime
kawe kime
kirari kime
kefa kime
=
oberhalb der monambi (des Mannes)

kefa runa kime: oberhalb des fomina (des Mannes).

Im Sprachgebrauch spricht man kurz von:
kime monambi = ein Gürtel des Mannes.
kime kuruwa = ein Gürtel der Frau.

Nach Stämmen verschieden getragen:
rombuna kime oberhalb des kuruwa
scheint in Korepa und Komongu, aber weniger in Komengareka bekannt zu sein.

yakofara kime oberhalb des kuruwa war früher in Komengareka und Korepa unbekannt und wurde später gekauft von den Komongu.

kawe kime ist noch heute in Komengareka und Korepa ungekannt, nur in Komongu bekannt und getragen.

youwa kime war ursprünglich in Mt. Hagen Gebiet, also im Westlichen Hochland, und in Chimbu bekannt, kam von da nach Komongu, erst in neuester Zeit nach Komengareka und Korepa.

fékowo.

Die beiden Bezeichnungen kime monambi und kime kuruwa deuten schon darauf hin, daß Gürtel und Kleidung mehr oder weniger als ein ganzes empfunden werden. Es gibt aber noch ein besonderes Kleidungsstück ohne Gürtel. Man könnte es mit einem Mantel oder Überwurf oder auch einer Kasel vergleichen. Es wird getragen nur von Männern und Jungen und noch nicht verheirateten erstgeborenen Mädchen; aber nicht von anderen Mädchen und nicht von verheirateten Frauen.
Dies Kleidungsstück heißt:
fékowo.
Es ist ein kómane, also gemustert, und zwar von miso oder nini oder rango. fékowo wird auf dem Rücken getragen, es reicht vom Nacken bis fast zum Boden herunter. Vom fékowa im Nacken führt über beide Schultern je eine Kordel nach vorne, wo beide Kordelenden verbunden werden und so das fékowo halten und tragen. - Unter dem fékowo wird das fómina getragen.

owó, das Netz,
gehört so sehr zur Frau, daß man es als Teil ihrer Kleidung bezeichnen könnte. Den Mann sieht man mit einem Netz ebensowenig wie mit einem kúruwa umhergehen. Und das Netz ist auch ein kuruwa. Während aber das Kordelkleid meist ein kuruwa ándowa nofu, links verrollt, ist, ist das owó immer ein ona nofu, rechts verrolltes kuruwa. Denn es muß stark genug sien „Kind und Kegel“ zu tragen. Als Kordeln des Netzes werden nur nofu verwendet. So werden vom groben miso nofu weitmaschige Nezte hergestellt. Diese halten, da miso nofu an sich nicht stark ist, nur 2 Jahre. Im übrigen werden alle nofu Arten, besonders das starke nofu nemaiyo für Netze verwendet. Beim Stricken des owó, des Netzes, werden ana aira, Pándanusblätter, als Stütze gesetzt. Die ana aira erhalten aber als Stütze zum Netze stricken den besonderen Namen: kúnunúnga.
- Über ana aira und kunu siehe mehr bei Mutter und Kind.

Die nofu Kordeln des owó sind oft mit kefa runa, Haaren des yakefa, verrollt. Dadurch wird das owó also ein:
kefa runa owó Wild Haar Netz
so wie es z. B.
kefa runa kime
Wild Haar Gürtel
gibt; oder:
kefa runa monambi
kefa runa kuruwa.

- Siehe kefa runa owókuwi, Müzte. -
Das Netz ist Kordelwerk. Die auslaufenden zwei Enden sind aber oft verstärkt und verlängert durch handgroße Handgriffe. Diese bestehen aus kómane miso, also einem Stück gemusterter miso Rinde, oder aus mámboro.

owó (K)
bilum (P)
Netz (D)
=
owó kara
Netz Ohr sein = des Netzes Ohren, Handgriffe.

kunu
Bett, Bahre
=
minga
Stricken zum
kunu minga
Stütze zum Stricken

Arm- und Beinbänder.
Nach der ausgiebigen Besichtigung der Gürtelarten erübrigt sich fast eine Beschreibung von Arm- und Beinbändern. Diese sind aus demselben Material wie die Gürtel hergestellt. Anderseits gibt es doch wieder erstaunlich exakte Einteilungen und Bezeichnungen.
Zunächst einige Ausdrucksweisen:

ana (K)
okan (Ch)
han (P)
Hand (D)
=
ana (Kgu)
anangiri (Kga, Ona, Keto, Korepa)
Oberarmband (D)

ana (K)
Unterarmband

angiya (K)
Beinband

In Chimbu wird unterschieden.
wángiya (Ch)
breites Band
=
muna (Ch)
schmales Band

Vollere Bezeichnungen:

andero ana
a nde ro ana
Hand unsere um Band
=
kiyandero angiya
kiya nde ro angiya
Bein unser um Band

anindo ana
a ni ndo ana
Hand ihre um Band
=
kiyanindo angiya
kiya ni ndo angiya
Bein ihr um Band

Es scheint, daß mit anangiri keine näheren Bezeichnungen verbunden sind.

Je nachdem es sich um Arm- oder Beinbänder handelt, und ob diese hoch oder tief getragen werden, sind sie aus verschiedenen Material und in verschiedener Breite hergestellt, wie folgt:

3 Armbänder:
ana oder anangiri ein Schmalband am Oberarm, bestehend aus:

kawe + kofo oder
kirari oder
minana + ofo

ana oder anangirí
ein Breitband am Oberarm, bestehend aus:

rombuna oder
kirari oder
mianan + ofo

ana ein Breitband am Handgelenk,
bestehend aus:
misonofu + nofunemaiyo

2 Beinbänder:
angiy in Komongu, Komengareka ein Schmalband unterhalb der Knie,
bestehend aus:
misonofu + nofunemaiyo + ofo
Das gelbe ofo ist oberhalb des nofu angeflochten.
angiya in Korepa ist ein Breitband unterhalb der Knie, bestehend aus:
misonouf + nofunemaiyo, aber ohne ofo.

kiynadero rombuna
Bein unser um rombuna, das „Beinrombuna“
ist ein Breitband aus rombuna oberhalb des Knöchels.

kiyandero kirari ist ebenfalls ein Breitband, oberhalb des Knöchels.
Dies kiyandero kirari ist aber in Korepa unbekannt.

Nicht zum Thema Kordel + Rinde,
aber doch zum Thema Kleidung + Schmuck
gehören die Holzarmbänder:
yákofara = ya kofa ra
Baumringe = Baum Hüfte seine

Es sind flache leichte Armbänder, die von 3 Arten Bäumen hergestellt werden können:
ya kome, onguno, rongefa.
- Siehe rongefa bei den Gewächsen.-
- Siehe Gerbrauch der 3 Ringarten beim Thema Heirat, bzw. Zeit vor der Heirat.
- Vergleiche yakofera kime, Gürtel.

Nun noch pikante Armbandspezies:
kefa ónowa anindo wiyae (K)
Schwein Fell am Arm sie tragen (D)

Eigentlich ist yafo = Schwein, während kefa = Schweinefleisch (pork (E)) des geschlachteten Schweines ist. Das Fell, oder die Haut des Schweines also wird zu Armbändern verarbeitet und getragen.
Früher allgemein, heute noch im Gorokagebiet.
So auch für folgendes:
yafo mo ra (K)
the pig’s penis (E)
kok bilong pig (P)
wird als Armband, Armbandschmuck getragen.


Nun bleibt noch übrig, Schlingen um den Hals zu legen, und den Kopf mit Rinde zu verbinden. Zugleich aber geht das lange Thema von Kordel und Rinde und von der Bekleidung des Menschen mit Kordel und Rinde über zu anderen Arten der Bekleidung und Schmuck.

Zunächst noch mal Rinde:
Das krollige Haar der Kanaken liegt wie ein fester Pelz auf dem Kopf. Es fällt auch nach langer Zeit des Wachsens nicht in Strähnen herunter. Da muß nachgeholfen werden. Viele lange schmale miso Streifen, miso Strähnen, werden mit ihren Enden einzeln je mit einem Haarbüschel im Nacken verknotet. So fallen die miso Strähnen dann wie langes Haar über den Rücken herunter. - Anders auch werden die miso Strähnen nicht am Hinterkopf, sondern vorne bei der Stirn (und auch bei den Schläfen) mit den Haarbüscheln verknotet, dann ebenfalls wie ein dicker Schopf langen Haares über den Kopf hinweg nach hinten geworfen, daß sie über dem Rücken herunterhängen. Die miso Strähnen sollen aber nicht unkultiviert lose und wirr herumflattern. Darum werden nofu Kordeln im Haar an den Schläfen verknotet. Von den Schläfen her werden die Kordeln nach hinten geholt und über den miso Strähnen im Nacken zusammengebunden. Die zusammengebundene Kordel faßt also die künstlichen Haarsträhnen locker zusammen.
Zur weiteren Verschönerung werden der gesamte Krauskopf und die verlängerten künstlichen Haare mit warmen flüssigem Schweinefett übergosssen und eingerieben. Das Fett fließt im übrigen auch über Gesicht und Körper; es verkohlt, pardon, natürlich verziert die Augen.
Beim Schlafen wird der gesamte künstliche fettige Haarschopft je auf die obere Seite, auf die man gerade nicht liegt, hervorgeholt, das mit die Frisur nicht außer Fassung gedrückt und geschlafen wird.
Der fettige Kunsthaarschmuck war früher allgemein Sitte, besonders bei Schweineschlachten und Sing Sing, ist heute noch im Gorokagebiet, weniger in Siane in Brauch.
márufi heißt die „Perücke“.

Ein anderer Kopfschmuck besteht aus:
keyu + minana.
keyu, genauer gesagt die dritte siya Schicht, wird in kordeldünne Leisten zerspalten. Mehrere Leisten werden, mit kurzen Zwischenräumen, zusammen im Kreis- oder Hufeisenform gebogen und so mit minana Kordel verflochten. Die fertige Kreis = oder Hufeisenform aus keyu + minana erhält den Namen éngembi.

éngembi wird auf den Kopf gelegt als Schmuck, oder auch als Halt und Stütze für anderen Kopfschmuck.
Das éngembi selbst ist an Vorder- und Hinterkopf durch 2 naka aus fando gehalten.

éngembi
Kopfschmuck oder
Stütze für Kopfschmuck
=
fando (Kgu)
wando (Kga)
eine Bambusart


Die Mütze

Eine Mütze auf dem Kopf dient mehr für Zier als gegen Kälte. Öfter als Erwachsene tragen Kinder eine Mütze; aber auch diese nur selten. Die Mütze ist aus nofu gestrickt. Alle Arten nofu können verwendet und mit kefa runa verrollt werden.
rumbi nera oder rombina Kordel bilden schon mal als Zier und Verstärkung den Saum der Mütze.

owókuwi (Kgu)
angiri (Kga)
Mütze (D)
=
kefa runa owókuwi
kefa runa angiri
Wild Haar Mütze.

In owókuwi, Mütze steckt offenbar das Wort owó, Netz.
Die Bezeichnung kefa runa owókuwe ist an sich nicht gebräuchlich; sie wäre nur eine besonders starke Hervorhebung. Denn es ist fast selbstverständlich, daß die Mütze mit kefa runa verrollt ist.
Dagegen ist kefa runa kime allgemein im Sprachgebrauch, um von anderen Gürtelarten zu unterscheiden.

Abschied von Kordel und Rinde, aber immer noch Schmuck, wobei Kordel und Rinde nebenbei noch Dienste leisten:

ruru (K)
kina (P)
Muschel (D)

Muscheln am Kopf:
Viel öfter als Mützen werden Stirnbänder getragen. Und da gibt es eine bunte Vielfalt der Arten und Farben. miso, das Pflaster für alles, muß mal wieder herhalten. Es verdeckt die Stirn, wie es auch den Hinteren verziert.

miso Stirnbänder waren ursprünglich nur in Korepa und Komengareka, später auch in Komongu, und schließlich in Chimbu bekannt.

In Korido, einem Ort mit Chimbuleuten am Rand des Siane Gebietes, trägt man Stirnbänder nicht aus miso, sondern aus ana Blatt.

ána (K)
karúga (P)
Pandanus Baum (Baum)

Das schmale oder lange ana Blatt liegt über Stirn und Backen bis zu den Seiten des Halses hin, wird das durch Verknoten mit Kordel verlängert, und die Kordel wird hinten im Nacken zusammengebunden.
Das ana Blatt über Stirn und Backen überschattet und sogar verdeckt fast die Augen. miso Stirnbänder verdecken nur die Stirn.
Aber diesmal sind Rinde und Blatt nicht Selbstzweck. Es werden schmucke Sachen durch nofu angenäht. So befestigt man ruru forou, kleine zierliche Muscheln auf dem Stirnband, sei es aus miso oder ana. Und statt dessen nehmen die Leute auch heute in fortschrittlichen Zeiten oft zivilisierte europäische Lumpen, auf die sie die Muscheln aufnähen und sich vor die Stirn binden.

ruru fórou (K)
gúgenbo (Ch)
támbu (P)
=
eine kleine Muschelart
„probably a species of Columbella“

tambu im Pidgin English hat mehrere Bedeutungen, so:
tambu = Schwager
tambu = nicht verlaubt, verboten.

Das Stirnband aus miso + ruru forou wird noch verschöndert durch eine aufgenähte Umrandung mit Fellstreifen des tene, einer yakefa Art. Als verzierende Umrahmung des ruru fórou erhält der tene Streifen den Namen mámu.

So besteht nun das Stirnband aus:
miso + ruru fórou + mámu.
Und es wird genannt:
forou mamu.

Außer ruru forou gibt es noch ruru keira; ebenfalls kleine zierliche Muscheln, aber doch größer als ruru forou.
miso + ruru keira + mamu bilden das Stirnband:
keira mamu.

ruru kátana (K)
ruru kátena (Keto)
ist eine handspanngroße hornförmige Muschel. Diese wurde früher, heute nicht mehr, wie folgt angelegt:
Auf dem Kopf, oberhalb der Stirn, ein =
forou mamu

Darunter, die Stirn quer bedeckend, das:
kátana.
Es war, wie folgt, befestigt:
Mitten auf dem Kopf wurde ein Stäbchen quer durch das Haar gesteckt. Das krollige Haar der Kanaken ist äußerst kompakt und stark. Schwere Eisennägel ins Haar gesteckt, fallen auch bei starken Bewegungen nicht heraus. Von der Mitte des Stäbchens hing ein Faden zur Mitte der Stirn hin, ging da mitten durch das durchbohrte kátana, welches also am Faden auf der Stirn baumelte; unterhalb des kátana, unmittelbar über den Augen, verlief noch ein drittes Schmuckstück:
ein miso Stirnband, besetzt mit grünen Käfern, und nach diesen benannt:
kánu aina.
Dies ist zusätzlich noch mit gelbem ofo umrandet und verschönert.

Heute werden forou mamu und kanu aina gesondert als Stirnbänder getragen, kátana aber nicht mehr.
Stirnbänder nicht aus Muscheln bestehend sind:
das schon genannte kanu aina, und
Stirnbänder aus kawe + ofo.
- Außerdem siehe bei Vögeln: Kopfschmuck aus Vogelfedern.

mandembu (K)
ruru ningifu (Korepa)
mandumu (Ch)
eine große Muschel, die als Tuthorn dient, und zu dem Zweck an geeigneter Stelle durchbohrt wird.
mandembu wird aber auch zerschlagen,
die Scherben zu großen gewölbten Stirn - und Vorderkopfplatten verarbeitet.

ruru wifa
eine Muschel, die mit einem kumu, - siehe bei den Steinen, - zu einer Markstück großen Plakette rund geschliffen wird. Der Rand der Plakette wird an 2 gegenüberliegenden Stellen durchbohrt, daß man eine Kordel durchziehen kann. Die Kordel wird aber um den Kopf gebunden, sodaß die Plakette auf der Stirn sitzt. Die Muschel behält als Stirnplatte den Namen:
ruru wifa.

Muscheln als Nasenschmuck:
ruru wifa, - siehe bei Stirnplakette, ä wird auch als Nasenschmuck verwendet. Der runde Plakettenrand wird an zwei eng nebeneinanderliegenden Stellen eingeschnitten, sodaß zwei Zacken entstehen. Die beiden Zacken werden je eine von rechts und links in die Durchbohrung der unteren inneren Nasenwand eingehängt, sodaß die Plakette auf der Oberlippe sitzt. Statt von Nasenring spricht man also besser von Nasenplakette.
- Betreffs Nasendurchbohrung siehe bei den zweifelhaften Freuden der Jugend. -
ruru wifa erhält als Nasenplatte den Namen:
mére mére.

rúru bómu (Kgu)
nómbea (Kga)

eine faustgroße weiße Muschel. Diese wird zerschlagen, die Stücke werden geschliffen, gerundet, daß sie Größe und Form der stumpfen Spitze der Schale eine Hühnereies erhalten. So eine kleine Schale wird in der Mitte durchbohrt, dann auf die - gar nicht so europäisch Spitze - Nasenspitze gesetzt. Die Nasenspitze wurde dazu schon früher präpariert.
- Siehe Freuden der Jugend. -
Es wird dann ein streichholzähnliches Stöckchen durch die Muschelschale und zugleich durch die Nasenspitze gestochen, und so das Muschelschälchen auf der Nase festgehalten.
Das Muschelschälchen erhält den idyllischen Namen:
fótike.

Über Muscheln als Nasenschmuck siehe mehr bei ruru okani, - ruru ko wera.

Muscheln als Hals- und Brustschmuck:
Die weißen Muscheln ruru bmu oder nombea, wie auch gleichgroße Muscheln jeglicher Farbe und Musterung, werden - leider - durchbohrt und durchschlagen, mit einer Kordel durchzogen um den Hals gehängt.
ruru forou als Halskette erhält den Namen:
fórou ri kúsuna (K)
fórou ru sikuno (Korepa)

fórou míra míri
sind kleine Muscheln ähnlich den ruru fórou und dienen ebenfalls als Halskette.

forou miri miri als Halskette heißen:
ángiya (- Siehe angiya Beinbänder).
forou núra miri kenémba ni ngu merae
forou miri miri Hals ihren um legen sie.
ein forou miri miri Halsband, oder: ángiya

ruru okani (Kgu)
ruru furengi (Kga)
ongan (Ch)

Diese Muschel gedarf und ist wert besonderer Beschreibung. Sie besteht aus mehr als handgroßen leicht gewölbten Schalen. Zwei solcher Schalen zusammengeklappt bilden das Gehäuse des Muscheltieres. An der Innenseite der Schale fällt ein silberglänzendes unregelmäßi rundes Stück auf. Dies wird ausgeschnitten. Es ist wertlos. Übrig bleibt eine breite Mondsichel. Diese ist innen hell, weiß bis gelblich; außen braun bis schwarz. Die braunschwarze Schicht wird mit kumu, Steinfeile, abgeschabt. Die fertige breite Sichel behält den Namen der Muschel: (ruru) okani, oder (ruru) funengi.

Die beiden spitz zulaufenden Enden der Sichel werden durchbohrt, um miso nofu, Kordel, durchziehen zu können.
Außerdem kann die Sichel noch knapp entlang des Außen- und Innenrandes mit feinen Durchbohrungen verziert werden. Wie geschieht das bei dem harten Material der Sichel?
Ein streichholzdünner Steinsplitter: fítowa - siehe bei Steinen - wird zusammen mit einem 10 cm langen holzigen kónofa, pitpit Grashalm, mit Kordel zu einer Einheit fest umwunden, sodaß aber die Spitze des Steinsplitters über den kónofa Halm hinaussteht, seine Verlängerung bildet. Dieser „Bohrer“ wird mit der Steinspitze auf das ruru, Sichel, aufgesetzt und mit beiden Handflächen schnell hin und her gedreht. Dadurch bohrt sich die Steinspitze in die Sichel.
Eine oder bis zu einem Dutzend oder noch mehr ruru okani werden an der Kordel um den Hals gehängt, bedecken dann Hals, Brust und Bauch.
ruru okani
ruru furengi
oder kurz
okani (Kgu)
furengi (Kgu)
In Menge zu eigen zu haben, bedeutet einen Reichtum. - Siehe bei Brautpreis und Heirat. - Aus dem ruru okani werden zum Teil sehr schmale Sicheln ausgeschnitten, die dann entsprechend ihrem Gebrauch genannt werden:
ruru ko we ra
ruru Nase Mund sein
=
ruru ko wera
ruru fürs Gesicht
genauer gesagt ist es Schmuck für Nase. Eine solche Sichel wird bis zur breiten Mitte, die oft keineswegs schmal, sondern fingerbreit sein kann, durch die Durchbohrung der inneren Nasenwand gezogen.

okani, breite Sicheln, für Hals, Brust, Bauch.
ko wera, schmale Sicheln, für die Nase werden nicht nur bei festlichen Gelegenheiten, sondern auch im Alltag sehr oft getragen.

funéngi ist auch Name für Jungen und Männer.
Und wie schon
monambí - als Schurz des Mannes angelegt,
so ist auch
ókani - an die Männerbrust gelegt,
beliebter Mädchenname
im ganzen Siane Gebiet.

Wenn man sich nun nicht scheut, den Blick von Stirn, Nase, Brust und Bauch im prangenden Muschelschmuck noch tiefer wandern zu lassen, so entdeckt man vor dem monambi, Mannschurz, hornförmig gebogenen baumelnden Schmuck, von ähnlichem Glanz wie das aus ruru okani ausgeschnittene wertlose Stück. Derartige Schmuckstücke aus der Tiefe des Meeres heißen:
ruru kátana (K)
ruru kátena (Keto) - Siehe Stirnschmuck. -
Aber auch Frauen und Mädchen tragen die ruru katana, an Busen und Leib.

Ebenso wie ruru kátana werden an nofunemaiyo Kordel getragen die flachschaligen Muscheln mit Name
rumbi ruru (K)
kókomembire (Ch)

Natürlich sind alle ruru Arten und Muscheln nicht heimisch im Hochland, sondern werden aus dem Meer von der Küste her ins übrige Land hineingehandelt.



Weiterführende Literatur (als Einstieg):

Nikolai Mikloucho-Maclay
Bei den Papuas
Verlag Neues Leben Berlin 1986
Die Reisetagebücher des Nikolai Mikloucho-Maclay. Um 1880.

Bei den Papuas


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