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| Über mich und BLUMAMMU. |
Donnerstag, 29. 07. 2010 |


Das Erklären geschichtlicher Zusammenhänge und der relevanten archäologischen Sachverhalte ist für Lehrpersonal mitunter recht aufwendig und zeitintensiv. Eine reale Vorführung kann einsichtiger und deutlicher sein als ein Foto oder die formale Erfassung im Rahmen eines Geschichtsunterrichts.
Die Rolle des "Vorführenden" erfordert spezielle Künste der Zunft. Auf der einen Seite der Wissende, auf der anderen Seite der Perfomancemensch, der dieses Wissen in Wort und Tat umsetzt und mit dem nötigen Tick vorführt. Wir leben aber in der Gegenwart, nicht in der Steinzeit. Das ist das Schizophrene an der Situation. Doch sollten sich Vorführender und Klienten wie Steinzeitmenschen fühlen, ist dies erwünscht.
Hierbei setzt Blumammu nicht ganz handelsübliche Vorgehensweisen an. Will sagen, der Zuschauer oder Beteiligte soll erstaunt, verfremdet oder sogar überrascht von dem Moment dessen sein, was da auf ihn zukommt. Das kommt einer Begegnung der dritten Art gleich, will sagen, etwas, womit man nicht rechnet oder es einfach in dieser Art nicht kennt (ohne Sex, Drogen und Blut) kommt auf die Person zu und diese sollte damit fertig werden. Ohne den Event selber, also die Authentizität, kommt dieser Satz nicht ganz rüber. Doch der Erfolg gibt Blumammu recht. Freud considered a person to be authentic when he or she was in balance between reason and emotion (Wang, 1999).
Hartmut Albrecht begann mit Feldbegehungen (Reliktaufnahmen im Umfeld Aachen) und erweiterte sein Wissen im Laufe von 10 Jahren soweit, dass er die Techniken der Steinzeit eigenständig und unter Anleitung von Archäologen oder anderen selbsternannten Experten erlernte. Berufsbezeichnung: Steinologe.
Hobbies: Herbstlaub nach Jahrgängen in Alben sammeln, zur Weihnachtszeit alle Tannenbäume im Wald schmücken, das von Caesar im b.g. erwähnte Atuatuca suchen, Holzscheite so wieder zusammenkleben, das sie wieder den ganzen Baum ergeben, meine Ehe mit Barbara, der Besten aller Ehefrauen und Charles W.Morgan Schiffmodelbau (Steinzeit ist kein Hobby).

Annemie, isch kann ne mi.

Angebote

Einzelstunden
Vorträge Seminare
Einzeltage
Projekttage
Führungen
Gruppen-Leitung

Weiterbildung:

Ausbildereignungsprüfung bei der IHK Aachen.
Ausbildung zum Diplomierten Waldführer im Haus Ternell/Belgien.
Ausbildung in Erster Hilfe beim Roten Kreuz. Aufnahme verschiedener neuer Projekte im Bereich der experimentellen Archäologie, wie Eisen schmelzen in Rennöfen, Messing aus Kupfer und Galmei legieren, Getreide in römischer Getreidemühle mahlen, Teig machen, in römischen Backofen, daraus Brot backen und weitere Projekte in Planung und schon umgesetzt.
Bescheinigung des Gesundheitsamtes zur Aufnahme einer Tätigkeit im Lebensmittelbereich. Versicherungsschutz durch Berufshaftpflichtversicherung.
Filmarbeiten mit National Geographic, Arte, WDR, SWR und RTL und privaten Filmern.

In einer Nebenrolle auch als Werbfuzzi, Illustrator und Mediengestalter (siehe diese Webseite) tätig, sowie durch die Steinzeit-Ackersuche auf Caesar gekommen. Klicken Sie auf den Stier oder auch : Die Römer spinnen in >> www.atuatuca.de

Hülfe, ich bin ein Stolberger! Holt mich hier raus.

Aus der Seele gesprochen:
Ein Kollege erzählt aus dem Nähkästchen.
Experimentelle Archäologie / Bilanz 2001 / Beiheft 38 2001 / Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland / Isenseee Verlag Oldenburg 2002
Von Beruf Freier Steinzeitmensch
Selbstständigkeit im Bereich experimenteller Archäologie und Pädagogik
Jean-Loup Ringot
1. Wie kommt man dazu, als freischaffender Steinzeitmensch zu arbeiten?
Wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde, habe ich unterschiedliche Antworten parat: vom Museumspädagogen" zum Steinzeit-Animateur" bis zum Archäogaukler". Die Antwort hängt von meiner Stimmung und meinem Gesprächspartner ab. Wie kommt man dazu, Archäologie-Pädagogik (insbesondere der Vor- und Frühgeschichte) und evtl. die experimentelle Archäologie als Beruf auszuüben?
Meine erste Steinzeit-Animation war eine unprofessionelle Veranstaltung: Mit sechs Jahren habe ich das Museum in GrandPressigny zum ersten Mal besucht. Die Hälfte meiner Familie stammt von dort und das schlechte Wetter während eines Ferienaufenthaltes hatte meine Eltern dazu bewegt, das Museum zu besuchen. Dort lagen in Vitrinen stapelweise die großen Livres de Beurre" (für die Nicht-Spezialisten: große längliche Kernsteine aus der späten Jungsteinzeit), die ich schon oft am Wegesrand gesehen hatte (das war vor 42 Jahren, es ist sinnlos dorthin zu rennen, heutzutage findet man sie nur noch sehr selten). Da es sich um Museumsstücke handelte, habe ich angefangen, sie zusammen mit Silexabschlägen und Versteinerungen von Schwämmen, die von den Bauern Feigen" genannt wurden, zu sammeln. Mit diesen Schätzen habe ich auf dem Hof meines Großvaters eine Steinzeit-Ausstellung organisiert. Aus einigen Resten von Marmorplatten aus dem Müllhaufen des Friedhofes habe ich versucht Spitzen zu schlagen, was mir sogar einigermaßen gelungen ist. Dieses waren sozusagen meine ersten Schritte im Bereich der experimentellen Archäologie und zugleich meine erste pädagogische Veranstaltung. Gegen ein Bonbon durften die Nachbarskinder mein Museum besuchen. Daraus habe ich zwei Dinge gelernt:
Die Steinzeitmenschen waren nicht sehr schlau, diesen schwer zu bearbeitenden Feuerstein zu nehmen, wenn Marmorplatten aus dem Friedhofs-Müllhaufen sich viel besser bearbeiten lassen .... es ist möglich, mit experimenteller Archäologie und Pädagogik einen Gewinn (hier Bonbons) zu erwirtschaften (so gesehen war das vielleicht doch eine Veranstaltung wirtschaftlicher Natur?).
Diese Mischung von Originalen und Fälschungen oder Rekonstruktionen (ohne dies zu kennzeichnen) in einer Ausstellung ist natürlich museumsethisch" nicht akzeptabel; ich wusste es damals nicht, und die Tatsache, dass ein großes deutsches Archäologiemuseum dieses letztes Jahr, bei einerNeanderthal-Ausstellung" ohne Hemmungen tat, beruhigt mein schlechtes Gewissen etwas.
Abgesehen von Referaten vor gelangweilten Mitschülern während meiner Schulzeit habe ich erst vor zehn Jahren angefangen für befreundete Lehrer Steinzeit-Aktionen zu machen. Der Beruf, den ich zu dieser Zeit mit Erfolg ausübte, ernährte mich gut, so dass ich dies als Hobby ansah und kostenlos arbeitete. Mit dem Wandel der finanziellen Lage der Naturschutzbehörde Deutschlands (mein hauptsächlicher Arbeitgeber) hat sich meine Finanzlage sehr verschlechtert und mich dazu bewegt, das, was ich als kostenloses Geschenk für Freunde ansah, zu verbessern und für bares Geld anzubieten.
Seit nunmehr fünf Jahren bin ich freier Steinzeitmensch, anfänglich neben meinem eigentlichen Beruf, und seit einem Jahr muss ich meinen Lebensunterhalt ausschließlich aus dieser Tätigkeit erwirtschaften.
2. Kann man von der Steinzeit leben?
Von einer Tätigkeit zu leben, bedeutet nicht, diese als Nebenerwerb während einiger Wochenenden, als bezahltes Hobby oder als Ergänzung zum Einkommen der Ehegattin, auszuüben, sondern genügend Einkommen damit zu erzielen, um tatsächlich dadurch seinen Lebensunterhalt samt Nebenkosten, wie Krankenversicherung, Rente usw. zu decken, als freischaffender Künstler", ohne mit einer Einrichtung (Museen o.ä.) organisch fest verbunden zu sein.
Kann man freiberuflich von der experimentellen Archäologie leben?
Freiberuflich im Bereich der experimentellen Archäologie arbeiten zu wollen bedeutet, sich damit abzufinden zu verhungern. Es gibt nämlich keine Finanzierungsmöglichkeiten für freiberufliche Forschung in diesem Bereich oder sie sind mir leider unbekannt. Damit will ich nicht sagen, dass diese Tätigkeit keine Rolle in meiner beruflichen Arbeit spielt; die Ergebnisse meiner bescheidenen, nicht finanzierten Forschungstätigkeit fließen in meine pädagogische Arbeit und machen sie lebendiger und attraktiver.
Kann man von der Pädagogik der Archäologie leben?
Der Stand meines Bankkontos würde mich dazu bewegen eine eher negative Antwort zu dieser Frage zu geben, ich will es aber versuchen!
A. Über Inhalte und Publikum
Ich will ein Produkt verkaufen. Dafür muss dieses Produkt sowohl attraktiv als auch wissenschaftlich fundiert und einigermaßen originell in seinem Inhalt und in seiner Präsentation sein und an das richtige Publikum gebracht werden.
Das Publikum besteht hauptsächlich aus Schulklassen; ansonsten gibt es auch Privatveranstaltungen, wie Straßenfeste, Geburtstage von Kindern, aber auch Erwachsenen, und einige wenige Museumsfeste. Diese sehr unterschiedlichen Arten von Publikum, aber auch die Zeit, die mir zur Verfügung steht (von zwei Stunden bis zu mehreren Tagen) zwingt mich, sowohl den Inhalt als auch die Präsentation zu variieren. Diese Veranstaltungen laufen unter dem Motto: Die Steinzeit lebendig machen, oder gab es ein Leben vor dem Game-Boy?"
Unterrichtsbegleitende Animation:
Die übliche Schulveranstaltung dauert einen ganzen Vormittag: Wir beginnen mit dem, was ich lebendige Theorie" nenne. Dabei geht es prinzipiell um die Eigenart des Menschen als einem ganz besonderen Tier", anders gesagt: Was macht der Mensch, was die anderen Tiere nicht machen?" (Aufrechter Gang, Konzeption von Werkzeugen, Feuer, Sprache, Religlon, Kunst, Landwirtschaft, Erfindung von neuen Materialien wie Bronze, Keramik, Glas und Kunststoff und die Erfindung der Schrift). danach versuchen wir die 2,5 Millionen Jahre Menschheitsgeschichte zu überschauen. Dieser Teil dauert 90 Minuten ohne Pause. Die heutigen Kinder sind nicht gewohnt so lange aufmerksam zu sein. Um sie trotzdem in meinem Bann zu halten ist eine gewisse schauspielerische Fähigkeit notwendig. Nach einer Pause zeige ich den Kindern, wie man einige einfache Werkzeuge herstellt (Faustkeil, Schaber, Klinge und z.B. Pfeilspitzen) und öffne meine Schatzkiste" um die Werkzeugkästen" der verschiedenen Menschenarten vom Homo habilis bis zum H. sapiens-sapiens zu entdecken. Während der drei folgenden Zeiteinheiten a 45 Minuten zeige ich im Außengelände verschiedene Methoden Feuer zu machen. Durch die Geschichte von Nurka, der ersten Frau, die feststellte, dass Körner keimen können und dadurch die Landwirtschaft erfand, zeige ich, wie Mehl gemacht wird um daraus mit Pfefferminze, Fenchelkörnern und Nüssen Honigkekse zu backen. Wir lernen, wie Tunga (Nurkas Mann) mit Speerschleudern und Bogen zur Jagd ging und wie er Feuersteinabschläge machte. Die Kinder können sich dann auf diese Werkstätten verteilen, wie sie möchten. Wir beenden die Aktion mit dem Backen der Kekse direkt in der Glut unseres Feuers und essen sie während eines kurzen kritischen Gespräches.
Ein Tag in der Steinzeit:
Neben den oben genannten Aktivitäten, für die wir mehr Zeit haben, bereiten wir unsere Mahlzeit nach steinzeitlicher Art. Die Teilnehmer schneiden mit Silexabschlägen Gemüse und Fleisch klein, die zusammen mit gekeimten Getreidekörnern und rohen Eiern unter Blättern auf einem großen heißen Stein im Dampf garen. Dazu haben wir noch Zeit uns mit Naturpigmenten zu schminken.
Ein Wochenende in der Steinzeit:
Da wir viel Zeit haben, können wir noch andere spannende Aktivitäten erleben: Wir machen Schmuck nach steinzeitlicher bzw. bronzezeitlicher Art und wir kochen drei verschiedene Mahlzeiten: Zum Frühstück gibt es im Tonmantel gebackene Eier, Steinzeitkekse und auf heißem Stein gebackene Pfannkuchen (Holunderdolden im Teigmantel ... Iecker!), dazu ein weniger steinzeitliches Glas Milch. Zum Mittag backen wir Schweinebraten im Erdofen, gefüllt mit gekeimtem Getreide und Äpfeln. Am Abend stellen wir mit Talg, hohlen Steinen oder Muscheln und verschiedenen Dochten Fettlampen her, die wir nachts vor unseren Zelten brennen lassen für den Fall, dass nicht alle Säbelzahntiger ausgestorben sind!).
Ein Höhepunkt des Wochenendes ist die Schamanische Geisterstunde". Es handelt sich hierbei um eine ethnologisch-archäologische Annäherung an das Thema Steinzeitmusik". Diese Vorstellung nimmt die Form eines Rituals an, bei dem der Schamane die Geister der Tiere, der Erde, des Windes, des Regens usw. mit verschiedenen Instrumenten aus Naturmaterialien (Birkenborke, Gänsefedern, Schneckenhäusern, Horn, Bambus, Holzbrettchen usw.) ruft. Danach überlegen wir uns, was der Archäologe nach 20.000 Jahren wieder findet und höchstwahrscheinlich richtig interpretieren kann.
Steinzeitmalerei und Gravuren auf gefärbten Gipsplatten runden das Wochenend-Programm ab.
Lehrerfortbildung:
Die Zusammenarbeit mit Lehrern beinhaltet nicht nur Aktionen mit deren Schülern, sondern kann auch als Fortbildungsveranstaltung laufen. In Partnerschaft mit den zuständigen Behörden organisieren wir Ausbildungsseminare über die Archäologie-Pädagogik, oder wir führen mit einer Schule eine Schilf" (schulinterne Lehrerfortbildung") durch. Bis jetzt wurden folgende Themen bearbeitet:
Die Steinzeit Grundprogramm" beinhaltet die Aktivitäten der unterrichtsbegleitenden Animation".
Die Kunst in der Steinzeit": Vorgeschichte der Kunst, mögliche Bedeutung der steinzeitlichen Kunst, Steinzeitkunst mit Kindern (Farbherstellung Maltechniken, Gravuren usw.).
Anfänge der Metallurgie, ein Schritt in die Bronzezeit": Herstellung von bronzezeitlichem Schmuck mit Messingdraht, Grundtechniken des Kaltschmiedens und des Gießens.
B. Ziele der Arbeit
Abgesehen vom Spaß, den mir diese Arbeit bereitet und der Notwendigkeit, einen Gewinn zu erwirtschaften, habe ich bei dieser Tätigkeit mehrere pädagogische Ziele:
Die Kinder (und oft auch die Erwachsenen) sollen lernen durch Handeln zu lernen:
Gelesen oder gehört ist noch nicht gelernt, gelernt ist noch nicht verstanden, verstanden ist noch nicht gekonnt, gekonnt ist nicht immer begriffen".
Durch die Auseinandersetzung mit der Materie (wie bekomme ich einen passablen Feuersteinabschlag um mein Fleisch zu schneiden?) oder mit der Lebenslage unserer steinzeitlichen Ahnen (wie kann ich bei -40 Grad ohne Zentralheizung überleben?), können die heutigen Kinder ihre Situation, die sie als normal" einschätzen (ist es normal, beim Bäcker um die Ecke oder bei Aldi einkaufen zu können, eine Schule zu besuchen oder ins Kino zu gehen?), besser verstehen und begreifen.
Die Kinder sollen lernen vergangene oder fremde Kulturen zu achten. Immer noch herrscht das Bild vom wilden, Keulen schwingenden, brüllenden, Halbaffen ähnlich aussehenden Steinzeitmenschen. Durch die Konfrontation mit den Schwierigkeiten, die ein Leben während der Eiszeit bereitet und die gefundenen Lösungen (Kleidung nähen mit Knochennadeln und Sehnen, Feuer machen, erfolgreiche Jagdtechniken, Werkzeugherstellung usw.) bekommen die Kinder ein anderes Bild von unseren Vorgängern. Durch zahlreiche Brücken" zwischen steinzeitlichen Techniken und jetzigen Lebensweisen anderer Völker, versuche ich den Teilnehmern klar zu machen, dass unsere Zivilisation nur eine Möglichkeit unter anderen darstellt, sie ist nicht unbedingt besser oder schlechter als die anderer. Die Tatsache, dass die Kinder unserer Welt" mit dem Game-Boy spielen oder bei McDonalds essen können, macht unsere Zivilisation nicht besser als die der Tzotzile in Zentralamerika oder die der !Kung! in Südafrika. Dies sehe ich als Beitrag zur politischen Bildung der Menschen, mit denen ich arbeite.
Wo stehe ich in der Geschichte der Menschheit?
Ein Baum, der keine Wurzeln hat, trägt keine Früchte."
Die Erde ist ca. fünf Milliarden, die ältesten Lebensformen auf der Erde sind ca. 360 Millionen, die ältesten hergestellten Werkzeuge 2,5 Millionen, die Religion ist über 60.000 und die Schrift ca. 6.000 Jahre alt ... und ich? Wo stehe ich in dieser Geschichte? Welche Verantwortung habe ich, welche Verantwortung hat unsere Zivilisation gegenüber der Umwelt? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen erfolgt während der Arbeit mit Steinzeit. Durch Kennenlernen ihrer Wurzeln (Vergangenheit) werden sich die Teilnehmer vielleicht ein wenig ihrer Annehmlichkeiten bewusst. (Was hinterlasse ich der Zukunft?)
C: Die pädagogischen Mittel
Die Provokation als pädagogisches Mittel: In der Regel fange ich meine Animation über die Steinzeit folgendermaßen an: Die Steinzeitmenschen waren ziemlich klein, gebeugt, behaart, etwas dumm, hatten große Keulen, grunzten 'uga, uga'. Sie waren mit einem Stück Fell um den Popo bekleidet, jagten Mammute mit Hilfe von großen Fallgruben, lebten in Höhlen und machten Feuer mit Hilfe von zwei Feuersteinen." Ich sage das voll überzeugend, so dass die Kinder zustimmen. Dann kommt die Frage: Die Mammute lebten wohl in Eiszeiten, nicht wahr? Kann man mit einem Stück Fell um die Hüften bei -40 Grad leben? Natürlich nicht!" Und die andere Version: Die Steinzeitmenschen hatten Hosen, Jacken mit Kapuze, Stiefel, womöglich Handschuhe..." Nein, natürlich nicht!" sagen die Kinder. Aber doch!!" Weitere Fragen folgen: Kann man bei -40 Grad eine tiefe Fallgrube ohne Bagger und Dynamit ausheben, nur mit Spaten aus Holz oder Rentiergeweih? Nee! Und wo gibt es hier in Norddeutschland Höhlen? Nirgendwo!"
Peu a peu nehmen wir dieses Klischee der Steinzeitmenschen auseinander bis hin zu der Tatsache, dass mit zwei Feuersteinen kein Feuer entstehen kann. Erst dann können wir die richtigen Lebensbedingungen und die Lebensweise der Cro-Magnon-Menschen bearbeiten. Diese Provokation am Anfang hat sich als das beste Mittel erwiesen, die Kinder ihren Pseudowissensstand infrage stellen zu lassen. Dies gilt aber nicht nur für die Kinder, selbst die Lehrer müssen dabei den Stoff, den sie jahrelang unterrichteten, infrage stellen.
Tritt über deinen Schatten!" Das habe ich noch nie gemacht! Das kann ich nicht! Ist das schwer?" Dies sind übliche Bemerkungen und Fragen, die wir als Pädagogen der Archäotechnik zu hören bekommen. Unsere Arbeit besteht darin, die Kinder zu ermuntern neue Wege zu gehen, neue Erfahrungen zu machen und neue Eindrücke zu gewinnen. Die Reaktion auf die drei oben genannten Bemerkungen lautet: Wenn du nicht mit etwas anfängst, was du nie gemacht hast, bekommst du nie Kinder! Probiere erst, dann kannst du prüfen, ob du es kannst oder nicht. Kein Meister ist je vom Himmel gefallen! Es ist wie Rad fahren: Am Anfang kann man auf die Nase fallen, aber wenn man es kann, ist es sehr einfach."
Die Kinder haben hier Gelegenheit über ihren Schatten zu springen, sich zu wagen, ein Stück rohes Fleisch in die Hand zu nehmen, um es zu schneiden (was die meisten noch nie getan haben!), Kekse zu essen, die in der Glut gelegen haben (igittigitt, ist das nicht dreckig?), sogar aus Mexiko mitgebrachte gegrillte Heuschrecken zu essen. Dabei lernen sie nicht nur etwas über das Leben in der Steinzeit und über fremde Kulturen, sondern über sich selbst. Sie erfahren, dass ihre Grenzen nicht starr sind und was sie für selbstverständlich gehalten haben, eigentlich nicht immer so selbstverständlich ist.
Die Personifizierung der Ereignisse:
Wenn ich von einem Ereignis spreche, z.B. über die Entwicklung der Landwirtschaft, rede ich nicht von abstrakten Personen, sondern z.B. von Nurka: Sie ist 28 Jahre alt, hatte fünf Kinder, lebte vor 8000 Jahren im jetzigen Irak, ihr Mann hieß Tunga und ihre Nachbarin Nala. Das Ganze nimmt die Form eines Theaterstückes an, in welches ich einige Kinder einbeziehe. Dadurch bekommt dieses Ereignis eine begreifbare Form, die Kinder können sich mit den Personen identifizieren, und es ist dadurch möglich, unbemerkt viele Informationen hineinzuschmuggeln": Ist es üblich, mit 28 Jahren fünf Kinder zu haben und noch dazu drei bei der Geburt verloren zu haben? Kann man tatsächlich Schnecken und Würmer essen? In Deutschland nicht, aber anderswo?
Kompromisse:
Bei der Arbeit müssen wir Kompromisse machen. Wenn es in der Kindergartengruppe einige moslemische Kinder gibt, kann ich ihnen nicht Schweinefleisch servieren, mit der Begründung, in der Steinzeit hätte es keine Moslems gegeben. Putenfleisch gab es bekanntlich in Europa vor der Entdeckung Amerikas nicht. Damit diese Kinder trotzdem an der Animation teilnehmen können - und auch aus Kostengründen - bereiten wir unseren Steinzeiteintopf mit Putenfleisch zu. Mit Kompromissen arbeite ich nach dem Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich." Die Frage der Kompromisse finden wir ständig auf unserem Weg, und jedesmal müssen wir abwägen, wie weit man gehen kann. Ist es vertretbar, da Papier nicht so saugfähig ist wie Kalkstein, auf Rauhfasertapete zu malen, statt auf Fels- oder Gipswänden? Ist es akzeptabel, Bier als Bindemittel zu verwenden? (Mein Tipp: Es geht ganz gut!) Die Farbe für das Schminken mische ich auch mit Bier, damit ich eine wässerige Konsistenz und keine fettige Creme erhalte. Wasser ergibt eine Farbe, die - wenn sie getrocknet ist - nur sehr wenig auf der Haut haftet. ln der Steinzeit hatten sie kein Bier!" sagen dann die Kinder. Das stimmt", sage ich, viele Völker mischen die Farbe mit Urin um eine bessere Klebekraft zu bekommen. Wenn ihr das wollt, kann ich es auch tun ..." In diesem Fall ist der Kompromiss mit Bier sehr schnell akzeptiert.
D. Entwicklung von pädagogischen Werkzeugen
Die Entwicklung von pädagogischen Werkzeugen ist oft mit einem Kompromiss verbunden. Wie kann man z.B. das Thema Steinzeitmalerei mit Kindern in Schulen bearbeiten, wenn zufälligerweise keine Höhle zur Verfügung steht? Wenn aber Höhlen zur Verfügung ständen, wäre es vertretbar, darin zu malen? Sicherlich nicht!
Wir müssen also ein Werkzeug erfinden, was gute ästhetische Ergebnisse ermöglicht, leicht zu transportierten und preiswert ist. Zeichenpapier ist zu glatt und gibt kein gutes Ergebnis, dafür liefert Rauhfasertapete eine interessante Struktur, die etwas an eine Felswand erinnert. Wenn man diese Fläche mit stark bierverdünnter Erdfarbe und Holzkohlepulver unregelmäßig färbt, hat man einen guten Malgrund, der sowohl als Einzelbild als auch für größere Wandbilder (bei Zusammenkleben von Einzelbildern) verwendet werden kann.
Ich habe Bedenken, die Kinder auf Schieferplatten gravieren zu lassen. Wer weiß, was aus diesen Ritzzeichnungen in 20 oder 50 Jahren wird? Die Verwechslungsgefahr mit echten Gravuren ist nicht unerheblich, und ich will nicht dazu beitragen, dass in der Zukunft diese Bilder Bestandteil einer wissenschaftlichen Arbeit über Steinzeitkunst werden.
Die Gravur ist aber eine sehr reizvolle Ausdrucksform, die die Kinder sehr motiviert. Um trotzdem das Thema Gravur" zu bearbeiten, gieße ich (oder lasse ein paar Wochen im Voraus in der Klasse gießen) Gips in Schuhkartondeckel. Auf diese Gipsfläche streuen wir Erdfarben und Holzkohlepulver. Wenn der Gips nach mehreren Tagen fest und getrocknet ist, wird die Farbe verrieben und eventuell fixiert. Dies sieht einer patinierten Höhlenwand sehr ähnlich und genau wie z.B. in der Höhle Combarelles können wir durch Herauskratzen der gefärbten Oberfläche mit kleinen Silexzinken die weiße Farbe des Gipses finden. Die Ergebnisse sind sehr schön, die Arbeit ist einfach auszuführen und die Kinder können - was für viele wichtig ist - etwas als Erinnerung mit nach Hause nehmen.
Dies sind nur zwei Beispiele von pädagogischen Werkzeugen, die ich entwickelt habe. Die Entwicklung solcher Mittel ist ein sehr interessanter Aspekt meiner Arbeit.
E. Beziehung zu den Arbeitspartnern
Als Arbeitspartner" bezeichne ich sowohl die Kinder als auch die Lehrer, Privatpersonen oder Institutionen wie die Museen.
Die Kinder:
Kinder sind sehr unterschiedlich. Es gibt die Murmeltiere", (zu) ruhige Exemplare, die kaum Feedback geben, die Professoren", die alles wissen und den anderen keine Chance geben sich zu äußern, die Klassenclowns", die zwar in der Regel nett, aber oft störend sind, die Rowdies", die die Aktion als gute Gelegenheit ansehen, Blödsinn zu treiben, die coolen Jungs", die so tun, als ob alles, was man ihnen zeigt, unwichtig sei und Kinderkram" wäre, und die etwas älteren Mädchen, die sich unter dem Begriff Homo erectus" etwas ganz anderes vorstellen als ich meine und nur hübsche Jungs im Kopf haben. Es gibt glücklicherweise auch die anderen, die meist die Mehrheit ausmachen, motivierte Kinder, die nett sind und begeistert mitmachen.
Gegen Murmeltiere" kann man wenig tun; man kann lediglich die Provokation bis zum Äußersten treiben, um vielleicht eine Reaktion zu erhalten. Die Professoren" sollte man im Gegenteil so wenig wie möglich zu Wort kommen lassen. Oft verordne ich ihnen eine Viertelstunde Sendepause", d.h. ich zwinge sie, für diese Zeit zu schweigen, damit die anderen zu Wort kommen können. Mit den Klassenclowns" ist es normalerweise einfach; mit dem Satz Es gibt heute hier nur einen Klassenclown und der bin ich" habe ich normalerweise das Problem im Griff. Klassenclowns sind oft nette Kinder, die trotzdem die Aktion gut verfolgen und mit denen sich gut arbeiten lässt, wenn dieser Punkt geregelt ist. Den Rowdies" sollte man nicht entgegen kommen, ganz klar warnen und klare Grenzen zeigen. Ich bin kein Tierbändiger" (Tierbändigen ist viel teurer!). Sie sind nicht gezwungen sich für meine Arbeit zu interessieren, sind aber gezwungen mich arbeiten zu lassen. Wenn sie das nicht verstehen wollen und die Klasse zu sehr stören, schließe ich sie aus der Aktion aus. Wenn es zu viele sind und sie sich gefährlich verhalten (z.B. beim Bogenschießen) oder mein Material fahrlässig beschädigen, unterbreche ich die Aktion und fahre nach Hause! Dies ist mir glücklicherweise bisher nur ein einziges Mal passiert. Coole Jungs" sind manchmal schwer zu gewinnen und für die Aktion zu interessieren. Es handelt sich oft um Jungen aus der Großstadt, die glauben schon sehr viel gesehen zu haben und nur ein müdes Lächeln für meinen Kinderkram" übrig haben. Wenn sie aber verstehen, dass sie Gelegenheit haben, hier und heute etwas Spannendes zu tun (Bogenschießen!) und dass dieser komische Franzose verdammt viel kann, was sie nicht können (Feuer machen mit zwei
Stückchen Holz in zehn Sekunden!), habe ich gewonnen und die Arbeit mit ihnen kann recht viel Spaß machen. Es kann aber etwas dauern, bis sie ihre Panzer" ablegen. Mit pubertären Mädchen ist nicht viel zu machen ... abwarten; in einigen Jahren wird man mit ihnen gut arbeiten können.
Die Lehrer:
Lehrer sind auch sehr verschieden, mit dem Unterschied, dass sie sich selbst entschlossen haben mit mir zu arbeiten. Das heißt, sie sind normalerweise willig und motiviert. Es gibt natürlich auch den Fall, dass ein Lehrer sich freut, einen ganzen Morgen nichts zu tun und mir die Arbeit überlässt. Das ist aber die Minderheit.
Dann und wann habe ich mit Lehrern zu tun, die gern die Praxis" buchen wollen, aber nicht den theoretischen Teil" meines Programms, nach dem Motto: Reden kann ich selbst, du solltest lediglich mit den Kindern Feuer machen und Bogen schießen." (Im Klartext: Was er selbst nicht kann!) Dies tue ich sehr widerwillig. Ich habe kein Interesse, als Bogenschießlehrer" zu arbeiten und sehe meine Arbeit als ein Ganzes. Der Kunde ist zwar König, ich habe aber ein Konzept, an welches ich mich halte und das ich durchführen möchte. Er kann zwar reden, hat aber nicht das Fachwissen um die Materie zu vermitteln' wie ich sie verstehe. Außerdem arbeite ich gern längere Zeit mit einer Kindergruppe, um die einzelnen Kinder besser kennen zu lernen, ehe ich zur Praxis übergehe.
Museen und Institutionen:
Museen haben für mich zwei Gesichter: Sie sind einerseits unfaire Konkurrenten, die sich erlauben können Aktionen viel billiger anzubieten, sie sind aber auch willkommene (wenn auch seltene) Auftraggeber.
Mein Vorteil gegenüber Museen ist, dass ich mit meinem ganzen Material in die Schule komme. (Steinzeitmenschen benötigen große Autos und manchmal auch einen Anhänger!) Ich arbeite von der ersten bis zur letzten Minute eines Schultages mit den Kindern. Es wird keine teure Busfahrt benötigt, es geht keine Fahrzeit verloren. Ich bin oft auch flexibler und habe keine Öffnungszeiten.
Die Arbeit ist aber sehr wetterabhängig. Ich arbeite viel draußen, und wenn es kräftig regnet, können wir weder Bogen schießen noch Feuer oder Mehl machen. Damit verbunden ist auch, dass ich nur im Herbst und ab Ostern arbeiten kann, wenn die Kinder zur Schule gehen und das Wetter es ermöglicht. Im Sommer ist weniger los, abgesehen von Ferienprogrammen oder einigen Museumsfesten wie die Tage der lebendigen Archäologie" in Hitzacker.
Sonstiges
Es ist nicht immer einfach, meinen Arbeitspartnern klar zu machen wofür ich mein Honorar bekomme. Oft denken sie, dass es lediglich für die paar Stunden" ist, die ich mit den Kindern verbringe. Dafür muss ich aber das ganze Material zur Verfügung stellen, verwalten, reparieren und noch ab und an 200 kg Feuersteine an der Ostseeküste sortieren und nach Hause bringen. Steinzeitmenschen brauchen viel Lagerplatz, eine geduldige Lebenspartnerin und ein großes Auto ....
Anschrift des Verfassers
Dr. Jean-Loup Ringot
Alte Schulstr. 15
27729 Hambergen
Web: www.steinzeiterlebnis.de


©2010 | Blumammu |
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