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| Eine Sammlung aus Papua-Neuguinea |
Samstag, 04. 02. 2012 |

2. BASF Bandseite

2. BASF Bandseite
ca. 1972 Papua Neuguinea/Pater Egidius Böven
1. Sing Sing
1. I were were nendó bovo awírise avere nendó 2x
-kíya ne rútoko ongarowe, ane rútoko ongarowe 2x
I were were nendo bovo awirise wene nendo 3x
- kiyane rutoko ongarowe, ane rutoko ongaro wè 2x
I were were nendo bovo awirsie were nendo. 1x
2. I were were nendo minombo awirse were nendo 2x
- wene iya fiyèko aongarowè, kone iya fiyèko ongarowè 2x
I were were nendo minombo awirise were nendo 1x
Es sind jeweils gleich die durch senkrechten oder waagerechten Strich gekennzeichneten Zeilen.
Das Sing Sing betrifft Schweinschlachtfest; und zwar schwingt sich das Schwein, das geschlachtet wird, selbst zu einem feierlichen Sing Sing auf. Diese Fähigkeit haben sie im Kanakenland.
yafo nèma_riyé
Schwein vogel_spricht = singt.
Zur Übersetzung genügen die beiden ersten Zeilen der beiden Strophen. Wegen der Verschiedenheit einiger Wörter folgt die Übersetzung in mehreren Dialekten:
Manto, Kórepa, Komengáreka, Komongu, Deutsch.
Die vielfältigen Bezeichnungen für Blätter sind wie folgt:
aira Kgu, Kga, Kor.
noto Kgu, Kga
fétana Kgu, Kga
noto fetana Kgu, Kga
fetana noto Kgu, Kga
aweresau Korepa
awirise Manto
Blatt D
kiye_aina Kgu, Kga, Kor.
Bananen_Blatt D
= gemeint ist ein frisches Bananenblatt
kiye kírifa Kgu
bowa Kga, Kor.
bowo Manto
Bananenblatt D
= gemeint ist ein trockenes Bananenblatt.
1. 2 Zeilen:
1. wene were n_endo bovo awirise were nendo (M)
2. wiri n_endo bova aweresau wiri nendo (Kor)
3. wiri n_endo bova noto wiri nendo (Kga)
4. wiri n_endo kiye_kirifa noto wiri nendo (Kgu)
5. legen mich mache trockene (Bananenblätter) Blätter legen mich mache (D)
= lege mich auf trockene Bananenblätter, auf Blätter lege mich.
1. kiya_ne rutoko ongarowè (M)
2. kiya_ne ipe_ndoto onenangorongè (Kga + Kor)
3. kiya_ne sino_roto onenangorowè (Kgu)
4. Beine_meine gebogen schlagen_möchte_ich, (D)
1. a_ne rutoko ongarowè (M)
2. a_ne ipe_ndoto onenangorongè (Kga + Kor)
3. a_ne sino_roto onenangorowè (Kgu)
4. Arme_meine gebogen schlafen möchte ich (D)
= mit eingeschlagenen Hinter- und Vorderbeinen möchte ich schlafen.
2. 2 Zeilen:
1. were were nendo minómbo awirise were nendo (M)
2. wiri nendo minomba aweresau wiri nendo (Kor)
3. wiri nendo úmbare noto wiri nendo (Kga + Kgu)
4. legen mich mache kunai (P) Gras_blätter legen mich mache. (D)
= lege mich auf kunaigras(blätter).
1. we_ne iya_fiyèko ongarowè
2. we_ne iya_fito onenangorongè
3. we_ne iya_fito onenagnorowè
4. Mund mein gebrochen schlafen möchte ich,
1. ko_ne iya_fiyèko ongarowè
2. ko_ne iya_fito onenangorongè
3. ko_ne iya_fito onenangorowè
4. Nase mein gebrochen schlafen möchte ich.
= mit zusammengeschlagener Schnauze und Nase möchte ich schlafen.
2. Sing Sing
1. forekerà nefè nefè, forekerà nefè nefè o
aungo Ninimburime, forekerà nefè nefè, forekerà nefè nefè o
aungo Ninimburime, forekerà nefè nefè, forekerà nefè nefè o
forekerà nefè nefè, forekerà nefè nefè o
2. meifara nefe nefe, meifara nefe nefe o
arungo Kafereto, meifara nefe nefe, meifara nefe nefe o
arungo Kafereto, meifara nefe nefe, meifara nefe nefe o
meifara nefe nefe, meifara nefe nefe o
Zur Übersetzung genügt je Stropfe eine Zeile:
1. arungo Ninimburime, fórekera nefe (Asaro)
aru Ninimburime, nefe (Manto)
noiri Ninimburime, fóreke nefe (Korepa)
nomiri Ninimburime, fóreke nefe (Kga)
nomiri Ninimburime, kanu_foreke nefe (Kgu)
Mädchen Ninimburime, Türriegel ist er da (D)
2. arungo Kafereto, meifara nefe (Asaro)
anu Kafereto, nefe (Manto)
noiri Kafereto, meifa nefe (Korepa)
nomiri Kafereto, meifa nefa (Kgu + Kga)
Mädchen Kafereto, Vorhang ist er da? (D)
(oru = Mädchen in Árango Dialekt)
fóreke(ra) oder kanu_foreka ist ein Stock, mit welchem eine Tür außen verriegelt wird.
meifa(ra) ist ein Vorhang aneinandergereihter Bananenblätter außen vor der Tür. - Heute kann meifa auch allgemein einen Vorhang europäischer Art bedeuten.
nè = ist. Das angehängte fe bedeutet eine Frage, also:
nefè = ist er?
In solcher Fragestellung liegt zugleich eine Verneinung, sodaß obige Sätze bedeuten: Der Türriegel ist nicht vorhanden. Der Vorhang ist nicht vorhanden.
3. Sing Sing
1. kuro kuro siye noyè 2x
ya yasifo ya ramina ma ro siye noye 2x
kuro kuro siye noyè 2x
2. mana mana siye noyè 2x
ya ómono ya ramina ma ro siye noye 2x
mana mana siye noyè
Bei diesem Sing Sing tun sich die Leute in Deutung und Übersetzung besonders schwer. Raten und Deuten setzen sie mehr oder weniger bewußt mit Übersetzung gleich.
Im folgenden zunächst eine Übersetzung, bei der Manot Wort und Siane Wort sich mit Sicherheit oder doch großer Wahrscheinlichkeit entsprechen:
kuro kuro siye noiye (M)
? afu_minaiyé (K)
? sprießt (D) (z. B. Gras sprießt aus der Erde)
ya yasifo ya ramina maro siye noiyé
ya yai ya raro ? afu minaiyé
Baum Jai, Baum guter ? sprießt auf
2. mana mana siye noiye (M)
? sprießt auf (D)
ya ómono ya ramina maro siye noiye
ya ómono ya naro ? afu minaiye
Baum Omono, Baum guter ? sprießt auf
Fraglich auch ist, ob man in Manto die Bedeutung der Worte weiß, und ob man selbst bei Wissen der Worte um die Bedeutung des SingSing weiß.
Im folgenden Übersetzungen, die mehr ein Suchen nach dem Sinn des Sing Sing sind:
1. kuro_kuro siye noiye (M)
me afu minaiye (K)
Grenzstäbe (zwischen Beeten in Gärten) sprießen auf (D)
ya yasifo ya ramina maro siye noiye (M)
ya yai ya naro ?
1. afu minaiye (K)
2. mengu (K)
Baum Jai, Baum guter ?
1. sprießt auf (D)
2. verdorrt (D)
mana mana siye noiye (M)
1. auma mere_minaiye (K) oder: wi_minaiye
2. nema si_minaiye (K)
1. stark ist er (D)
2. Vogel (Flügel) rauschen
ya omono ya ramina maro siye noiye
ya ómono ya raro ? fi_minaiye
Baum Omono, Baum guter ? pickt
Deutungen:
Stark ist er - nämlich der Junge. Er beindruckt durch seine Stärke die Mädchen.
Die Vögel flattern, rauschen heran und fliegen in die Omono Bäume hinein. Dort picken sie die roten Blüten des Omono Baumes. Wie die Vögel von den roten Blüten des Omono Baumes angelockt werden, so die Jungen von den Mädchen.
Nach einer Übersetzung:
kuro kuro (M) =
kura kura (K) = Geräusch vom Wind in Blättern.
Wie das Geräusch des Windes in den Blättern ist das Flügelrauschen der Vögel. / Das Sing Sing soll das Gedeihen von Garten und Schweinen bewirken. - Andere vernehmen das und sagen, es sei ein Sing Sing der Jungen und Mädchen bei Begegnung.
4. Sing Sing
+1. aru ramina kumo norambè
doko remekuwè kipa minó
1x
-2.
iyono ya guni neto wae
nekimbo ya guni neto wae
2x
+3. aru ramina kumo normabè
doko remekuwè kipa minó
2x
-4. iyono ya guni neto wae
nekimbo ya guni neto wae
2x
+5. aru ramina kumo norambè
doko remekuwè kipa minó
1x
Zur Übersetzung genügen die beiden ersten Verse:
1a
aru ramina kumo norambè ? (Manto)
nomine raro yamu rambè ? (K)
Mädchen gut wegen sprichst du ? (D)
b
doko rmekuwè kipa mino (M)
oruto romowè kipa mino (K)
holend hinunter komme ich, Junge bleibe (D)
2a
iyono ya goni neto_wae (M)
moiyo mangara onende_kae (Kga)
Mutter, Stöckchen mir aufspießen sie (D)
b
nekimbo ya goni neto wae (M)
gene_komona mangara onendo_kae (K)
gene Knollen Stöckchen mir aufspießen sie (D)
Fragen, besonders in der Poesie, bedeuten oft das Gegenteil dessen, was sie auszusagen scheinen. Im folgenden entwickle ich den ersten Satz,
1.a, zu dem von den Kanaken gemeinten Sinn:
Des schönen Mädchens wegen sprichts du?
Sprichst du von einem schönen Mädchen?
Du sagst, das Mädchen sei schön?
Das Mädchen ist alles andere als schön!
1.b: (aber wie du willst), ich hole es und komme hinunter mit ihm; du bleibe und warte, Junge.
Der Sinn der 2. Strophe ist nicht ganz klar. Zwar werden gene Knollen in einer Zeremonie aufgespießt, aber in dem Sing Sing sagt ein Mädchen zu seiner Mutter:
mich spießen sie auf.
mangara bedeutet nicht wörtlich Stöckchen, sondern den Stiel, oder die zu einem Stiel zusammengerollten Blätter des mángara Krautes.
Bei gene_komona bedeutet komona nicht Knolle, sondern bezeichnet die gene Sorte, in Manto nekimbo genannt.
Die 2. Strophe könnte also heißen:
Mutter, mit Krautstielen spießen sie mich auf wie eine Knolle.
Oder aber:
Mutter, mit Krautstielen spießen sie meinetwegen die gene Knolle auf.
Im Sing Sing ist an folgende Sitte gedacht:
Ein Junge möchte ein Mädchen gewinnen. Er holt einige gene Knollen und geht mit diesen zu einem Gelehrten, - Doktor, -
man bilong save (P)
Mann des Wissens (D),
und trägt ihm sein Anliegen vor.
Der Gelehrte vergißt nicht, die Belohnung zu fragen und einzustecken und geht dann mit dem Jungen abends bei Dunkelheit bis vor die Tür des Mädchens und seiner Eltern. Vor der Tür spießt der Gelehrte die kleinen Knollen mit mángara auf, sagt geheime Zaubersprüche und murmelt auch obiges Sing Sing. Dann übergibt er die aufgespießten gene dem Jungen. Während der Gelehrte verschwindet, geht der Junge ins Haus des Mädchens. Er wirft während der Unterhaltung mit dem Mädchen und seinen Eltern, von diesen im günstigen Augenblick unbeobachtet, die gene ins Feuer am Boden. Nun steigt mit dem Rauch auch der wunderbare Zauber der verbrennenden gene in die Nase des Mädchens und gelangt von der Nase mitten ins Herz. Da ist das Mädchen natürlich erledigt. Und auch seine Eltern werden seltsam bewegt. Bald miteinander eines Sinnes, verlassen die Eltern das Haus, um es den beiden jungen Leuten zu überlassen bis zum nächsten Morgen. Der Vater schläft für die Nacht im Männerhaus, wenn er nicht schon sowieso da war, und die Mutter begibt sich in ein Haus einer befreundeten Frau.
Sprachlichen:
onende_kae wird nur poetisch gebraucht, sonst:
onendaé
Zerpflückt sieht das Wort so aus:
o n end ae
aufspießen mich machen sie
Doch hat keines der Wortteile für sich allein eine Bedeutung.
5. Sing Sing
(avono y guni ... falscher Anfang)
1.
kipa ramina kumu norambè?
doko arekuwè aru minó
2.
(y)_avono ya goni neme kae aongomu
y goni neme kae
2x
3.
kipa ramina kumu norambè?
doko furokuwè aru minó
Übersetzung:
1.a
kipa ramina kumu normabè? (M)
kipa raro yamu rambè? (K)
Der Junge sei gut, sagst du? (D)
1.b
doko arekuwè aru mino (M)x
oruto romawè nomiri mino (K9
holend (ihm) hinunter komme ich, Mädchen bleibe (D)
x
arekuwe = Asaro Dialekt
remekuwe = Manto, siehe 4. Sing Sing
romowe = K. Siane
2.
avono ya goni neme_kae songomu
weyano mangara nomo_kae ongomu
Vater Stille mir geben sie, Spinne (?)
3. (letzte Zeile)
doko furokumè
oruto furitowè
ihn holend, hinausgeworfen, (wieder) habe ich.
nomo_kae = nomae = n_om_ae
mir geben sie
songumi (M)
ongumu (K)
Spinne (D)
Die Bedeutung der Spinne in der 2. Strophe ist unklar. Zwar könnte der Junge wie eine häßliche Spinne hinausgeworfen werden. Aber eine ongomu Spinne ist für Kanaken gar kein häßliches Geschöpf, sondern ein Leckerbissen für den Magen!
Das 5. Sing Sing kann sowohl zum 4. wie auch zum 6. Sing Sing eine Ergänzung sein. Alle drei Sing Sing werden bei Begegnung von Jungen und Mädchen gesungen; so im Mädchenhaus und zur Feier der ersten Periode eines Mädchens.
Erzählung und Wortlaut des Sing Sing lassen an Übereinstimmung zu wünschen übrig. Das stört aber die Kanaken nicht. Ihnen geht es um Stimmung und Klang.
avono im 5. und ahono im 6. Sing Sing bedeuten das gleiche. Besonders in Korepa werden v und p oft gegen h getauscht. So auch:
kipa = kika = Junge.
6. Sing Sing
1.
1. akono nekimbo bere neme
2. aru numu ma u wonoiyé
3. nekimbo bene meme ahono
4. anu numu ma u woroiye
5. nekimbo bene neme
6. ahono nekimbo bene neme
7. ahono nekimbo bene neme
2.
1. iyono kenoro bene nemamanè
2. kipa numu ma u woroiyé
3. kenoro bene nemamane iyono
4. kipa mumu ma u woroiye
5. kenoro bene nemamane
6. iyano kenoro bene nemamane
7. iyono kenoro bene nemamane
8. kenoro bene nemamane
Das Sing Sing wird von Jungen (1. Strophe) und von Mädchen (2. Strophe) abwechselnd gesungen, so im Mädchenhaus beim allabendlichen Sing Sing und bei der Festlichkeit der ersten Periode eines Mädchens. Die erste Strophe entspricht dem 4. Sing Sing, da besonders den Zeilen 1, 3, 5.
Die zweite Strophe entspricht der 2. und 4. Zeile des 4. Sing Sing und dem 5. Sing Sing.
Die Erzählung zur 2. Strophe des 6. Sing Sing entspricht wieder nur wenig dem Sing Sing.
Die Erzählung:
Ein Mädchen erhält gene Knollen von seinen Eltern. Es geht zu einem Gelehrten. Dieser spießt die gene auf. Das Mädchen steckt die aufgespießten und verzauberten gene in ein Netz zusammen mit Süßkartoffeln.
Dann geht das Mädchen zu seinem Jungen. Dieser fragt im Lauf der Unterhaltung nach Essen. Das Mädchen reicht ihm aus dem Netz Süßkartoffeln und gene. Inzwischen sind aber die Spieße aus den gene gezogen und weggeworfen worden. Der Junge denkt bei Süßkartoffeln und gene nur an die Mahlzeit und ißt beides. Dabei ißt er sich die gene in den Magen und die Verzauberung ins Herz hinein. Der arme Glückliche ist für immer gefangen von dem Mädchen.
Zur Übersetzung genügen die je ersten beiden Zeilen:
1.a
akono nekimbo bere neme (M)
weyano gene_komona ofo nomo (K)
Vater, gene Knollen geschnitten mir gib (D)
b
aru numu ma u woroiyé
nomiri numu_ngu ma unangoriyé (K)
Mädchen_Haus in das gehen will er (ich?)
2. a
iyono kenoro bere n emamane (M)
moiyo gene_korungefa ofo n omamane (K)
Mutter, gene Knollen geschnitten mir gibst nicht du (D)
b
kipa numu ma u woroiyé (M)
kipa numu ngu ma unangoriyé (K)
Jungen_Haus in das ghen will sie (ich?)
Die Leute übersetzen 1b und 2b:
Zum Mädchenhaus gehen will ich
zum Jungenhaus gehen will ich
Das entspricht auch meinem Empfingen.
Anderseits mußten die Leute mir zugeben:
worowè = unangorowè = gehen will ich
woroiyé = unangoriyé = er oder sie will gehen
Vielleicht aber mußten die Leute übersetzen:
woroiye = unangoroiye = wir beide wollen gehen.
Das ist eine Pluralform für nur 2 Personen! - (im Gegensatz zu Pluralformen für mehr als 2 Personen).

©2011 | Blumammu
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