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| Eine Sammlung aus Papua-Neuguinea |
Samstag, 04. 02. 2012 |

5. AGFA Bandseite

AGFA 2. Bandseite
Juli 1972 Papua Neuguinea/Pater Egidius Böven
Die folgenden 9 Sing Sing hat Rumba Rumba von Kimoiya gesungen; d. h. 9 Sing Sing sind gesungen, das 2. und 4., also 2 Sing Sing sind gesprochene Reime.
1. Sing Sing
1.
gusiyé gusiyé iya seyu gusiyé gusiyé gusiyé gusiyé
3x
2.
rimoro_ami rimoro_mai fori_ro fori_ro
rimoro_mai rimoro_mai rimoro_mai rimoro_mai
3x
Dies Sing Sing wird abwechselnd gesungen, die 1. Strophe von Jungen, die zweite Strophe von Mädchen. Es ist in Manto Sprache verfaßt. Manto liegt bei Asaro.
Zum Verständnis des Sing Sing muß man um folgende Sitte und Geschichte wissen:
Ein Junge kommt wie alle anderen zum allabendlichen Sing Sing ins sogenannte Mädchenhaus. Er hat es natürlich auf eine Schönheit besonders abgesehen. Nach dem Sing Sing schläft er mit ihr. So ist es Sitte nach jedem abendlichen Sing Sing. Die Paare schlafen in langer Reihe nebeneinander im Mädchenhaus.
Die eine Mädchen hat aber kein Interesse mehr, oder vielleicht überhaupt nie Interesse gehabt an dem Jungen. Es will ihn abso abschütteln. Was tut es also? Es sammelt über Tag heimlich Schweinedreck, (in Pidgin Englisch pèkpèk genannt), und belegt mit diesem pekpek den Schlafplatz des Jungen. Dann überdeckt es die weiche Unterlage mit ma_yuwa = Ma_Gras und mit kiye_aira = Bananenblättern. (Siane Sprache). Niemand weiß etwas. Gegen Abend kommen die Jungen zu den versammelten, wartenden Mädchen. Sing Sing ist wie gewöhnlich. Und auch wie gewöhnlich legen sich nach dem Sing Sing die Paare in langer Reihe auf ihre Plätze zum Schlaf hin.
Aber kaum liegt der unerwünschte Junge neben seinem sammelfleißigen Mädchen, da quetscht sich die weiche Unterlage durch die obere Blätterlage und schmiert ihn ein. Er fährt hoch und sagt, wie es im Sing Sing besungen ist:
1.
gusiyé gusiyé iya_sey u (Manto)
onoiyé onoiyé yafa_sefe u (Siane)
wir schlafen, wir schlafen ja im Schweine_pèkpèk
Das Mädchen antwortet gerührt oder auch ungerührt:
2.
rimoromai rimoromai fori_ro (Manto)
oru merowè oru merowè fori_ro (Siane)
das lagerte ich, das lagerte ich bei Tageslicht.
Diese Sitte wird auch heute noch praktiziert!!
2. Sing Sing: (gesprochen)
1. kuri you you 2x
2 dayu you you 2x
2x
Zum Verständnis sind Sitte und Geschichte zu wissen:
Als Rumba Rumba noch ein kleiner Junge war, kaufte sein Vater diesen Weisheitsspruch durch ein Schwein und Schmuck von Vogelfedern von einem alten Mann. Der treue Vater lehrte später dann auch den Rumba Rumba diesen Spruch.
Die wörtliche Übersetzung besagt nicht viel. Man muß um den übergeordneten Sinn wissen. Zunächst aber die einfache Übersetzung:
1.
kuri you
kuri_Gemüse wächst gut auf, gedeiht gut.
2.
dayu you
dayu_Gras (wächst gut auf, gedeiht gut); oder:
legt sich leicht.
you ist eine Abkürzung. Das vollständige Wort ist: you_riye. Es ist schwierig zu übersezten. Bei der 2. Zeile übersetzte man mir auch (in Pidgin Englisch) wie folgt:
Das dayu Gras legt sich leicht, - nämlich weil es schmiegsam und biegsam ist.
Gut wachsen, hochkommen in der 1. Zeile und sich legen in der 2. Zeile erscheinen als ein Gegensatz. Aber das sich legen des Grases ist schließlich auch ein Zeichen seines Gedeihens und Wachsens. Beide Zeilen, sowohl das kuri Gemüte wie auch das dayu Gras entsprechen somit auf ihre Weise der Erwartung des Menschen. Und gerade darauf kommt es an. Da liegt der verborgene tiefe Sinn des Doppelspruches. Der Mensch, der diesen Doppelspruch verrichtet, erwartet, erhofft etwas. Und was er erwartet und erhofft ist nicht schwer zu erraten:
Geht ein Junge erstmalig zum Sing Sing ins Mädchenhaus und schläft nach dem Sing Sing ein Mädchen mit ihm, so biegt er den Arm auf der Liegeseite so zurecht, daß das Mädchen seinen Kopf darauf legen kann. Das tun zwar alle so, aber nicht alle sind glückliche Kenner eines so glückbringenden Spruches. Der glückliche Kenner aber führt schließlich den Arm, auf dem der Kopf des Mädchens liegt, so zum Mund hin, daß er heimlich und ungehört in seine Hand den glücksbringenden Spruch sprechen kann. Mit derselben Hand schlägt er dann dem ahnungslosen Mädchen leicht aufs Ohr. Der Spruch, aus dem Herzen des Jungen in die Hand gesprochen, geht nun von der Hand des Jungen in das Ohr des Mädchens, und von da in das Herz des Mädchens. - Und somit ist das Mädchen verloren, - nämlich in den Jungen:
Wie gedeihendes kuri Gemüse und leicht sich legendes dayu Gras den Hoffnungen und Erwartungen des Menschen entsprechen, so wird das Mädchen den Hoffnungen und Erwartungen des Jungen entsprechen.
Rumba Rumba hat aber auch erprobt, daß der Spruch beim Umhergehen über Tag seine Wirkung tut. Dabei braucht man nicht unbedingt die Lippen zu bewegen und zu sprechen. Es genügt, den Spruch herzlich zu bedenken und zu meditieren. Rumba Rumba hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, auf all seinen Wegen, die ihn sogar bis nach Rampau hin (50 km) führten, in seinem Herzen ständig die sicher wirkenden Stoßgebete zu verrichten:
kuri you you, dayu you you, kuri you you, dayu you you ...!
Rumba Rumba erwarb sich dadurch viele Freundinnen; die Macht der zuversichtlich gesprochenen Stoßgebete ließ alle Mädchen und Frauen hinter ihm herlaufen.
Als ich mit ihm vor einigen Jahren im fernen Rampau war, lief eine Frau ihm bis hier nach Watabung nach. Nicht, weil er jetzt noch mit den you you Meditationen im Herzen herumläuft, sondern weil die Frau vor vielen Jahren durch die you you Seufzer verzaubert worden war. Diese Verzauberung steckt noch in ihr. So lief sie, als Rumba Rumba auftauchte, sogleich mit ihm davon nach Watabung-Komoiya. Rumba Rumba sagte ihr aber, sie solle wieder nach Haus gehen, denn er sei jetzt ein Christ ..., (aber vielleicht hatte er auch etwas Angst vor seiner Frau, die wenig erbaut war von der Konkurrenz).
Auf jeden Fall aber vermag die Kraft der Stoßgebete den Himmel schon auf Erden zu erobern.
3. Sing Sing
1.
ereno waino Rorofu ma nusa óko_ri
ne_ro_ka_ti wewè me_ro_ka_ti wewè, ma ririmoriko,
erono waino Rorofu ma ririmoriko.
2x
2.
waino waino kipa_te ma nusa ókori
iya naronè kuwo naronè, ma ririmriko
waino waino kipa_te ma nusa ókori
Dies Sing Sing wird bei Hochzeit und auch bei der ersten Periode eine Mädchens gesungen. Die Alten erklären bei solchen Gelegenheiten auch den Sinn des Sing Sing für die Jugend:
Alte Eltern haben für ihren Sohn eine Frau gekauft. Diese Frau erweist sich aber als sehr undankbar und geizig. Sooft sie das Haus der Schwiegereltern aufsucht, bringt sie ihnen nichts zu essen mit. Sie entschuldigt sich mit leeren Wörtern, sie sei da und dort umher gewesen.
Die beiden Alten beklagen sich darüber: Wir gaben eine große Zahlung um sie zu erwerben. Aber sie hat nichts für uns übrig.
Der Sohn aber bringt seinen Eltern zu essen. Das loben die Eltern.
Zwar heißt es im hier vorgetragenen Sing Sing zu Beginn der 2. Strophe: waino waino. Man kann aber vermuten, daß, wie zu Beginn der 1. Strophe, ereno waino das richtigere ist.
Das Sing Sing ist in der Manto Sprache verfaßt. Im folgenden auch die Übersetzungen in Siane, und zwar Komongu, und Deutsch.
1.
ereno waino
wena_kirofo wè_kirofo.
Frau alte, Mann alter,
Rorofu ma nusa ókori
Rorofu ma amo_wa óto_riyé
Rorofu die die_jene kommend sagt,
ne_ro_ka_ti wewè mero ka ti wewè!
ya_re_ka_ti owè, ama ne ka ti owè!
da_drüben_hin_von komme ich, hier in hin von komme ich!
ma ririmo_ri_ko
ma renami_ri(to)_ko
sie sagen wird sagend nur,
ereno waino! Rorofu ma ririmo_ri_ko.
wena kirofo, we kirofo! Rorufu ma renami_rito_ko.
Oma und Opa! so wird Rorofu immer nur sprechen.
2.
waino waino, kipa_te ma nusa oko_ri,
we kirofo we kirofo, kipa_te ma amo_wa oto riyé
alter Mann, alter Mann, Junge_unser der er_jener kommend sagt,
iya naronè, kuwo naronè, ma ririmo ri ko
kefa nenunè kuwo nenunè, ma renami rito ko
Schweinefleisch essen wollen wir, Salz laßt uns essen, er sagen wird sagend nur
waino waino! kipa_te ma nusa okori
we kirofo! kipa_te ma amo_wa oto riye
Opa Opa! so kommt und spricht unser Junge.
4. Sing Sing: (gesprochen)
1. korifa bunduro 3x
2. rifa bunduro 2x
Erklärungen; Übersetzungen:
kórifa (Árango Dialekt)
kiro (K)
Fledermaus (D)
bunduro (Manto Sing Sing Sprache)
buroko wiwè (Manto Dialekt)
buroto wiyé (K)
fliegt auf und davon (D)
rifa bunduro (Manto Sing Sing Sprache)
rifa buroko wiwé (Manto Dialekt, Alltagssprache)
rifa buroto wiye (K)
Der rifa Vogel fliegt auf und davon (D)
Treten die Jungen zum allabendlichen Sing Sing ins Mädchenhaus ein, so trägt schon mal ein Junge ein Stöckchen in der Hand. Er geht auf sein Mädchen zu und gibt ihm einen leichten Schlag mit dem Stöckchen. Das Mädchen schrickt zusammen, wie man beim plötzlichen Aufflattern der rifa Vögel zusammenschrickt. Geht man ahnungslos des Weges, so flattern diese Vögel oft plötzlich 1 - 2 Schritte von einem aus dem Gras auf und fliegen davon.
Ähnlich erschrickt auch korifa, die Fledermaus, den Menschen.
Darum der Spruch des Jungen, der das Mädchen schlägt:
Die Fledermaus schwirrt vorüber;
der Rifa Vogel fliegt auf und davon.
Irrtümlich war korifa zuerst als eine größere rifa Vogel Art angegeben worden; undzwar als Mantosprache.
Aber in Manto ist:
buro_maro (M)
eine größer rifa Vogel Art
5. Sing Sing
1.
donimiro Rofu Rofu ma donimiro
kofo kofoka_ti Rofu Rofu ma donimiro
donimiro Rofu Rofu ma donimiro
2.
donimori Kura Kuraso donimori
yande yande ya_ti Kura Kuraso donimiro
donimiro Kura Kuraso donimiro
Kofoka und Yande sind Dorfnamen bei Asaro. Bei Yande Yande verspricht oder versingt sich der Sänger ein wenig. Es ist aber so gemeint, wie es hier geschrieben steht.
Rofu und Kuraso sind Mädchennamen. Die Doppelbenennung Rofu Rofu_ma und Kura Kuraso, wie auch der Dorfnamen, verschönert nur das Sing Sing und kennzeichnet die stotternde Aussage des Jungen.
Die Geschichte hinter dem Sing Sing ist wie folgt:
Ein Junge hat ein Alter erreicht, in dem er verheiratet sein sollte. Aber trotz mancher Freundschaften hat es zur Heirat noch nicht gereicht. Oder sollte er überhaupt auch noch keine Freundschaften geschlossen haben?
Die Sippe macht sich Sorge und beschließt, entsprechend einer (unter vielen) Sitten der Brautsuche, mit Muscheln und Federschmuck als Brautgabe in die Dörfer in nahem und weitem Umkreis auf Brautsuche für den Jungen zu gehen. Dieser selbst bleibt bei solchen Suchaktionen zu Haus.
Als die Sippe nach 1-2 Jahren vergeblicher Suche sich keinen Rat mehr weiß, fragt einer der Alten den Jungen:
Wir stolpern schon 1-2 Jahre durch die Gegend, um für dich eine Braut zu finden. Hast du beim nächtlichen Sing Sing keine Freundin gefunden? Es scheint nicht. Darum mühen wir uns auch umsonst ab, eine Braut für dich zu finden!
Der Junge antwortet, wie es im Sing Sing poetisch verewigt ist:
Holt mir die Rofu, Rofu von Kofo, Kofoka!
oder, wenn die nicht will, dann
holt mir die Kura, Kuraso von Yande, Yande!
Die genaue Übersetzung der jeweils 2 ersten Zeilen der beiden Strophen genügen:
1.
do nimiró Rofu Rofu_ma do_nimiró (M)
oru nomaró Rofu Rofu_ma oru_nomaró (K)
holend mir gebt (die) Rofu Rofu_die holend mir gebt (D)
kofo kofoka_ti Rofu Rofu_ma do nimiro (Manto)
kofo kofoka_ti Rofu Rofu_ma oru nomaro (K)
Kofo Kofoka_von Rofu Rofu_die holend mir gebt (D)
2.
do nimiro Kura Kuraso do_n_imiro (M)
oru nomaro Kura Kuraso oru_n_omaro (K)
holt und gebt mir Kura Kuraso, geholt_mir_gebt (D)
Yande Yande_ya_ti Kura Kuraso donimiro (M)
Yande Yande_ya_ti Kura Kuraso orunomaro (K)
Yande Yande - von Kura Kuraso bringt mir her (D)
6. Sing Sing
1x
koma wiyaniyé wiye_wó wiye_wó
2x
bewa_muriso mi_nde ma u wiyaniyé wiye_wó wiye_wé
koma wiyaniyé wiye_wó wiye_wó
2x
koma wiyaniyé wiye_wó wiye wó
kumu ririfa me mi_nde ma u wiyaniyé wiye wó wiye wó
Die dazugehörige Erzählung ist, wie ja auc bei anderen Sing Sing, im Sing Sing selbst nicht erkennbar:
Zwei Jungen sind auwafo. So werden zwei am selben Tag geborene Menschen genannt; sie brauchen deswegen keineswegs verwandt zu sein. Aber es verbindet sie ein besonderes Schicksal.
Die beiden auwafo Jungen also heiraten. Der eine heriatet eine fleißige Frau, der andere eine faule Frau.
Im Garten der fleißigen Frau fällt der Regen auf prächtig gedeihende Bananen. Aber auch: Die Bananen gedeihen so gut, daß sie viel und üppig wie Regen sich über den ganzen Garten verbreiten.
Im Garten der faulen Frau fällt der Regen auf Unkraut. Und auch: Das Unkraut überwuchert üppig wie Regen den Garten; genauer gesagt die Grenzstöcke von Beeten innerhalb des Gartens.
Zugleich verknüpfen die Alten diese Erzählung mit Mahnungen, die teilweise weder mit der Erzählung noch mit dem Sing Sing unmittelbar etwas zu tun haben:
Esst nicht alle Süßkartoffeln auf einmal, verteilt das Ernten auf 1-2 Jahre, damit ihr nicht für lange Zeit Hunger zu leiden habt.
Ahmt das gute Wachsen der Bananen nach durch gutes Arbeiten. Denn faule Arbeiter sind dem Unkraut zu vergleichen und ernten Unkraut!
Diese Gedankenverbindungen von Fleiß und Faulheit, Bananen und Unkraut, Regen und Wachsen, Süßkartoffeln und Hunger, auwafo Jungen und deren Frauen sind sicher etwas ungewöhnlich für europäisches Denken.
Es ist das ein Beispiel für dei Schwierigkeiten des Verstehens zwischen Europäeren und Kanaken und anderen Völkern im Alltag und zusammenleben.
Für die Übersetzung kann die mittlere Zeile ausfallen:
1.
koma wiyaniyé wiye_wó wiye_wó (M)
ko wiyaiyé wiyó wiyó (K)
Regen fällt, falle falle (D)
bena muriso mi_nde ma_u wiyaniye (M)
bene móruwa mi nde ma_u wiayiye (Kga)
ambene moruwa mi nde ma_u wiyaiye (Kgu)
bene moruwa Bananen Garten unserem dem_in überfüllen (D)
2.
koma wiyaniyé wiye_wó wiye_wó (M)
ko wiyaiye wiyo wiyo (K)
Regen fällt, falle falle (D)
kumu ririfa me mi nde ma_u wiyaniye (M)
kumu tirifa eme mi nde ma_u wiyaiye (Korepa)
kumu ririfa me mi nde ma_u wiyaiye (Kgu/Kga)
kumu ririfa Unkraut Grenzstöcke Garten unserem dem_in überwuchert.
Bei (am)bene und móruwa handelt es sich um diesselbe Bananensorte. Eine große Früchte tragende Bananenstaude heißt (am)bene. Eine kleine, noch nicht tragende Bananenstaude heißt móruwa. Dabei handelt es sich aber nur um eine bestimmte Sorte.
Andere Bananensorten haben also andere Bezeichnungen.
Allgemein: kiye (K)
kiyesa (Manto)
Banane (D)
7. Sing Sing:
1.
Amoi Kumbino kai no no kai no no wi
mero riri okaiya riri numuto namanimo riyé
kori koriko moni moni nenae kai no no
Amoi kumbino kai no no kai no no wi
2.
Amoi Kurongaro kai no no kai no no wi
mero riri okaiya riri numuto namanimo riyé
kori koriko moni moni nenae kai no no
Amoi Kurongaro kai no no kai no no wi
Die Erzählung zum Sing Sing:
Ein Mann namens Kurongaro wohnte am Amoi Fluß in der Gegend von Kumbino; in Kórepa. Der Mann Korungaro wird in der ersten Strophe auch nach Fluß und Gegend benannt. Amoi Kumbino ist also Kurongaro oder auch in der zweiten Strophe Amio Kurongaro. Da er verheiratet war, wartete seine Frau ihm mit Süßkartoffeln und anderen Früchten zum Essen auf. Davon gab er aber nie etwas einem Jungen mit. Der Junge, obwohl aus derselben Sippe, war noch nicht verheiratet, konnte also nicht von seiner nicht existierenden Frau gefüttert werden, und war deshalb auf das restliche Teilen des verheirateten Mannes angewiesen. Das Sing Sing ist die Reaktion und Antwort des enttäuschten Jungen auf den geizigen Mann.
kai, für gewöhnlich kao = du; wi bedeutet nichts.
mero = morgen, aber auch gestern
okoiya = vorgestern, aber auch übermorgen
Im Sing Sing ist wohl am besten die Übersetzung mit gestern und vorgestern.
Obwohl das Geschehen im Korepa spielt, ist das Sing Sing in Komgareka (Kga) Dialekt gesungen.
Erste und zweite Strophe sind gleich, nur heißt es einmal Amoi Kumbino, das andere mal Amoi Kurongaro.
Deshalb genügen zur Übersetzung die 3 ersten Zeilen:
1
Amoi_Kumbino kai no no kai no no wi
Karangaro, du iß, iß, du iß, iß
2
mero_riri okoiya riri n_umuto n_am_animo riyé
gestern und vorgestern mir gebend, ißt nicht du, sagt er,
3
kori_kori_ko moni_moni n_en_àe, kai no no
beim Frühlicht nur umherstreunend essen werde ich, du iß, iß
Dazu in freier Übersetzung:
1.
Kurongaro, haue dir nur die Wampe voll,
2.
Wenn du mir gestern und vorgestern was mitgegeben hättest, so wärest du selbst zu kurz gekommen.
- sagt der Fresser -
3.
Zwischen Tag und Nacht werde ich mir schon was zu besorgen wissen, friß nur in Ruhe weiter, ich gönne es dir.
8. Sing Sing
2x
kuno omane nogiyuwo utinoko anoro
2x
yomino mono wawè ma nogiyuwè utinoko anoro
1x
kuno omane nogiyuwo utinoko anono utinoko anoro
2x
oro omane nogiyuwo kiya fiyeko anoro
2x
ferepwa mono wawè ma nogiyuwè kiya fiyeko anoro
2x oro omane nogiyuwo kiya fiyeko anoro kiya fiyeko anoro.
Zum besseren Verständnis des Sing Sing sind folgende Erklärungen nötig:
Ist ein Mädchen von diesseits der hohen Bergriegel des Ukafarka und des Daulo, das ist von Komengáreka oder Yámowe gegen den Willen seiner Eltern jenseits der Bergriegel in Kórepa verheiratet, so mag es passieren, daß die Eltern das Mädchen zurückholen und in entgegengesetzte Richtung nach Komongu oder Ona oder Keto verkaufen.
Der Junge in Kórepa sendet eines Tages eine Botschaft an das Mädchen. Geheim wird die Flucht des Mädchens zurück zum Jungen in Korepa vorbereitet.
Eine Rauchfahne auf dem Gipfel des Ukafaka, dem höchsten Gipfel des ganzen Siane (Watabung) Gebietes, ruft schließlich das Mädchen zum Start seiner Flucht auf. Das Startzeichen, die Rauchfahne, in welcher auch glücksbringender Zauber = und Liebesmittel mit verrauchen, wird im Sing Sing besungen.
Um den so nahe erscheinenden Rauch auf dem Gipfel des Ukafaka zu erreichen, braucht das Mädchen von Ona oder Keto aus wohl eine Tagesreise; bei schnellem, unaufhaltsamen Wandern und Klettern mit einer Steigung von 1000 m vielleicht 6 Stunden. Im folgenden die Übersetzungen des Sing Sing; dabei genügen die jeweils beiden ersten Zeilen der 2 Strophen:
1.
kuno omane no giyuwo uti_noko anoro (M)
iyo_guna yo_ma_ne kiyowè oru_roto ano (K)
Feuer-Rauch drüben anzünde ich, mach dich auf, komm. (D)
yómino_mono wa we ma nogiyuwè utinoko anoro (M)
yómina_mona ma kiyowè oruroto ano (K)
yómina Zauber einen anzünde ich, starte, komm (D)
2.
oro o_ma_ne nogiyuwo kiya_fiyeko anoro (M)
iyó yo_ma_ne kiyowè kiya_fito ano (K)
Feuer dort anzünde ich, komme (D)
férepwa_mono wawe ma nogiyuwè kiya_fiyeko anoro
férepwa_mona ma kiyowè kiy_fito ano
Katzenhaar-Zauber einen anzünde ich, komm.
Wenn es im Sing Sing auch schon mal nogiyuwo heißt, so ist die richtige Formulierung doch nogiyuwè. Auch klingt es im Sing Sing mal nach ferpo statt ferepwa. Bei ferpo ist das wa ausgelassen. Der Wortklang ist genauer: ferep_u_wa - das heißt Katze oder Katzenhaar.
yómina ist eine Pflanze.
Viele Leute, nicht nur jugendliche, tragen eine Büschelchen Katzenhaar oder ein yómina Blättchen versteckt mit sich, es wirkt auf Partner als Liebeszauber. Deshalb auch verbrennt der Junge von Kórepa auf dem Ukafaka mit anderem Brennmaterial zugleich yómina und férep_u_wa, das Mädchen herbeizurufen.
Auch ohne das Abenteuer einer Flucht versammeln sich die Kórepa Jugendlichen oft auf dem Gipfel des Ukafaka, zünden Feuer an und veranstalten das Sing Sing. Es wird außerdem auch im sogenannten Männerhaus gesungen.
Die Übersetzung für kiya fiyeko sind die Leute bisher schuldig gebliebnen. Sie übersezten zwar mit kiya fito, aber das heißt: gebrochene Beine. Sie geben selbst zu, daß das keinen Sinn ergibt.
9. Sing Sing
1.
kuno kiya è ... (2x)
kofèno aru rini_riningi_sè_ro, kiya è, kuno kiya è (2x)
kuno kiya è -- (3x)
2.
oro kiya è --- (3x)
Maindo aru rewe_reweri_sè_ro, kiya è, oro kiya è (2x)
oro kiya è
Nicht nur die Jungen, wie im 8. Sing Sing, sondern auch die Mädchen arbeiten mit Zauber und Feuer. Im foldenden die Übersetzung der mittleren Zeilen von Strophe 1 und 2.
1.
kofèno aru rini riningi_sè ro kiy è, kuno kiya è (M)
Kofèna nomiri rini rinigni_ro kiya_è, funa kiya_è (K)
Kofena_Mädchen (vom Dorf) Riningi entwickeln Rauch (D)
2.
Maindo aru rewe reweri si ro kiya è, oro kiya è (M)
Maindo nomiri rewe rewri ri kiyàe, oro kiyèa (K)
Manto_Mädchen (vom Dorf) Rèweri entzünden Feuer. (D)
Kofena und Manto sind Stämme gleich Komongu, Komengáreka, Kórepa, haben ähnliche Sprache, gehören aber nicht zum gleichen Volk. Drei letztere gehören zum Volk Siane.
Bei Maindo klingt das i kaum mit. Und d klingt zugleich nach t. Deshalb schrieb ich bisher Manto. - Innerhalb Siane, nämlich im Dorf Mondo, einer meiner Außenstationen, wohnen abgewanderte Kofena Leute. -
Den 9 Kanaken Sing Sing folgen 2 Germanen Sing Sing. Dann Sprechen bis zum Schluß.

©2011 | Blumammu
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